Buchhaltung Grundlagen

Offene Forderungen – was tun bei Uneinbringlichkeit?

1. März 2013

Offene ForderungenIm laufenden Geschäftsverkehr werden unterschiedliche Arten von Forderungen unterschieden. Neben einwandfreien Forderungen gibt es auch zweifelhafte sowie uneinbringliche Forderungen. Deshalb ist es zunächst einmal wichtig, offene Forderungen richtig zu bewerten.

Einwandfreie offene Forderungen

Von einwandfreien Forderungen spricht man, wenn keine Zweifel bestehen, dass diese in voller Höhe beglichen werden. Diese müssen mit ihrem Nennbetrag in der Bilanz ausgewiesen werden. Nach den Bestimmungen des HGB ist dies der Rechnungsbetrag einschließlich der gesetzlichen Umsatzsteuer.

Zweifelhafte offene Forderungen

Bei zweifelhaften Forderungen wird von einem gewissen Ausfallrisiko ausgegangen. Es gibt unterschiedliche Gründung, warum offene Forderungen zweifelhaft werden können. Zum Beispiel hat ein Debitor einen Insolvenzantrag gestellt oder eine Rechnung wurde trotz mehrfacher Mahnung noch nicht beglichen. Bei Forderungen gilt ein strenges Niederstwertprinzip, weshalb diese wertberichtigt werden müssen. Die zweifelhaften Forderungen werden aus Gründen der Bilanzklarheit von den einwandfreien Forderungen getrennt und auf das entsprechende Konto „zweifelhafte Forderungen“ umgebucht.

Uneinbringliche offene Forderungen

Eine uneinbringliche Forderung liegt immer dann vor, wenn klar ist, dass diese nicht mehr beglichen wird. Zu einer uneinbringlichen Forderung kann beispielsweise eine erfolglose Zwangsvollstreckung oder der Tod eines Schuldners führen. Uneinbringliche Forderungen werden nach den Bestimmungen des HGB in voller Höhe abgeschrieben und um die Umsatzsteuer korrigiert.

Umsatzsteuererstattung von uneinbringlichen Forderungen

Können offene Forderungen mit Sicherheit nicht mehr realisiert werden, dürfen Unternehmer die bisher geschuldete Umsatzsteuer zu ihren Gunsten berichtigen. Im Gegenzug muss der Leistungsempfänger den bereits in Anspruch genommenen Vorsteuerabzug zu seinen Lasten korrigieren. Dabei stellt sich für offene Forderungen immer wieder die Frage, zu welchem Zeitpunkt die entsprechende Korrektur vorzunehmen ist. Das Finanzgericht München hat hierzu in einem Urteil festgestellt, dass dies immer dann der Fall ist, wenn offene Forderungen nicht erfüllt und mit einer Begleichung auch nicht mehr zu rechnen ist. Das Ausbleiben der Zahlung zum Fälligkeitstag reicht dafür jedoch nicht aus. Die Umsatzsteuer darf unter anderem berichtigt werden, wenn der Gläubiger dem Schuldner zusichert, dass er die Forderung nur noch in verminderter Höhe geltend macht. Dies gilt auch für den Fall, dass der Schuldner die Forderung an sich bestreitet und eine Begleichung deshalb ablehnt.

Einzelwertberichtigung für offene Forderungen

Die Einzelwertberichtigung ist eine von mehreren Möglichkeiten um offene Forderungen neu zu bewerten. Dabei werden bisher einwandfreie Forderungen auf das Konto zweifelhafte Forderungen umgebucht. Die Umsatzsteuer wird erst dann korrigiert, wenn zweifelsfrei feststeht, dass die betreffende Forderung nicht mehr beglichen wird. Ist auf eine offene Forderung ein Verlust zu erwarten, so wird am Bilanzstichtag eine indirekte Buchung auf das Konto Einzelwertberichtigung vorgenommen. Falls die Forderung zu einem späteren Zeitpunkt uneinbringlich wird, erfolgt die Abschreibung direkt über ein entsprechendes Konto. Die Einzelwertberichtigung selbst ist hiervon nicht betroffen und wird erst zum Ende des Jahres angepasst. Dabei lassen sich drei unterschiedliche Fälle unterscheiden. Es kommt vor, dass die gebuchte Summe zu hoch, zu niedrig oder genau richtig angesetzt wurde. Gehen unerwartete Zahlungen für offene Forderungen ein so müssen diese als periodenfremder Ertrag mit der entsprechenden Umsatzsteuer gebucht werden.

Pauschalwertberichtigung auf offene Forderungen

Bei der Pauschalwertberichtigung werden offene Forderungen nicht einzeln bewertet. Stattdessen setzt das Unternehmen auf der Grundlage von Erfahrungswerten eine Pauschale an. Dieser Satz wird in der Regel aus den uneinbringlichen Forderungen der letzten drei bis fünf Jahre gebildet. Wichtig ist, dass die angesetzte Pauschale jederzeit nachweisbar ist. Zudem muss darauf geachtet werden, dass die Buchung der Pauschalwertberichtigungen auf die Nettoforderungen erfolgt. Die in einem Geschäftsjahr angefallenen uneinbringlichen Forderungen werden direkt abgeschrieben und mit den jeweiligen Nettobeträgen verbucht. An Stichtag der Bilanz werden die Pauschalwertberichtigungen dann an die tatsächlichen offenen Forderungen angepasst. Dabei kann es vorkommen, dass der Pauschalwert erhöht oder gesenkt wird. Forderungen, die mit einer Einzelwertberichtigung bewertet wurden, müssen aus der Pauschale herausgerechnet werden.

Gemischte Bewertung (Einzelwert- und Pauschalwertberichtigung)

In der Praxis kommt es sehr häufig vor, dass beide Verfahren angewendet werden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn für eine einzelne Forderung eine Einzelwertberichtigung erforderlich ist, da beispielsweise eine Ausfallquote aufgrund einer Insolvenz ermitte3lt wurde. Um eine Pauschalwertberichtigung anwenden zu können, müssen die zweifelhaften Forderungen aus dem Gesamtbetrag der offenen Forderungen herausgerechnet werden.

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