Kleinunternehmer

Den Wechsel von der Kleinunternehmerregelung zur Regelbesteuerung rechtzeitig beantragen!

10. November 2010

Viele Jungunternehmer und Existenzgründer starten ihre Selbstständigkeit zunächst im Rahmen der sogenannten Kleinunternehmerregelung. Wer noch nicht sicher weiß, wie sich die Umsatzzahlen im ersten Jahr entwickeln werden, oder wer bereits abschätzen kann, eine gewisse Umsatzgröße vorraussichtlich nicht zu überschreiten, ist mit diesem Verfahren meist gut bedient. Denn die Kleinunternehmerregelung hat viele Vorteile.

Wer als Kleinunternehmer tätig ist, der kann in der Regel keine riesigen Erlöse vorweisen. Die Finanzbehörden gehen in diesem Fall von einer maximalen Umsatzgröße in Höhe von 17.500 Euro im laufenden Jahr und 50.000 Euro im folgenden Geschäftsjahr aus. Wer unterhalb dieser Grenzen liegt hat zwar eher geringe Einkünfte, jedoch entfallen hierbei wichtige buchhalterische Pflichten, die dem Existenzgründer in den ersten Jahren allerdings auch sehr von Nutzen sein können.

Wer die angegebenen Umsatzgrößen nicht überschreitet, kann seine Buchhaltung zunächst im Rahmen der sogenannten Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) erstellen. Hierbei werden lediglich alle Bruttoeinnahmen…

und –ausgaben gegenübergestellt. Die Differenz aus beiden Faktoren bestimmt die Bemessungsgrundlage für den zu versteuernden Gewinn. Hierbei handelt es sich um ein recht einfaches Prozedere, dass auch von Jungunternehmern, welche keine oder kaum Erfahrungen im Bereich der Buchhaltung besitzen, schnell und unkompliziert erlernt werden kann.

Was passiert jedoch, wenn die Umsätze steigen?

Ist die Anfangsphase der Unternehmensgründung überschritten, stellen sich im besten Fall auch Umsatzerhöhungen ein. Ab diesem Punkt sollte die Umsatzentwicklung unbedingt im Auge behalten werden!

Denn was viele Unternehmer nicht wissen: die 17.500 Euro-Grenze darf hier nicht allzu wörtlich genommen werden. Es handelt sich bei diesem Betrag um einen Brutto-Betrag, auf den eine imaginäre Steuer aufgeschlagen werden muss. Für die Beurteilung und die Einstufung in die Kleinunternehmerregelung wird als Bemessungsgrundlage der Netto-Betrag hinzugezogen. Demnach darf hier eine Umsatzgrenze von lediglich rund 14.000 Euro nicht überschritten werden. Wer dies nicht beachtet und denkt, dass er rein rechtlich Umsätze von bis zu 17.500 Euro erwirtschaften darf, bekommt nicht selten einen unliebsamen Anruf der zuständigen Finanzbehörden, die um Nachzahlung bitten.

Die Berechnung der tatsächlich erwirtschafteten Umsätze sollte aus diesem Grund niemals erst zum Ende des Geschäftsjahres erfolgen. Es empfiehlt sich hier eine Kontrolle im Laufe des gesamten Geschäftsjahres, damit bei einer möglichen Überschreitung schnell entgegengesteuert werden kann. Dies kann zum Beispiel mittels einer Verschiebung der Erlöse in das neue Geschäftsjahr hinein erreicht werden, sofern der Kleinunternehmerstatus beibehalten werden soll und auch im nächsten Jahr mit gleichbleibenden Umsätzen zu rechnen ist.

Zugrunde gelegt sind diese Pflichten im § 243 UstR, wobei hier maßgeblich ist, dass bei Existenzgründern, die bereits im Eröffnungsjahr die Umsatzgrenze von 17.500 Euro überschreiten, die 50.000 Euro-Grenze entfällt.

Wenn das Finanzamt Umsatzsteuer nachfordert

Ist der Fall eingetreten, die Umsatzgrenze von 17.500 Euro (Netto rund 14.000 Euro) wurde überschritten und eine Regelbesteuerung nicht beantragt, dann fordern die Finanzämter die einbehaltene Umsatzsteuer zurück. In diesem Falle wären es dann rund 2.500 Euro.

Aber das ist noch nicht alles. Alle im laufenden Jahr ausgestellten Ausgangsrechnungen sind entsprechend falsch, da hier noch im Rahmen des § 19 (1) UstG berechnet wurde, dh. keine UsSt ausgewiesen wurde. Nicht hat dementsprechend nun ein mühsames und peinliches Anschreiben aller bezogenen Kunden zu erfolgen, denen nun –eventuell noch Monate später- mitgeteilt werden muss, dass eine neue Rechnung für den lange abgeschlossenen Auftrag erstellt werden wird. Wer Glück hat, gerät hier an einen Kunden, den der zusätzliche Vorsteuerabzug gerade Recht kommt. In der Regel ist es jedoch so, dass die eigene unternehmerische Kompetenz in Frage gestellt wird und die Kunden wenig begeistert sind über diesen Mehraufwand.

Deshalb: Unbedingt die Umsatzgrenze im Auge behalten und rechtzeitig in die Regelbesteuerung wechseln!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*