Abschreibung

AfA Tabellen: Abschreibung von Wirtschaftsgütern über die Nutzungsdauer

2. Juli 2014

Abschreibung

Unternehmer dürfen die Aufwendungen für Anschaffungen für das Unternehmen steuermindernd geltend machen. Allerdings gehen die Finanzbehörden davon aus, das sogenannte Anlagegüter über mehrere Jahre genutzt werden. Daher dürfen die Kosten für Anschaffung oder Herstellung nicht komplett im Jahr der Anschaffung geltend gemacht werden. Die Abschreibung erfolgt gleichmäßig über die übliche Nutzungsdauer verteilt. Dabei spielt die tatsächliche Nutzungsdauer der Anlagegüter keine Rolle. Die Festlegung der Dauer der Nutzung erfolgt über die sogenannten AfA-Tabellen (AfA = Abschreibung für Abnutzung). Für die verschiedensten Wirtschaftszweige und Arten von Anlagegütern existieren die passenden AfA-Tabellen. Buchhalter, Steuerberater und Finanzbeamte können die jeweils anzusetzende Nutzungsdauer von Anlagegütern einfach in der entsprechenden AfA-Tabelle ablesen und das Abschreiben über die vorgegebene Anzahl von Jahren verteilen. Für sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) gelten abweichende Regelungen. Als geringwertig gilt ein Wirtschaftsgut, dessen Kosten für Anschaffung oder Herstellung höchstens 1.000 Euro netto betragen. Das heißt, dass der derzeit gültige Mehrwertsteuersatz nicht als Abschreibung geltend gemacht werden darf.

Die AfA für verschiedene Wirtschaftszweige

Die Abschreibung ist für Anlagegüter vorgesehen. Ein Anlagegut ist ein Gut, dass für den dauerhaften Verbleib im Unternehmen angeschafft oder hergestellt wurde. Es wird also über mehrere Jahre im Unternehmen genutzt. Als Grundlage für die Bemessung der Nutzungsdauer dienen allgemeine Erfahrungswerte, die über die Tabellen definiert werden. Die Abnutzung gleicher Güter in verschiedenen Wirtschaftszweigen kann sich stark unterscheiden und manche Produkte werden nur in bestimmten Branchen genutzt. Daher gibt es neben der AfA für allgemein verwendbare Wirtschaftsgüter (AV) beispielsweise für diese Wirtschaftszweige eigene Tabellen:

  • Abfallentsorgungs- und Recyclingwirtschaft
  • Baugewerbe
  • Brot- und Backwarenindustrie, Herstellung von Tiefkühl- und Kombinationsbackwaren, Bäckereien, Konditoreien
  • Chemische Industrie
  • Eisen-, Stahl- und Tempergießereien
  • Forstwirtschaft
  • Friseurbetriebe und Schönheitssalons
  • Gartenbau
  • Gastgewerbe
  • Gesundheitswesen
  • Waren- und Kaufhäuser
  • Zahntechniker

Die jeweiligen Abschreibungstabellen sind nach der Art des Anlagevermögens in folgendem Aufbau gegliedert:

  • Unbewegliches Anlagevermögen (z. B. Kühlhallen)
  • Grundstückseinrichtungen (z. B. Zäune)
  • Betriebseinrichtungen allgemeiner Art (z. B. Solaranlagen)
  • Fahrzeuge (z. B. PKW)
  • Bearbeitungsmaschinen und Verarbeitungsmaschinen (z. B. Bohrmaschinen, stationär oder beweglich)
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung (z. B. Lagereinrichtungen oder Registrierkassen)
  • sonstiges Anlagevermögen (z. B. Industriestaubsager)

 

AfA-Tabellen – die richtige Tabelle nutzen

Um allen Aspekten des Wirtschaftslebens gerecht zu werden, sind diese vielen verschiedenen AfA-Tabellen nötig. Auf der einen Seite steht die AfA-Tabelle „AV“, die allgemein verwendbare Anlagegüter, die nach dem 31. Dezember 2000 angeschafft wurden, umfasst. Auf der anderen Seite besteht fast für jeden Wirtschaftsbereich eine spezifische Abschreibungstabelle. Als Angehöriger eines der aufgeführten Wirtschaftszweige müssen Sie sich nach der Nutzungsdauer in der für Ihr Unternehmen spezifischen AfA-Tabelle richten. Das gilt immer dann, wenn ein Anlagegut sowohl in der AV- AfA als auch in der Abschreibungstabelle des entsprechenden Wirtschaftszweiges aufgelistet wird. So sieht beispielsweise die AfA für allgemein verwendbare Anlagegüter für Alarmanlagen eine Nutzungsdauer von 11 Jahren vor. Betreiben Sie allerdings einen landwirtschaftlichen Betrieb, dann wird laut der branchenspezifischen AfA-Tabelle eine deutlich kürzere Nutzungsdauer von nur 6 Jahren zugrunde gelegt.

So funktioniert die AfA: ein Rechenbeispiel

Angenommen, Ihr Betrieb gehört keinem gesondert aufgeführten Wirtschaftszweig an. Sie bauen für 700.000 Euro neue Hallen in Leichtbauweise für Ihr Unternehmen und errichten natürlich auch neue Wege und Parkplätze für 90.000 Euro mit einfacher Schotterabdeckung und zusätzlich einen Zaun aus Holz für 10.000 Euro. Dann gilt die Abschreibungstabelle „AV“:

  • Die Hallen in Leichtbauweise sind den unbeweglichen Anlagegütern zugeordnet und müssen über 14 Jahre verteilt bei der Steuer angegeben werden. Die Abschreibung erfolgt also mit 50.000 Euro jährlich über 14 Jahre.
  •  Die Parkplätze und Wege zählen als unbewegliches Gut zu den Grundstückseinrichtungen. Für solche Einrichtungen ohne aufwendigen Unterbau beträgt die Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle 9 Jahre. Die Abschreibung erfolgt mit 10.000 Euro jährlich.
  •  Der Zaun aus Holz hat mit nur 5 Jahren die kürzeste Nutzungsdauer und senkt die Steuer um 2.000 Euro jährlich.

Dieses gleichmäßige Abschreiben wird als lineare Abschreibung bezeichnet. Die Formel für das lineare Abschreiben lautet:

  • Abschreibungsbetrag = Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten / Nutzungsdauer

Gemäß AfA buchen

Das Abschreiben der oben genannten Positionen laut AfA erfolgt in der GuV (Gewinn-und-Verlust-Rechnung) im Posten „Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen“. Der Buchwert des Anlagevermögens vermindert sich am Ende jedes Jahres um den Abschreibungsbetrag. Nach Ablauf der betriebsüblichen Nutzungsdauer wird der Buchwert 0 erreicht. Günstiger ist allerdings das Abschreiben auf einen Erinnerungswert von 1 Euro. So bleibt das Anlagevermögen in der Buchhaltung erhalten und gerät nicht in Vergessenheit. Die endgültige Ausbuchung erfolgt dann, wenn der Gegenstand verschrottet oder verkauft wird und das Unternehmen endgültig verlässt.

Viele Gegenstände haben nach der betriebsüblichen Nutzungsdauer noch einen Rest- oder Schrottwert. Dann sinkt der Buchwert nicht auf 0 oder einen Erinnerungswert ab, sondern der Gegenstand wird mit seinem Restwert bis zur endgültigen Abschaffung weitergeführt. Dazu wird die Höhe der Anschaffungskosten um den Restwert vermindert, bevor der Abschreibungsbetrag ermittelt wird.

In der Regel erfolgt die Anschaffung eines neuen Gegenstandes nicht direkt zum Jahresbeginn. Dann ist das Abschreiben in diesem Jahr anteilig vorzunehmen. Für eine Buchprüfung durch das Finanzamt ist die monatsgenaue Abrechnung ausreichend.

 

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