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Der Kontenrahmen – ohne ihn geht in der Buchhaltung nichts!

28. Juli 2010

Der Kontenrahmen, von vielen einfach auch Kontenplan genannt, gibt den Rahmen einer ordnungsgemäßen Buchführung vor. Erstmals im Jahre 1937 vom Reichswirtschaftsministerium eingeführt steht er mittlerweile in über zweihundert verschiedenen Ausführungen für die einzelnen Wirtschaftszweige und Branchen zur Verfügung. Er stellt den Rahmen für eine systematische Anordnung von Konten und Kontenklassen und dient der Strukturierung der Buchführungsprozesse. Eine Rechtsgrundlage für die zwingende Verwendung besteht nicht, jedoch gibt es kaum ein Unternehmen, welches seine Buchhaltung ohne den Einsatz eines Kontenrahmens führt.

Als meist bekannte Kontenrahmen seien hier der Gemeinschaftskontenrahmen (GKR), eingeführt im Jahre 1951, sowie der in 1971 herausgegebene Industrie-Kontenrahmen zu nennen. Darüber hinaus gibt es jedoch eine Vielzahl an weiteren branchenspezifischen Kontenplänen, wie beispielsweise für alle Handwerksunternehmen und dem Groß- und Einzelhandel.

Kontenrahmen haben lediglich empfehlenden Charakter, ihre Nutzung liegt im Ermessen des zuständigen Unternehmens und dessen Buchhalter. Eine Pflicht zur Anwendung besteht hier nicht. Einige Unternehmen und deren Buchhaltungsabteilungen arbeiten hier bevorzugt mit einem Kontenplan, der dem Prozessgliederungssystem unterliegt, andere mit dem der dem Abschlussgliederungssystem zuzuordnen ist.

Die in der Praxis gängigsten Kontenrahmen sind der SKR03 sowie der SKR04. Bei beiden handelt es sich um Standardkontenrahmen der DATEV, die in ihrer Aufmachung beiden Gliederungssystemen nachempfunden wurden. Der Kontenrahmen SKR 03 ist hier prozessorientiert und wird häufig von kleineren und Unternehmen mit mittlerer Größe angewendet, während der Kontenrahmen SKR04 hauptsächlich auf Bilanz und Jahresabschluss ausgerichtet wurde und demnach bestmöglich geeignet ist für große Unternehmen.

Der Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie ist ähnlich den Standardkontenrahmen der DATEV, ist nummerisch gegliedert und entspricht somit ebenfalls dem sogenannten Prozessgliederungssystem. Nach einem dekadischen Muster aufgebaut stehen dem Nutzer hier zehn Kontenklassen zur Verfügung, die sich bei der Kontenklasse Null anfangend bis zur klasse Zehn in Anlagevermögen, Finanz- und Umlaufvermögen, Aufwendungen und Erträge, Bestände, Kosten, Kostenstellen und –träger sowie den Abschlusskonten unterscheiden lassen.

Der IKR Industriekontenrahmen ist dem Gemeinschaftskontenrahmen nachempfunden und verdeutlich auch hier ein einheitliches und geordnetes Kontosystem. Im Industriekontenrahmen gibt es darüber hinaus allerdings eine explizite Trennung zwischen der Geschäfts- und der Finanzbuchführung, was durch das hier genutzte Abschlussgliederungsprinzip verdeutlicht wird. Unternehmenserfolge werden somit beispielsweise in der Finanzbuchhaltung als Gewinn ausgewiesen, in der Kosten- und Leistungsrechnung jedoch weiterhin auch als kalkulatorisches Betriebsergebnis. Dieses Modell wird auch als sogenanntes Zweikreissystem bezeichnet. Jeder Buchführungsbereich ist hier getrennt voneinander zu sehen und kann dementsprechend separat abgeschlossen werden.

Jeder Kontenplan soll darüber hinaus den einzelnen Gegebenheiten der jeweiligen Unternehmen Rechnung tragen und ist nach diesen Gegebenheiten zu wählen. Da speziell die Finanzbuchhaltung zahlreichen Normen und Pflichten unterworfen ist, ist die Nutzung des Kontenrahmens/Kontenplans ein oftmals unverzichtbares Mittel um eine ordnungsgemäße Buchführung zu gewährleisten und durchzuführen. Auch um sachverständigen Dritten ein umständliches Suchen und Nachverfolgen zu ersparen, ist die Nutzung des Kontenrahmens hier dem zu Folge besonders angeraten, da mit ihm alle Sachverhalte einer einheitlichen Regel und der Zuordnung in einzelne Klassen und auf einzelne Konten unterworfen werden können.

Die meisten Buchhalter machen sich kaum noch Gedanken darüber, welch wichtiges buchhalterisches Mittel sie in Händen halten, wenn es um das Kontieren der einzelnen Belege geht. Ob GKR oder IKR, ob SKR03 oder SKR04 oder einer der vielen anderen branchenspezifischen Pläne: Der Kontenrahmen ist aus der Buchhaltung nicht mehr wegzudenken.

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