Buchhaltung

Kunden aus dem Ausland und das Reverse Charge Verfahren

19. Februar 2013

Reverse Charge VerfahrenNach dem aktuellen Umsatzsteuerrecht muss immer das Unternehmen, welches eine Leistung erbringt, die Umsatzsteuer vereinnahmen und das Finanzamt abführen. Im Gegenzug kann der Empfänger einer Leistung die von ihm gezahlte Umsatzsteuer wieder als Vorsteuer geltend machen. Das Reverse Charge Verfahren ist eine besondere umsatzsteuerliche Regelung, nach der in Ausnahmefällen der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet.

Anwendungsbereich des Reverse Charge Verfahren

Eingeführt wurde das Reverse Charge Verfahren vor allem für den grenzüberschreitenden Verkehr mit Waren und Dienstleistungen innerhalb der Europäischen Union. In einigen Fällen wie bei innergemeinschaftlichen Beförderungsleisten, Werksleistungen und Vermittlungsleistungen ist das Reverse Charge Verfahren unter bestimmten Bedingungen auch gesetzlich vorgeschrieben. In den übrigen Fällen können die Mitglieder der Europäischen Union frei darüber entscheiden, inwieweit das Reverse Charge Verfahren angewendet werden soll. Eine Ausweitung des Reverse Charge Verfahren ist den Mitgliedsländern jedoch nur dann gestattet, wenn dies vonseiten der Europäischen Union genehmigt wurde. Mögliche Gründe hierfür ist das Verhindern von Steuerumgehung bzw. Steuerhinterziehung sowie die Vereinfachung von vorhandenen Umsatzsteuerregelungen.

Regelungen für das Reverse Charge Verfahren in Deutschland

Als Grundsatz wird das Reverse Charge Verfahren in Deutschland nur dann angewendet, wenn der Empfänger der Leistung entweder ein Unternehmer oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist. Ist dies nicht der Fall, so bleibt die Steuerschuld in jedem Fall beim leistenden Unternehmen und muss die Umsatzsteuer muss an die deutschen Finanzbehörden abgeführt werden. Angewendet wird das Reverse Charge Verfahren in Deutschland, wenn Unternehmen mit Sitz im Ausland Werksleistungen oder anderweitige Leistungen erbringen, die in Deutschland steuerbar sind. Dazu kommen sicherungsübereignete Gegenstände, die außerhalb des Insolvenzverfahrens vom Sicherungsgeber an den Sicherungsnehmer geliefert werden. Auch für Bauleistungen wird, wenn der Empfänger der Bauleistungen auch selbst solche Leistungen erbringt, das Reverse Charge Verfahren angewendet. Ebenfalls kommt das Reverse Charge Verfahren bei der Lieferung von Gas oder Strom von im Ausland ansässigen Unternehmen zum Einsatz.

Reverse Charge Verfahren auch bei Lieferungen von Mobilfunkgeräten

Seit dem 01.07.2011 gibt es einen neuen Ausnahmefall, in dem das Reverse Charge Verfahren angewendet werden kann. Da es gerade in den letzten Jahren gehäuft zu betrügerischen Versuchen einer Steuerhinterziehung mit der Lieferung von hochpreisigen Geräten gekommen ist, wurde das Reverse Charge Verfahren auf die Lieferung von Mobilfunkgeräten ausgeweitet. Die Ausnahme gilt für alle Lieferungen mit einem Warenwert von mehr als 5.000 Euro, die an einen Unternehmer gehen. Die Rechnungsstellung erfolgt dann mit einem Hinweis auf das Reverse Charge Verfahren ohne eine Berechnung der Mehrwertsteuer. Der Empfänger der Leistung weist die Umsatzsteuer dann in seiner Umsatzsteuervoranmeldung aus, sodass sich für ihn keine höhere finanzielle Belastung ergibt. Diese Regelung gilt auch bei der Lieferung von integrierten Schaltkreisen, sofern diese noch nicht in einen einzelnen Gegenstand eingebaut sind.

Folgen aus dem Reverse Charge Verfahren

Kommt das Reverse Charge Verfahren zu Anwendungen, dann darf der Erbringer einer Leistung dem Leistungsempfänger lediglich den Nettobetrag der erbrachten Leistung in Rechnung stellen. Die Umsatzsteuerschuld liegt in diesem Falle beim Kunden, welche dieser an das Finanzamt entrichten muss. Er hat jedoch die Möglichkeit, die geschuldete Umsatzsteuer im Rahmen eines Vorsteuerabzugs wieder beim Finanzamt geltend zu machen. Dies gilt natürlich nur für umsatzsteuerpflichtige Unternehmen. Somit kommt es beim Reverse Charge Verfahren zu keiner höheren wirtschaftlichen Belastung als beim normalen Umsatzsteuerverfahren. Der Vorteile liegt dabei in der Vereinfachung für die Finanzbehörden und das leistende Unternehmen. Letzterer muss den Vorgang dem Finanzamt gegenüber nicht deklarieren. Dies erspart es ausländischen Unternehmen bei Lieferungen nach Deutschland, mit den deutschen Finanzbehörden in Kontakt treten zu müssen. Dazu entgehen die deutschen Behörden der Gefahr, mögliche Steuerschulden im Ausland eintreiben zu müssen.

Rechnungen genau prüfen

Bei Anwendung des Reverse Charge Verfahrens muss der Empfänger einer Leistung genau darauf achten, dass die Rechnung nur über den Nettobetrag ausgestellt wurde. Überweist er dennoch eine fälschlicherweise ausgewiesene Mehrwertsteuer, so wird er dadurch nicht von seiner Steuerschuld gegenüber dem deutschen Finanzamt befreit. Es drohen ihm in diesem Fall die doppelten Kosten. Für welche Geräte das Reverse Charge Verfahren im Detail zum Einsatz kommt, wurde vom Bundesfinanzministerium im Schreiben IV D 3 – S 7279/11/10001 nochmals genau erläutert. Unternehmen in diesem Bereich sollten sich das Schreiben in jedem Falle genau anschauen.

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