Buchhaltung Grundlagen

Schwerbehinderte im Betrieb – 5 Prozent sind ab einer Betriebsgröße von 20 Personen Pflicht, ansonsten droht die Ausgleichsabgabe

4. Oktober 2011

Als Behinderung wird eine dauerhafte und schwerwiegende Beeinträchtigung einer Person angesehen, die dadurch nicht in der als normal angesehener Form am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dabei spielen viele Barrieren eine Rolle, die sowohl durch ungünstige Umweltfaktoren als auch durch andere Menschen aufgebaut werden. Als dauerhafte Behinderung werden körperliche Einschränkungen ebenso angesehen wie Sinnesbehinderungen wie Blindheit, Sprachbehinderungen, psychische Behinderungen, Lernbehinderungen oder allgemeine geistige Behinderungen. Sind diese in besonders schwerem Maße vorhanden, spricht man von Schwerbehinderung.

Weltweit und besonders in Europa kämpfen verschiedene Organisationen seit Langem um die…

Anerkennung und ein sinnvolles Miteinander behinderter und nicht behinderter Menschen. 2006 beschlossen die Vereinten Nationen einen Menschenrechtsvertrag zu dem Thema, Bezug nehmend auf die geschätzten rund 650 Millionen Behinderten weltweit. Die Länder die sich bereit erklärten die damit getroffenen Festlegungen zu unterstützen, fordern gleiche Rechte in Bildung und Arbeitswelt, das Recht an Besitz, ein Verbot der Diskriminierung in der Ehe und das Recht auf Kinder sowie das Verbot von Experimenten an behinderten Menschen. Barrierefreiheit wird in besonderem Maße gefordert.

Steuererleichterungen durch den Schwerbehindertenausweis

Eine der ersten Maßnahmen ist es, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Dadurch werden mitunter Vorteile möglich wie beispielsweise Steuererleichterungen. Auch im Arbeitsrecht wirkt sich dieser Status aus. Immer mehr im Vordergrund stehen in Deutschland die so genannten Werkstätten für behinderte Menschen. Diese sollen eine Eingliederung von Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben fördern. Wer nicht auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt arbeiten kann, soll hier die Möglichkeit erhalten, durch das Recht auf einen solchen Werkstattarbeitsplatz am Arbeitsleben teilzunehmen. Hier wird eine angemessene berufliche Bildung angeboten. Die Leistungsfähigkeit soll beständig weiterentwickelt und erhalten werden. Auch können die Betroffenen hier Geld verdienen, wenn auch in geringerem Maße, als auf dem öffentlichen Arbeitsmarkt. So erhalten sie jedoch ein großes Stück Eigenständigkeit, was vielen hilft, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Durch die Werkstatt werden die Übergänge der Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt gefördert. Auch gibt es die so genannten ausgelagerten Arbeitsplätze, die dem noch besseren Übergang dienen sollen. Arbeitsgeber, die solchen Werkstätten Aufträge erteilen, können einen Teil der Kosten auf die so genannte Ausgleichsabgabe anrechnen. Diese Ausgleichsabgabe, auch Schwerbehindertenabgabe genannt, hat ein Betrieb zu entrichten, der nicht die gesetzlich vorgeschriebene Zahl an Schwerbehinderten beschäftigt. Ab einer Betriebsgröße von 20 Personen müssen 5 % der Mitarbeite Schwerbehinderte sein. Erfüllt ein Betrieb diese Vorgabe nicht, muss er diese Abgabe entrichten. Dies ist ein Ausgleich dafür, dass sich andere Arbeitgeber dieser Aufgabe stellen, und durch Zusatzurlaub oder behindertengerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes erhöhte Kosten haben. Eine entsprechende Person ist zu wählen, die die Schwerbehinderten-Vetretung bildet. In größeren Betrieben besteht diese natürlich aus mehreren Personen. Hier wird darauf geachtet, dass im Betrieb die Rechte eingehalten und die Möglichkeiten ausgeschöpft werden, diesen Arbeitnehmern trotz der Behinderung ein gutes Arbeitsklima zu gewähren und entsprechend der Möglichkeiten Erleichterungen für ihre Arbeit zu ermöglichen. Dinge wie zusätzlicher Urlaub oder besondere Weiterbildungsmaßnahmen müssen berücksichtigt werden.

Viele Arbeitnehmer scheuen sich davor, Schwerbehinderte einzustellen. Dies hat vor allem mit Unkenntnis zu tun und mit den Schwierigkeiten, die eventuell in der Organisation auf ihn zukommen. Daher kaufen sich manche lieber mit der Ausgleichsabgabe frei. Hinzu kommt, dass viele Arbeiten, die gut von behinderten Menschen durchgeführt werden konnten, immer mehr wegfallen wie Pförtner- und Telefonistentätigkeiten und andere körperlich leichtere Arbeiten, die früher in jeder Firma gebraucht wurden. Müssen im Betrieb dann Mehrarbeit in Form von Überstunden oder dergleichen angeordnet werden, gelten auch hier besondere Bestimmungen, die es zu beachten gilt. Auch ist die Schichtarbeit nicht so einfach durchsetzbar. Aus allen diesen Gründen nehmen viele Arbeitnehmer davon Abstand, einen Schwerbehinderten einzustellen, obwohl dieser eine Bereicherung der Firma sein könnte. Daher wurde festgelegt, dass im öffentlichen Dienst Menschen mit gleicher Eignung und Schwerbehinderung bei Bewerbungen auf neue Stellen vorzuziehen sind.

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