Buchhaltung Grundlagen

Verbuchung von Debitoren bei zweifelhaften Forderungen

8. November 2013

Debitoren mit zweifelhaften Forderungen

Es geschieht häufig, dass Debitoren (Schuldner) nicht zahlen. Der Gläubiger bekommt seine Forderung nur zum Teil oder überhaupt nicht erfüllt. Das hat auch Konsequenzen für die Buchhaltung – ein eigenes Bestandskonto „Zweifelhafte Forderungen“ beinhaltet Geschäftspartner mit Schulden, die möglicherweise nicht oder nicht vollständig beglichen werden.

Das Debitorenrisiko

Das sogenannte Debitorenrisiko besteht letztlich bei jeder Lieferung auf Rechnung. Manchmal wird aber auch bei einer Leistung, die eigentlich Zug um Zug vereinbart war (Barbezahlung bei Lieferung), durch die Nichtbezahlung schnell klar, dass ein Risiko besteht, diese Forderung nicht realisieren zu können. Es entsteht eine zweifelhafte Forderung. Je nach Rückzahlungswahrscheinlichkeit werden die Forderungen nach ihrem wahrscheinlichen Wert bilanziert. Die Debitoren werden in diesem Fall abgesondert. Es erfolgt eine Umbuchung auf das aktivische Bestandskonto mit der Bezeichnung „Zweifelhafte Forderungen“. Anzusetzen ist der wahrscheinliche Wert. Dagegen ist der wahrscheinliche Ausfallbetrag der Forderung abzuschreiben.

Stufen der Einbringlichkeit

Bei der Einbringlichkeit von Forderungen gegen Debitoren werden drei Stufen unterschieden.

Stufe der Einbringlichkeit Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung
einwandfrei 100 %
zweifelhaft > 0 %, < 100 %
uneinbringlich (Ausfall) 0 %

Indizien für zweifelhafte Forderungen

Welche Umstände können – außer im bereits angesprochenen Fall, dass statt einer vereinbarten Zahlung bei Lieferung der Kunde „auf Kredit“ gesetzt wird – dazu führen, dass die Durchsetzung von Forderungen gegen Debitoren zweifelhaft erscheint? Einige Beispiele:

  • Der Kunde hat in der Vergangenheit wiederholt Zahlungsziele nicht eingehalten.
  • Es liegen Mahnungen vor, die nicht zum Erfolg geführt haben.
  • Der Kunde erbittet Stundungen, so dass an dessen Kreditwürdigkeit gezweifelt werden darf.
  • Der Kunde verweigert die Zahlung, beispielsweise wegen Mängeln der Kaufsache.

Hinweise aus „zweiter Hand“

Neben diesen offenen Indizien gibt es auch andere Hinweise, die eine offene Forderung als zweifelhaft erscheinen lassen. Diese Hinweise über Debitoren sind oft aber nicht unmittelbar, sondern nur über Dritte zu bekommen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Die Hausbank des Kunden verweigert diesem neue Kredite.
  • Vorlage von Vollstreckungstiteln
  • Nichteinlösung von Wechseln oder Schecks
  • Der Kunde taucht im Zusammenhang mit Wirtschaftsstrafverfahren auf.
  • Der Kunde verlagert sein Vermögen oder Teile davon ins Ausland.
  • Andere negative Auskünfte über die Zahlungsfähigkeit des Kunden

Pauschalwertberichtigung statt Einzelbewertung

Bei der Bewertung des Ausfallrisikos ist eine Einzelbewertung jeder Forderung zum Abschlussstichtag vorzunehmen – jedenfalls geht der Gesetzgeber von dieser Vorgehensweise aus (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB). Pauschalwertberichtigungen bei Debitoren sind jedoch dann möglich, wenn ein sehr großer Bestand an Forderungen vorhanden ist. Steht nach der Erstellung der Bilanz mit Sicherheit fest, dass die Forderung endgültig nicht erfüllt wird, so ist die Forderung auszubuchen.

Gründe für die Berichtigung festhalten

Für jeden Unternehmer ist es ratsam, die Gründe für die Bilanzierung einer Forderung als „zweifelhaft“ festzuhalten. Anmerkungen dazu gehören in die Buchungsunterlagen. Denn der Unternehmer bleibt im Zweifel den Beweis schuldig, warum bei einer bestimmten Forderung eine Einstufung als unsicher angemessen war. Der Unternehmer trägt letztlich die Beweislast für die Gründe der Wertberichtigung bei Debitoren. In den meisten Fällen muss die Höhe des Forderungsausfalls geschätzt werden – diese Schätzung muss aber auf konkreten Tatsachen beruhen, die einer Nachprüfung standhalten. Das abstrakt bei jeder Forderung vorhandene Ausfallrisiko ist keine konkrete Tatsache.

Bundesfinanzhof zur Wertberichtigung

Der BFH hat in einem Urteil vom 20. August 2003 (Az. I R 49/02) darauf hingewiesen, dass zum Beispiel die Tatsache, dass ein Kunde weiterhin beliefert wird (trotz bestehender Zahlungsschwierigkeiten), die Wertberichtigung nicht ohne Weiteres unzulässig macht. Auch die nachträgliche Begleichung von Forderungen (nach der Bilanzerstellung) rechtfertige keine Aberkennung der Wertberichtigung. Denn dies würde gegen das gesetzliche Gebot verstoßen, nicht verwirklichte, aber mögliche bzw. wahrscheinliche Verluste auszuweisen (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB).

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