Kleinunternehmer

Wenn das Finanzamt auf Bilanzierungspflicht hinweist

10. November 2010

Existenzgründer und Jungunternehmer beginnen ihre Selbstständigkeit nicht selten hoch motiviert mit großen Zielen und Plänen für ihr zukünftiges Leben. Meist wird hier sämtliche Energie in das gegründete Unternehmen gesteckt, damit sich schnell ein weitreichender Kundenstamm für die zu veräußernden Produkte oder Dienstleistungen entwickelt. Das Thema Buchführung wird hierbei jedoch oftmals völlig vergessen.

Man muss nicht unbedingt ein Buchführungsexperte sein, um die laufende Buchhaltung nach ordentlichen Gesichtspunkten zu führen. Neben dem Hauptgeschäft darf diese jedoch keinesfalls in Vergessenheit geraten und sollte nach Möglichkeit ständig auf dem laufenden Stand gehalten werden. Es versteht sich somit von selbst, dass eingehende und ausgehende Rechnungen, Kontoauszüge, Lieferscheine und Barbelege zeitnah sortiert…

und auch abgelegt werden.

Vielen Jungunternehmern und auch freiberuflich Tätigen kommt zugute, dass sie ihre Selbstständigkeit oftmals zunächst mit dem Status des sogenannten Kleinunternehmers beginnen. Ein Kleinunternehmer verfügt, wie der Name schon richtig sagt, noch nicht über immense Umsatzerlöse. Was im unternehmerischen Sinne als nachteilig erscheint, ist jedoch für das Führen der Buchhaltung oftmals ein großer Vorteil. Viele rechtliche Verpflichtungen, wie sie beispielsweise großen Unternehmen und Konzernen auferlegt werden, sind im Rahmen der Kleinunternehmerregelung unnötig. So entfällt hier zum einen die Pflicht für das Führen einer doppelten Buchhaltung auf den jeweiligen Konten, zum anderen besteht keine Bilanzierungspflicht.

Wer als Kleinunternehmer startet, für den gilt in der Regel nur die Pflicht, alle Einnahmen und Ausgaben ordnungsgemäß gegenüberzustellen. Darüber hinaus bedarf es keiner quartals- oder monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen, was für viele Unternehmer eine große Erleichterung darstellt. Im Gegenzug darf auf den Ausgangsrechnungen jedoch gemäß § 19(1) UStG auch keine Mehrwertsteuer ausgewiesen werden. Die Gegenüberstellung der Einnahmen wie auch Ausgaben muss in der sogenannten Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) deklariert werden. Der dort ausgewiesene Gewinn oder Verlust dient als Bemessungsgrundlage für den zu versteuernden Gewinn.

Doch nicht jeder kann die Vorteile dieser Kleinunternehmerregelung während der gesamten Selbstständigkeit beibehalten. Wer von steigenden Umsätzen profitiert, freut sich meist, rutscht dann jedoch entsprechend in die sogenannte Regelbesteuerung. Ab diesem Zeitpunkt muss auf allen Rechnungen nun der entsprechende MwSt-Satz (7% oder 19%) ausgewiesen werden. Ebenso werden auch die Umsatzsteuervoranmeldungen für das Finanzamt fällig. Wer also im laufenden Jahr Erlöse von über 17.500 Euro oder im folgenden Jahr 50.000 Euro erwirtschaftet, muss den Kleinunternehmerstatus abgeben. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) darf jedoch beibehalten werden.

Wächst das Unternehmen jedoch weiter und bewegt man sich in Umsatzzahlen von 500.000 Euro und Gewinnen von über 30.000 Euro, meldet sich hier meist das Finanzamt und bittet um Bilanzierung.

Unternehmer, die eine Bilanz erstellen müssen haben nun einen hohen buchungstechnischen Verwaltungsaufwand. Die einfache Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben reicht nicht mehr aus, stattdessen muss eine doppelte Buchführung erfolgen, die mit Inventur, Inventar, Eröffnungsbilanz, Eröffnungsbilanzkonto, Bestandskonten, Erlöskonten, der Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV), dem Schlussbilanzkonto und auch der Bilanz einhergeht.

Der Übergang von der Einnahmen-Überschuss-Rechnung zur Bilanzierung stellt jedoch viele Unternehmer vor große Probleme. Zumal dann, wenn keine hinreichenden Buchhaltungskenntnisse vorhanden sind und die Buchführung bisher ohne entsprechendes Fachpersonal oder dem Steuerberater erledigt wurde.
Ab diesem Punkt empfiehlt es sich, sachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich entsprechend beraten zu lassen. Denn – kommt das Unternehmen seinen diesbezüglichen Buchhaltungspflichten nicht ordnungsgemäß nach, d. h. ist für außenstehende Dritte kein lückenloses Buchhaltungssystem erkennbar, wird der erwirtschaftete Gewinn von den zuständigen Finanzbehörden in der Regel geschätzt. Und zwar meist eher großzügig!

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