Absetzung für Abnutzung

Wie werden geringwertige Wirtschaftsgüter abgeschrieben

10. Juli 2014

Abschreibung Verlust

Im deutschen Einkommensteuerrecht können Sie geringwertige Wirtschaftsgüter sofort oder in Etappen abschreiben. Was unter diesen Begriff fällt, regelt § 6 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG).

Ein geringwertiges Wirtschaftsgut

  • wird für die Arbeit eines Steuerpflichtigen benötigt,
  • kostet in der Anschaffung bzw. Herstellung maximal 1000 € netto,
  • ist beweglich und einer wirtschaftlichen oder technischen Abnutzung ausgesetzt,
  • ist selbstständig nutzbar wie zum Beispiel Tablets, Smartphones, Bücher und Laptops.

Geringwertige Wirtschaftsgüter gehören zum Anlagevermögen eines Unternehmens, das dem Geschäftsbetrieb langfristig dient. Dazu gehören Büromöbel und -Stühle, Werkzeuge, Software und auch die Kaffeemaschine. Immaterielle Wirtschaftsgüter wie Lizenzen zählen nicht dazu.

Wirtschaftsgüter, die im Betrieb nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern nutzbar oder technisch aufeinander abgestimmt sind, lassen sich nicht selbstständig nutzen und daher nicht als geringwertiges Wirtschaftsgut abschreiben. Typische Beispiele sind der Computer ohne Monitor, Maus und Tastatur; der Pkw-Anhänger ohne Zugfahrzeug, der Drucker ohne PC oder die Bestuhlung im Kino. Diese Wirtschaftsgüter können aber als wirtschaftlich eigenständige Gegenstände entweder nach der Afa-Tabelle oder bei einem Maximalwert von 60 € sofort abgeschrieben werden.

Dagegen können Sie eine Software als bewegliches, selbstständig nutzbares Werkzeug aktivieren, wenn diese als so genanntes „Trivialprogramm“ gilt. Das ist der Fall, wenn die Software Datenbestände, Texte oder Daten ohne besondere Bearbeitung abspeichert.

Drei verschiedene Abschreibungsmöglichkeiten

Die steuermindernde Absetzbarkeit gestaltet sich unterschiedlich und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Bei den Einkünften aus Kapitalvermögen können Sie seit der Einführung der Abgeltungssteuer und des Sparerpauschbetrages geringwertige Wirtschaftsgüter überhaupt nicht mehr abschreiben.

Um die richtige Abschreibungsform zu finden, müssen Sie die jeweilige Rechtslage zum Zeitpunkt der Anschaffung Ihres geringwertigen Wirtschaftsguts beachten. In der Zeit von Anfang 2008 bis Anfang 2010 hat der Steuergesetzgeber die Modalitäten der Abschreibung mehrfach geändert.

Sofort-Abschreibung als GWG

Wirtschaftsgüter, die vor dem 1. Januar 2008 angeschafft wurden, konnte der Unternehmer im Anschaffungsjahr in voller Höhe komplett abschreiben. Andererseits konnte er sie auch normal über die Nutzungsdauer gemäß Afa-Tabelle steuermindernd absetzen. Wer im Anschaffungsjahr die Sofortabschreibung nicht vorgenommen hat, kann sie später nicht nachholen. Sie müssen Wirtschaftsgüter mit einem Anschaffungswert von maximal 150 € inklusive Umsatzsteuer noch im Anschaffungsjahr in voller Höhe abschreiben, wenn Sie diese nach dem 1. Januar 2008 gekauft haben.

Abschreibungsmöglichkeiten ab 2010

Bei Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit, Vermietung und Verpachtung sowie bei sonstigen Einkünften können Sie geringwertige Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten bis zum Maximalwert von 410 € zuzüglich Umsatzsteuer sofort als Werbungskosten steuermindernd geltend machen.

Für Gewerbetreibende und Unternehmer sieht die Rechtslage etwas anders aus:

1. Wirtschaftsgüter mit einem maximalen Anschaffungspreis von 150 € netto können Sie entweder sofort komplett oder nach der gewöhnlichen Nutzungsdauer abschreiben.

2. Wirtschaftsgüter mit einem maximalen Anschaffungspreis im Bereich von 150-410 € netto können Sie:

  • sofort abschreiben,
  • nach der Nutzungsdauer abschreiben oder
  • in einem Sammelposten zur Abschreibung über fünf Jahre bündeln.

Für diese Wirtschaftsgüter gibt es eine besondere Aufzeichnungspflicht, wenn Sie nicht ohnehin zur Buchführung verpflichtet sind.

3. Wirtschaftsgüter, für die Sie 410,01 € -1000 € netto bezahlt haben, werden entweder nach gewöhnlicher Nutzungsdauer abgeschrieben oder in einem Sammelposten zur Abschreibung über fünf Jahre gebündelt.

So nehmen Sie eine Sammelposten- bzw. Poolabschreibung vor

Sie können Wirtschaftsgüter im Kostenbereich von 150 €-1000 € pro Wirtschaftsjahr in einen Sammelposten zur Abschreibung über fünf Jahre aufnehmen, wenn Sie diese nach dem 31. Dezember 2009 gekauft oder hergestellt haben. Der Wert dieses Pools erhöht sich durch Zuschreibung nachträglicher Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten.

Sie lösen diesen Sammelposten ab dem Herstellungs- bzw. Anschaffungsjahr gleichmäßig zu 20 % auf. Hier zählen nicht deren betriebsübliche Nutzungsdauer, zwischenzeitliche Veräußerung oder Wertminderung.

Wichtig: Es gilt nur ein Entweder-oder im Steuerjahr: Entweder bilden Sie einen Sammelpool für alle selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter ab einem Wert von 150 € -1000 €. Oder Sie schreiben alle Wirtschaftsgüter über 410 € gemäß der üblichen Nutzungsdauer ab. Sie können nicht in einem Steuerjahr beide Abschreibungsformen zugleich in Anspruch nehmen.

Sie können jedes Jahr zwischen der normalen und der Pool-Abschreibung wählen – aber ebenso nur für alle Neuanschaffungen und nicht nur für einzelne Gegenstände.

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