Buchhaltung Grundlagen

Stille Reserven – Bonität, die sich sehen lassen kann

20. April 2011

Jedes Unternehmen, welches der Gründungsphase entwachsen ist, wird über kurz oder lang darauf hinarbeiten, die sogenannten Stillen Reserven anzulegen. Diese erhöhen zum einen die Bonität des Unternehmens, beispielsweise wenn in Krisenzeiten ein Darlehen beantragt werden muss, und sind zum andern entsprechend steuermindernd.

Bewertung von Stillen Reserven realistisch sehen

Ist von der Stillen Reserve die Rede, so muss man unterscheiden, ob es sich hier um eine echte buchhalterische Stille Reserve handelt oder eben nur um eine Liquiditätsreserve. Erstere wirkt sich in der Bilanzanalyse jedoch…

nur positiv auf die Bilanzrelation aus.

Betrachtet man die Stille Reserve hingegen mal ganz nüchtern, so ist sie beispielsweise bei einer Insolvenz kaum mehr das Papier wert auf dem sie steht. Denn muss die Stille Reserve als Vermögensgegenstand verwertet werden, so kann hier oftmals nicht mal mehr der tatsächliche Buchwert erzielt werden.

Bildung von Stillen Reserven

Um eine Stille Reserve zu bilden, müssen die Vermögensgegenstände auf der Aktivseite der Bilanz niedriger bewertet werden, als sie tatsächlich sind.
Die Passivseite hingegen bedarf eine höhere als tatsächliche Zahl an Verbindlichkeiten, um als Stille Reserve eingetragen werden zu können.
Stille Reserven haben in der Regel den Vorteil, dass sie meist schnell und problemlos aufgelöst werden können und somit zu einem Bonitätszuwachs führen.

Stille Reserven aus dem Umlaufvermögen

Die meisten Stillen Reserven lassen sich aus den Positionen des Umlaufvermögens bilden. In der Regel sind es die Bilanzposten Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und auch die Vorräte, mit denen sich das Unternehmen eine Stille Reserve erwirtschaften kann.
Bei den Forderungen können sich durch nicht mehr notwendige Abwertungen Reserven ergeben; bei den Vorräten sind es die noch nicht abgerechneten Leistungen mit den bezogenen Firmen.

Stille Reserven im Anlagevermögen

Auch im Anlagevermögen lassen sich Stille Reserven anlegen. Hier kommt meist die Absetzung für Abnutzung (AfA) ins Spiel, da mit deren Hilfe ein meist nicht unerheblicher Betrag als Stille Reserve gebildet werden kann.
In der Regel sind die Abschreibungszeiträume der einzelnen Wirtschaftsgüter wesentlich knapper bemessen, als sie tatsächlich sind, sodass beispielsweise eine Maschine noch Jahre danach im Betrieb vorhanden ist, während sie buchmäßig schon voll abgeschrieben wurde.

Für die Bildung Stiller Reserven im Anlagevermögen bieten sich jedoch noch besser die Grundstücke und die Immobilien an. Dadurch, dass Grundstücke und Gebäude dem Unternehmen langfristig dienlich sind, sorgt die laufende Inflation hier in der Regel dafür, dass sich ganz automatisch eine Stille Reserve bildet.

Auflösen von Stillen Reserven

Benötigt das Unternehmen schnell Kapital und sind keine anderen flüssigen Mittel vorhanden, so müssen meist die Stillen Reserven aufgelöst werden.
Gibt es beispielsweise unbebaute Grundstücke, so könnten diese veräußert werden.
Ist die Stille Reserve jedoch in das betriebsnotwendige Vermögen eingebunden, so sind die Möglichkeiten der Auflösung eher eingeschränkt. Da das Grundvermögen meist nicht veräußert werden kann und soll, so wird dieses in der Regel beliehen, d. h., hier kann ein entsprechendes Darlehen aufgenommen werden. Die Eigenkapitalquote ändert sich in diesem Fall zwar nicht, aber die Liquidität kann schnell verbessert werden.

Fazit zur Bildung von Stillen Reserve

Da das Grundkapital für die Auflösung von Stillen Reserven aus einigen Teilen des Umlaufvermögens meist nicht veräußert wird oder werden kann, bekommt die Stille Reserve hier entsprechend eine negative Bedeutung. Viele Buchhalter fragen sich zu Recht, ob der Begriff Stille Reserve nicht fälschlich genommen wurde. Und trotzdem gehört dieses Vermögen buchhalterisch zur Stillen Reserve und sollte keinesfalls unberücksichtigt bleiben.
Ist ein kurzfristiger Liquiditätsengpass entstanden und muss zwischenfinanziert werden, so sind die meisten Banker in der Lage die Differenz zwischen dem Buchwert und dem tatsächlichen Verkehrswert zu errechnen. Die Stille Reserve wird ab diesem Zeitpunkt dann aber auf jeden Fall zur Liquiditätsreserve, die viele Unternehmen schon vor der Insolvenz bewahrt hat.

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