Buchhaltungs-Lexikon

Verbrauchsfolgeverfahren – Bewertung des Umlaufvermögens zum Bilanzstichtag

26. Oktober 2010

Nähert sich in den Unternehmen der Bilanzstichtag, werden in der Regel eine ganze Reihe an Abschlussarbeiten fällig. Zu diesen Abschlussarbeiten zählen u.a. auch die Bewertungen des Umlaufvermögens. Zum Umlaufvermögen gehören, neben den Forderungen, den Kassen- und Bankbeständen, auch das Anlagevermögen sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, fertige und auch unfertige Erzeugnisse.

Gemäß den Grundsätzen der Buchführung wird beim Vorratsvermögen immer unterstellt, dass die zuerst erworbenen und gekauften Waren auch als Erstes verbraucht werden. Da es im Laufe des Geschäftsjahres besonders bei den Rohstoffen zu immensen Preisschwankungen kommen kann, hat zum Bilanzstichtag in der Regel eine Bewertung dieser zu erfolgen. Für diese Bewertung stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl, die für eine Vereinfachung bei der buchhalterischen Ermittlung aller Anschaffungs- und Herstellungskosten, sowie deren Warenabgangs hinzugezogen werden können. In der Lagerwirtschaft und im Handel werden diese…

Verfahren einheitlich unter dem Begriff Verbrauchsfolgeverfahren zusammengefasst.

Obwohl zu den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung gehört, dass alle Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens einzeln zu bewerten sind, erlaubt u.a. Umlaufvermögen eine gesonderte Regelung. Beim Verbrauchsfolgeverfahren kommt der Wertansatz des Marktpreises zum Bilanzstichtag zum Tragen. Das Verbrauchsfolgeverfahren als solches ist wiederum unterteilt in Gruppen- und Festbewertung und auch in Durchschnittsverfahren oder –methode.
Die Durchschnittsmethode berechnet hier beispielsweise das arithmetische Mittel der Warenbestände und deren Zugänge. Sie ist unterteilt in das sogenannte gewogene Verfahren, bei dem der Durchschnittspreis erst am Bilanzstichtag ermittelt wird, und in das gleitende Verfahren, bei dem der Durchschnittpreis nach den jeweiligen Zugängen ermittelt wird – genannt Skontraktionsmethode.

Unternehmen, welche eine Festbewertung vornehmen wollen, haben die Möglichkeit, die Bestände alle drei Jahre anhand einer Inventur zu überprüfen. Materialzugänge werden bei diesem Verfahren sofort auf das jeweilige Aufwandskonto verbucht.

Das Verbrauchsfolgeverfahren ist dem § 256 HGB unterstellt und geht ebenso von der fiktiven Vorstellung aus, dass zuerst angeschafft Güter auch entsprechend zuerst verbraucht oder veräußert werden. Zur Ermittlung des tatsächlichen Marktpreises zum Bilanzstichtag erlaubt der Gesetzgeber hier seit der Änderung des BilMoG jedoch nur noch zwei unterschiedliche Verfahren um diesen zu ermitteln, welche zum einen die sogenannte LiFo-Methode (Last in – First out) und zum anderen die FiFo-Methode (First in – First out) erlaubt.

Bei der FiFo-Methode geht man davon aus, dass der letzte Zugang der Bestände aufgrund der letzten Lieferung erfolgt ist. Grundsätzlich ist dieses Verfahren zwar handelsrechtlich erlaubt, steuerrechtlich hingegen allerdings verboten. Der Unternehmer muss in diesem Fall glaubwürdig nachweisen, dass die zuerst angeschafften Bestände tatsächlich zuerst verbraucht wurden. Denn gemäß § 6 (1) Nr. 2a EStG darf „für den Wertansatz gleichartiger Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens“ unterstellt werden, „dass die zuletzt angeschafften oder hergestellten Wirtschaftsgüter auch zuerst verbraucht oder veräußert worden sind, soweit dies den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht.“

Obwohl aus diesem Grund bei der Sammelbewertung die LiFo-Methode eher den Grundsätzen des EStG entspricht, ist es in der Praxis eher die FiFo-Methode, die hier zum Tragen kommt. Denn hier erfolgt die Bewertung der Endbestände nur anhand der zeitlich ältesten Preise. Aber auch das LiFo-Verfahren ist an gewisse Regeln gebunden – es ist nur dann zulässig, wenn es sich bei der Bewertung um gleichartige oder gleichwertige Bestände handelt. Ansonsten käme diese Methode einem Verstoß gemäß dem sogenannten Niederstwertprinzip gleich.

Ganz gleich jedoch, für welches Verfahren man sich letztendlich entscheidet: Die einmal gewählte Methode muss in der Regel beibehalten werden, da ein diesbezüglicher Wechsel den buchhalterischen Grundsätzen nach Kontinuität widersprechen würde.

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