Absetzung für Abnutzung

AfA-Tabellen im Handels- und Steuerrecht

19. Mai 2014

AfA-Tabelle

Viele Unternehmer und Verantwortliche im Rechnungswesen orientieren sich bei der Abschreibung von beweglichen Anlagegütern an den amtlichen AfA-Tabellen. Diese sind jedoch keineswegs immer bindend.

Gesetzliche Grundlagen der Abschreibung

Es entspricht dem Vorsichtsprinzip des deutschen Rechnungswesens, dass jeder Vermögensgegenstand nur mit seinem tatsächlichen Wert in der Bilanz aufgeführt werden darf. Im Handelsgesetzbuch, welches für bilanzierende Unternehmen bindend ist, sind die Vorschriften für die Abschreibung im Paragraphen 253 zu finden. Alle Gegenstände, die nur zeitlich begrenzt genutzt werden können, sind planmäßig abzuschreiben. Wird jedoch zum Bilanzstichtag eine dauerhafte Wertminderung des Vermögenswertes festgestellt, so ist eine außerplanmäßig Abschreibung auf den tatsächlichen Wert zwingend vorgeschrieben (nachzulesen im Absatz 2, §253 HGB). Genaue Vorschriften über die Höhe der Abschreibungen gibt es im Handelsgesetz nicht.
Für alle Unternehmen, die nicht der Bilanzierungspflicht unterliegen, sind die regelmäßigen Abschreibungen im Einkommenssteuerrecht verankert. Hier spricht der Gesetzgeber allerdings von einer Absetzung für Abnutzung, kurz „AfA“ genannt.

Möglichkeit der Abschreibung im Handelsrecht

Gegenstände des abnutzbaren Anlagevermögens müssen planmäßig über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Welche Abschreibungsmethode dafür gewählt wird, sollte in den Büchern hinterlegt und begründet werden. Mit der Aufnahme des Vermögensgegenstandes in das Anlagenverzeichnis werden auch alle ausgeführten Abschreibungen dokumentiert.
Handelsrechtlich sind folgende Abschreibungsmethoden erlaubt:

  • die lineare Abschreibung in gleichmäßig hohen Jahresraten
  • die degressive Abschreibung in fallenden Jahresraten
  • die leistungsbezogene Abschreibung

Ausgehend von den Anschaffungskosten und der geschätzten Nutzungsdauer des Sachanlagegegenstandes werden die jährlichen Abschreibungsraten ermittelt. Dabei sind die Empfehlungen der amtlichen AfA-Tabelle hilfreich, im Handelsrecht aber nicht bindend. Jedes Unternehmen kann selbst einschätzen, wie viele Jahre das Anlagegut genutzt wird. Gegen eine längere Abschreibungsdauer wird niemand Einwände erheben, eine Verkürzung der Abschreibung sollte jedoch gut begründet werden.

Vorschriften für den steuerlichen Abschluss

Der Jahresabschluss nach Handelsrecht richtet sich in erster Linie an Geschäftsinhaber, an Gesellschafter bzw. Anteilseigener und an Gläubiger eines Unternehmens. Die Gewinnermittlung als Grundlage für die Steuerfestsetzung beruht jedoch auf dem steuerlichen Abschluss. Hier gelten auch für Abschreibungen strengere Regeln. Damit soll eine deutliche Gewinnreduzierung durch überhöhte Abschreibungen verhindert werden. Gesetzlich geregelt ist die Absetzung für Abnutzung im Einkommenssteuergesetz, Paragraph 7. Ausdrücklich erlaubt ist nur die lineare Abschreibung. Nur wenn eindeutig nachgewiesen werden kann, dass der Wert des Anlagegutes mit seiner Leistung sinkt, darf auch leistungsbezogen abgeschrieben werden. Die degressive Abschreibung ist für Anlagegegenstände, die nach dem 31. Dezember 2010 angeschafft wurden, nicht mehr möglich. Wenn Abschreibungen im handels- und steuerrechtlichen Abschluss unterschiedlich gehandhabt werden, müssen latente Steuern berücksichtigt werden.

Orientierung: die AfA-Tabellen

Die Festlegung der Nutzungsdauer der beweglichen Vermögensgegenstände erfolgt für steuerliche Zwecke nach den amtlichen Tabellen für die Absetzung für Abnutzung, die das Bundesfinanzministerium veröffentlicht hat. Dabei sind in den allgemeinen AfA-Tabellen die gebräuchlichsten Gegenstände aufgeführt, die branchenübergreifend eingesetzt werden. Daneben gibt es branchenspezifische AfA-Tabellen, die Anlagegüter entsprechend ihrer Einsatzhäufigkeit in den verschiedenen Wirtschaftszweigen berücksichtigen. So kann es für einzelne Güter durchaus eine unterschiedliche Nutzungsdauer geben. In der allgemeinen AfA-Tabelle wird die Lebensdauer einer stationären Bohrmaschine, wie sie in Werkstätten eingesetzt wird, auf 16 Jahre geschätzt. Ein metallverarbeitender Betrieb kann dagegen eine Bohrmaschine über 10 Jahre abschreiben, weil sie hier deutlich mehr beansprucht wird und sich damit schneller abnutzt. Für jedes Unternehmen lohnt sich also der Blick in die entsprechende branchenspezifische AfA-Tabelle.

Sonderabschreibung bei außergewöhnlicher Abnutzung

Sowohl handelsrechtlich und auch steuerrechtlich müssen Wertminderungen berücksichtigt werden, wenn Gegenstände des Anlagevermögens durch besondere Umstände früher als erwartet abgenutzt sind. Oft verkürzt sich gleichzeitig auch die restliche Nutzungsdauer der Gegenstände. Ein kritischer Blick und eine abschließende Bewertung der Anlagegüter zum Bilanzstichtag muss im Rahmen der Inventur vorgenommen werden. Bei einer dauerhaften Wertminderung werden außerordentliche Abschreibungen vorgenommen, die in der Buchhaltung dokumentiert werden.

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