Buchhaltung

Vorsorge treffen mit Stillen Reserven

18. August 2010

Wie in den privaten Haushalten gibt es auch in großen Unternehmen in der Regel die sogenannten Stillen Reserven. Eine Stille Reserve ist eine Kapitalrücklage (auch Stille Rücklage genannt), deren Entstehen im betrieblichen Sinne nicht durch reguläres Sparen erwirtschaftet wurde, sondern aufgrund von verschiedenen Geschäftsfällen diesbezüglich entstanden sind. Stille Reserven dürfen nicht in die Bilanz aufgenommen werden und nehmen aus diesem Grund erstmal auch keinen direkten Einfluss auf den ausgewiesenen Gewinn oder Verlust des Unternehmens. Sie gehören zum Eigenkapital, sind als dieses jedoch kaum ersichtlich und aus diesem Grund in vielfacher Hinsicht sehr umstritten. Nicht richtig ausgewiesener Gewinn lässt beispielsweise die Steuerschuld sinken und die Bemessungsgrundlage daraufhin dann zeitweise ebenfalls. Dies hat zur Folge, dass nun auch Einkommens-, Vermögens- und Gewerbesteuer zu niedrig anzusetzen sind. Wie es finanziell um das Unternehmen wirklich bestellt ist, kann nun kaum jemand mehr auf Anhieb erkennen.

Stille Reserven oder Rücklagen können entstehen, wenn beispielsweise die Verbindlichkeiten der Passivseite überbewertet werden oder das Anlage- oder Umlaufvermögen auf der Aktivseite unterbewertet wird. Eine Unterbewertung kann entstehen, wenn beispielsweise Immobilien nicht mit ihrem tatsächlichen Zeitwert in die Bilanz übernommen werden. Nach außen wird so diesbezüglich deklariert, dass das Vermögen des Unternehmens deutlich niedriger ausfällt als es tatsächlich ist. Aber nicht nur bei Immobilien können Stille Reserven oder Rücklagen gebildet werden. Auch die Bilanzpositionen Maschinen, Forderungen, Rohstoffe, Wertpapiere und uvm. können hier betroffen sein. Auf der Passivseite sind es darüber hinaus, die Überbewertungen der Verbindlichkeiten, die dazu führen können, dass das Unternehmen über Stille Rücklagen verfügt.

Im Grunde genommen sind Stille Reserven jedoch keine tatsächlichen Vermögenszuwachse. Die Ersparnisse, die beispielsweise durch die Verringerung der Steuerbelastung entstanden ist, kann im Endeffekt nur als Steuerstundung betrachtet werden, denn spätestens beim Verkauf der Immobilie oder der Maschine kommt der tatsächliche Wert, der Marktwert, ans Licht. Auch zu hoch angesetzte Rücklagen (für eventuelle anfallende Schadensersatzforderungen) fallen unter die Kategorie Stille Reserve und müssen, sofern nicht zum Einsatz gekommen, irgendwann wieder aufgelöst werden.

Da Stille Reserven zunächst den Gewinn schmälern, müssen sie bei ihrer Auflösung als Ertrag gebucht werden. Meist wird hierfür das Konto „Sonstige betriebliche Erträge“ genutzt. Aufgelöste Stille Rücklagen geben nun das tatsächliche Betriebsergebnis wieder und erhöhen somit auch den Gewinn des Unternehmens. Auch steuerlich erfolgt nun eine tatsächliche Bemessung aller anfallenden Steuern.

Wie anfangs bereits erwähnt, sind Stille Rücklagen und Reserven umstritten. Sie schmälern nicht nur den zu versteuernden Betriebsgewinn, sondern haben beispielsweise auch Einfluss auf die Dividenden der Anteilseigner. Fällt der buchmäßige Gewinn niedriger aus, als er tatsächlich ist, so fallen in der Regel auch die Auszahlungen an die Anteilseigner geringer aus. Auch ist es durchaus möglich, dass das Unternehmen Stille Reserven dazu nutzt, die finanzielle Lage optisch in positivere Bahnen zu lenken (beispielsweise bei Verkäufen oder bei Kreditanfragen). Nicht selten werden Stille Reserven nur aufgelöst, um den Gewinn zu erhöhen um dann somit als wirtschaftlich rentabler dazustehen. Wenn man es genau nimmt, ist diese Art der Kapitalrücklage somit mit einer ordnungsgemäßen Buchführung nicht zu vereinbaren.

Und doch: Schon vielen Betrieben hat besonders die sogenannte Stille Reserve aus einer wirtschaftlichen Schwierigkeit herausgeholfen.

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