Gehalts- und Lohnabrechnung

Änderungen bei den Sozialversicherungen – Lohnbuchhaltung muss flexibel reagieren können

4. Dezember 2012

Änderungen bei den SozialversicherungenIm Rahmen des Meldeverfahrens zu der Sozialversicherung hat der Gesetzgeber eine Änderung bei dem Tätigkeitsschlüssel beschlossen. Der Hintergedanke dabei ist, bessere Aussagen über den tatsächlichen Arbeitsmarkt in Deutschland machen zu können. In den vergangenen Jahren wurden viele neue Hochschul- und Ausbildungsabschlüsse eingeführt und an andere internationale Standards angepasst (z. B. Bachelor & Master). Daher wurde ein neuer neunstelliger Schlüssel eingeführt, der seit dem 1. 12. 2011 gültig ist.

Im Rahmen dieser Gesetzesänderung müssen Unternehmen alle Tätigkeitsschlüssel der Mitarbeiter anpassen. Eine Aufgabe, der sich die Lohnbuchhaltung annehmen muss, da die Umstellung nicht automatisch erfolgen kann. Die von den Angestellten ausgeübte Tätigkeit ist ausschlaggebend für den zu wählenden Schlüssel, welcher der „Klassifizierung der Berufe 2010“ von der Bundesagentur für Arbeit entnommen wird. Es geht also nicht darum, welche Ausbildung oder welchen Hochschulabschluss ein Angestellter hat, sondern einzig um die im Betrieb ausgeübte Tätigkeit. In der Lohnbuchhaltung müssen also von jedem einzelnen Mitarbeiter die Personenstammdaten entsprechend angepasst werden. Der zuvor verwendete fünfstellige Schlüssel ist ab dem 1. 12. 2011 nicht länger gültig.

Informationsgehalt des Schlüssels

Der neue aus neun Stellen bestehende Tätigkeitsschlüssel 2010 gibt Auskunft über folgende Sachverhalte:

–         Die Stellen 1-5 informieren über die im Betrieb ausgeübte Tätigkeit

–         Die Stelle 6 informiert über die Schulbildung des Angestellten

–         Die Stelle 7 gibt Auskunft über die berufliche Ausbildung

–         Die Stelle 8 informiert darüber, ob ein Zeitarbeitsverhältnis vorliegt

–         Die letzte und 9. Stelle gibt Auskunft über die Vertragsform des Angestelltenverhältnisses

Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM)

Die frühere Papier-Lohnsteuerkarte sollte bereits zum 1. 1. 2012 durch das elektronische Verfahren ersetzt werden. Da es jedoch zu nicht vorhergesehenen technischen Problemen kam, hat sich der Start des neuen Verfahrens verzögert. Der neue Starttermin des elektronischen Verfahrens ist der 1. 11. 2012. Für das Jahr 2012 gilt die Lohnsteuerkarte 2010 bzw. ist die Ersatzbescheinigung 2011 zu verwenden.

Lohnsteuer 2012

Zur Übermittlung der Lohnsteuerbescheinigung soll seit dem 1. 11. 2012 die Identifikationsnummer verwendet werden. Ist auf der Lohnsteuerkarte keine Identifikationsnummer eingetragen und wurde diese dem Unternehmen vom Mitarbeiter nicht mitgeteilt, kann die eTIN-Nummer benutzt werden. Auch für bereits eingereichte Lohnsteuerbescheinigungen, die nachträglich korrigiert werden sollen, kann die eTIN-Nummer verwendet werden, wenn diese auch zuvor angegeben worden war.

Änderung bei der Lohnsteuerbescheinigung 2012

Ab dem Kalenderjahr 2012 werden die Arbeitgeberzuschüsse zur Pflegeversicherung und zur Krankenversicherung der gesetzlich versicherten Angestellten getrennt ausgewiesen (Zeile 24c). Zuschüsse für Angestellte, die in die private Krankenkasse einzahlen, werden in Zeile 24b eingetragen. Bei jenen, die selbst freiwillig Beiträge an die Krankenkasse zahlen, ist in den Feldern 25 und 26 nichts einzutragen (Selbstzahler). Bei den anderen – Firmenzahler – werden in den beiden Zeilen die gesamten Beträge eingetragen.

Neue Lohnarten

Seit dem 1. 1. 2012 sind zu den bereits vorhandenen Lohnarten neue hinzugekommen:

185 Sachbezug SV/ST frei und

186 Sachbezug SV/ST pflichtig

Diese beiden neuen Lohnarten werden im Vergleich zu den beiden Lohnarten 182 und 183 nicht vom System verwendet und sind frei verfügbar. Die Lohnart 616 Abzug Sachbezug kann als Abzug verwendet werden.

Einführung neuer Personengruppen

Es wurden im Rahmen des Sozialausgleichs neue Personengruppen eingeführt. Krankenkassen dürfen von diesen keinen Zusatzbeitrag einfordern. Gleichzeitig sind diese vom Sozialausgleich ausgeschlossen.

Bei der Personengruppe 121 handelt es sich um Auszubildende, deren Gehalt die Grenze der Geringverdiener nicht übersteigt. Gemeint sind Auszubildende, deren monatliches Gehalt die Summe von 325 Euro nicht übersteigt. Für diese ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Gesamtsozialversicherungsbeitrag selbst zu tragen. Auch wenn das monatliche Arbeitsentgelt diese Summe einmalig überschreitet, ist der Personengruppenschlüssel 121 anzuwenden.

Bei der Personengruppe 122 handelt es sich um Auszubildende, die einer außerhalb des Betriebs beschäftigt sind. Es liegt dann eine außerbetriebliche Berufsausbildung vor, wenn die Auszubildenden nicht in einer Bildungseinrichtung ausgebildet werden, die dem Betrieb angegliedert ist. Solch ein Fall liegt vor bei Maßnahmen, die von der Agentur für Arbeit finanziert werden oder anderen staatlichen Programmen.

Personen, die ein freiwilliges ökologisches oder soziales Jahr ableisten, fallen unter die Personengruppe 123. Auch bei diesen Personen ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Gesamtsozialversicherungsbeitrag selbst zu tragen. Diesen Personen gleichgestellt sind solche, die einen Bundesfreiwilligendienst leisten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*