Buchhaltung

Gesellschafterkapitalverteilung und Anteilsberechnung im Überblick

5. Februar 2013

GesellschafterkapitalverteilungDie Gesellschafterkapitalverteilung und Anteilberechnung erfolgt bei Personengesellschaften wie OHG, KG und GmbH & Co. KG durch das Einrichten und Führen mehrerer Konten. Auf diese Weise ist es möglich, den Kapitalanteil jedes Gesellschafters korrekt zu ermitteln. Die genauen Regelungen zur Gesellschafterkapitalverteilung sind auch im jeweiligen Gesellschaftervertrag festgehalten. In der Praxis sind verschiedene Kontomodelle anzutreffen, mit denen die Gesellschafterkapitalverteilung geregelt wird.

Gesetzliches Ein-Konten-Modell bei der OHG, KG und GmbH Co. KG

Die gesetzlichen Regelungen sehen für die OHG nur ein einheitliches Konto für die Gesellschafterkapitalverteilung vor. Die Bestimmungen hierzu sind im § 120 Abs. 2 HGB geregelt. Auf diesem Konto werden zum einen die vom Gesellschafter geleisteten Einlagen wie auch der auf den einzelnen Gesellschafter entfallende Gewinn gutgeschrieben. Die Verlustanteile sowie die getätigten Entnahmen werden entsprechend abgeschrieben. Für den Komplementär einer Kommanditgesellschaft bzw. einer GmbH & Co KG gibt es den gesetzlichen Regelungen entsprechend ebenfalls nur ein Gesellschafterkonto.

Dessen Bestand entspricht immer dem aktuellen Kapitalanteil des Gesellschafters. Für die Kommanditisten wird zuerst ein einheitliches und in der Höhe begrenztes Kapitalkonto eingerichtet. Wird die Haftungseinlage durch Gewinnanteile oder geleistete Einlagen erreicht, so werden die weiteren Anteile aus der Gesellschafterkapitalverteilung auf einem zusätzlichen Konto geführt (Zwei-Konten-Modell). Beide Varianten sowohl das Ein-Konten-Modell wie auch das Zwie-Konten-Modell kommen nur dann zur Anwendung, wenn der Gesellschaftervertrag keine weiteren Regelungen zur Gesellschafterkapitalverteilung vorsieht.

Gesetzliches Zwei-Konten-Modell für alle Kommanditisten der KG und GmbH & Co. KG

In dem gesetzlichen Zwei-Konten-Modell können stets alle Gewinnanteile vom entsprechenden Kapitalkonto II entnommen werden. Dies gilt jedoch nur dann, wenn sämtliche Pflichtbeiträge komplett geleistet wurden. Dieses hat den Charakter eines Fremdkapitalkontos. Spätere Verluste werden gegen das Kapitalkonto I gebucht, sodass die noch aus früheren Jahren stehen gelassenen Gewinne komplett entnahmefähig sind.

Gesellschaftsvertragliches Zwei-Konten-Modell

Diese Variante der Gesellschafterkapitalverteilung funktioniert ebenfalls mit zwei Konten, wobei es jedoch einige Unterschiede zum gesetzlichen Zwei-Konten-Modell gibt. Das Kapitalkonto I stellt dabei das Festkapitalkonto dar. Auf diesem Konto wird das Beteiligungsverhältnis des Gesellschafters dauerhaft festgelegt. Dieses Beteiligungsverhältnis wirkt sich in vielen Fällen auf die sogenannte Gewinn- und Verlustverteilung aus. Dieses feste Kapitalkonto ist vergleichbar mit einem Geschäftsanteil bei der GmbH oder dem Nennwert einer Aktie bei der AG. Das Kapitalkonto II fungiert stets als ein bewegliches Konto und dient zur Aufnahme der Anteile aus der Gesellschafterkapitalverteilung. Der Hauptunterschied zur gesetzlichen Variante liegt im Charakter des Festkapitalkontos. Dieses ist in seiner Höhe nicht veränderbar, sodass keine Verrechnung der Pflichteinlage oder Hafteinlage mit Verlusten möglich ist.

Gesellschaftsvertragliches Drei-Konten-Modell

Wie beim zuvor beschriebenen Modell gibt es auch hier ein unveränderliches Festkapitalkonto. Jedoch werden auf dem variablen Kapitalkonto II nicht alle, sondern nur die nicht entnahmefähigen Gewinn- und Verlustanteile. Deshalb wird das Kapitalkonto II unter anderem auch als Rücklagenkonto des Kapitalkonto I bezeichnet. Die entnahmefähigen Gewinnanteile aus der Gesellschafterkapitalverteilung kommen dann auf das Kapitalkonto III. Hierzu gehören sowohl berechtigte wie auch unberechtigte Entnahmen, sowie auch Forderungen und Verbindlichkeiten aus Drittgeschäften mit der Gesellschaft. Diese Variante hat gegenüber dem Zwei-Konten-Modell den Vorteil, das entnahmefähige Beträge und nicht entnahmefähige Gewinnanteile nicht auf einem gemischten Konto verbucht werden müssen. Dadurch lässt sich ein Negativsaldo vermeiden, der oftmals zu Unklarheiten führt.

Gesellschaftsvertragliches Vier-Konten-Modell

Hier kommt noch ein viertes Kapitalkonto dazu auf dem die Verluste verbucht werden. Später erzielte Gewinne müssen dann zuerst mit den hier gebuchten Verlusten ausgeglichen werden. Daraus ergibt sich, dass Verluste nicht bereits entstandenen Gewinnen ausgeglichen werden, sondern immer mit künftigen Gewinnen.

Trennung von entnahmefähigen und nicht entnahmefähigen Guthaben

Vermischungen von entnahmefähigem und nicht entnahmefähigem Guthaben sollten bei der Gesellschafterkapitalverteilung in jedem Fall vermieden werden. Hierzu kommt es unter anderem dann, wenn Gewinne stehen gelassen und nicht bis zum nächsten Jahresabschluss entnommen werden. Das notierte Guthaben eines Gesellschafters der OHG wird ab diesem Punkt dann von einem sogenannten entnahmefähigen zu einem nicht entnahmefähigen Guthaben. Durch die Nutzung eines Drei-Konten-Modells kann diesem Problem bei der Gesellschafterkapitalverteilung Abhilfe geschaffen werden. Generell sollten die Gesellschafter bei Personengesellschaften darauf achten, dass durch entsprechende vertragliche Regelungen die gesetzlichen Kontenmodelle ausgeschlossen werden. Festkapitalkonten können immer erst nach einer entsprechenden vertraglichen Vereinbarung der Gesellschafter eingerichtet werden. So werden sich jährlich verändernde Kapitalkonten vermieden.

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