Buchhaltung

Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmen – Vor- und Nachteile

20. Juni 2013

UmsatzsteuerbefreiungWer sich mit einem Gewerbe selbstständig macht, muss jede Menge Entscheidungen treffen, mit denen sich ein Angestellter nicht befassen muss. So stellen sich Fragen, mit denen man sich vorher noch nie befasst hat. Ein Beispiel hierfür ist die Frage, ob es ratsam ist, sich von der Umsatzsteuer befreien zu lassen. Ob eine Umsatzsteuerbefreiung empfehlenswert ist, lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Dies kommt immer auf den jeweiligen Einzelfall an. Da eine solche Entscheidung eine dauerhafte Wirkung besitzt, sollte das Für und Wider vorher genau abgewogen werden.

Wann ist eine Umsatzsteuerbefreiung möglich?

Eine automatische Umsatzsteuerbefreiung gilt für Kleinunternehmer, deren Jahresumsatz im laufenden Geschäftsjahr unter 17.500 Euro und im nächsten voraussichtlich unter 50.000 Euro liegt. Zu beachten ist, dass der Betrag von 17.500 inklusive der Umsatzsteuer gerechnet wird. Durch die Umsatzsteuerbefreiung soll Kleinunternehmern mit einem geringen Umsatz die tägliche Arbeit erleichtert werden. Die betreffenden Unternehmen weisen in ihren Ausgangsrechnungen keine Umsatzsteuer aus. Stattdessen kommt an diese Stelle ein Vermerk, dass aufgrund § 19 Abs. 1 UStG eine Umsatzsteuerbefreiung vorliegt. Im Gegenzug darf dann bei Eingangsrechnungen auch keine Vorsteuer abgezogen werden.

Was bedeutet die Umsatzsteuerbefreiung in der Praxis?

Für Freiberufler und Kleinunternehmer stellt die Umsatzsteuerbefreiung eine Arbeitserleichterung dar. So entfällt das etwas komplizierte Herausrechnen der Umsatzsteuer und auch die Steuererklärung fällt deutlich vereinfacht aus. Für Freiberufler und Kleinunternehmer reicht das Erstellen einer einfachen Einnahmeüberschussrechnung völlig aus. Allerdings fällt mit der Umsatzsteuerbefreiung auch die Vorsteuererstattung bei Investitionen weg. Sofern der Kleinunternehmer die genannten Umsatzgrenzen nicht gesprengt hat, wird am Ende des Jahres vom Finanzamt keine Umsatzsteuer nachgefordert. Damit das Finanzamt Umsatzsteuer nachfordern kann, müssen beide Bedingungen erfüllt sein. Der Umsatz des laufenden Geschäftsjahres muss 17.500 Euro übersteigen und im folgenden Geschäftsjahr muss der Umsatz voraussichtlich mehr als 50.000 Euro betragen.

Pro und Kontra einer Umsatzsteuerbefreiung abwägen

Sollten die erwarteten Umsätze tatsächlich die genannten Grenzen übersteigen, droht eine deutliche Steuernachzahlung. Gleichzeitig ist es jedoch nicht möglich, diese nachträglich noch zu erheben. Diese Gefahr ist zwar gering, sollte jedoch immer im Auge behalten werden. Für den Fall, dass ein Kleinunternehmen im B2B Bereich tätig ist, die Kunden also auch Unternehmen sind, wirkt sich eine berechnete Umsatzsteuer nicht negativ aus. Im Gegenteil die Kunden können die berechnete Umsatzsteuer selbst wieder absetzen, weshalb sich eine Umsatzsteuerbefreiung in diesem Fall negativ auswirken kann. Anders sieht es aus, wenn sich die Produkte oder Dienstleistungen in erster Linie an Privatkunden richten. Durch eine Umsatzsteuerbefreiung lässt sich hier ein echter Kostenvorteil erzielen. Immerhin fällt die Rechnung im Vergleich zu umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen um 19 Prozent geringer aus. Sofern bei der Unternehmensgründung hohe Investitionen getätigt werden müssen, kann sich eine Umsatzsteuerbefreiung ebenfalls als nachteilig erweisen. Durch einen Vorsteuerabzug können Existenzgründer sich eine verbesserte Liquidität verschaffen.

Auf eine Umsatzsteuerbefreiung verzichten

Bei der Frage nach einer Umsatzsteuerbefreiung sollte auch die mögliche Außenwirkung nicht vernachlässigt werden. Durch den Vermerk der Umsatzsteuerbefreiung auf der Rechnung ist es jedem Kunden klar, dass ein Unternehmen nur einen geringen Umsatz erzielt. Ob sich dies negativ auf mögliche Kundenbeziehungen auswirkt, muss jedes Unternehmen für sich selbst verantworten. Wer auf eine Umsatzsteuerbefreiung verzichten möchte, muss dies lediglich seinem Finanzamt mitteilen. Dies kann entweder durch Setzen eines Kreuzes bei der Anmeldung oder durch ein formloses Schreiben passieren. In diesem wird einfach erklärt, dass man auf die Umsatzsteuerbefreiung gerne verzichten möchte. Wirksam wird die Änderung dann ab dem folgenden Geschäftsjahr. Zu beachten ist dabei, dass ein Verzicht auf die Umsatzsteuerbefreiung für mindestens fünf Jahre Gültigkeit hat. In diesem Zeitraum ist keine Rückkehr zu einer Umsatzsteuerbefreiung möglich.

Weitere Möglichkeiten für eine Umsatzsteuerbefreiung

Neben Kleinunternehmern haben auch noch andere Personen und Unternehmen die Möglichkeit einer Umsatzsteuerbefreiung. So sind beispielsweise Schulen, Hochschulen, Volkshochschulen und zahlreiche weitere Bildungseinrichtungen von der Umsatzsteuer befreit. Privatschulen und andere allgemeinbildende und berufsbildende Einrichtungen können sich nach § 4 Nr. 21 des Umsatzsteuergesetzes ebenfalls von der Umsatzsteuer befreien lassen. Für selbstständige Lehrer, die an den entsprechenden Schulen arbeiten, gilt dann ebenfalls automatisch eine Umsatzsteuerbefreiung. Laut § 4 Nr. 26 gilt zudem auch eine Umsatzsteuerbefreiung für ehrenamtliche Tätigkeiten.

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