Buchhaltung Grundlagen

Lieferungen innerhalb der EU: das Reverse-Charge Verfahren im Überblick

4. August 2014

Reverse Charge Verfahren

Normalerweise schuldet der Erbringer einer Leistung dem Finanzamt die Umsatzsteuer. Er vereinnahmt die Umsatzsteuer über die Rechnung vom Leistungsempfänger und leitet den Betrag (vermindert um einen eventuellen Vorsteuerabzug) an das Finanzamt weiter. Für Lieferungen und sonstige Leistungen, die im EU-Ausland erbracht werden, gelten abweichende Regelungen. Das Zusammenwachsen des europäischen Wirtschaftsraumes hat diesen Schritt nötig gemacht. Durch § 13b UStG können Leistungserbringer seit 2004 die Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger verlagern. Dieses Reverse-Charge genannte Verfahren hat zwei Vorteile: Einerseits vereinfacht es die Durchführung von Lieferungen und sonstigen Leistungen im Ausland. Sie müssen keine Umsatzsteuer im Ausland abführen. Die Steuerschuldnerschaft geht auf den Leistungsempfänger über. Dieser ist bereits in seinem Heimatland steuerpflichtig. Zum anderen verhindert das Reverse-Charge Verfahren die Hinterziehung von Umsatzsteuer. Ohne Reverse-Charge kommt es oft dazu, dass der Leistende die Umsatzsteuer nicht abführt und der Leistungsempfänger trotzdem den Vorsteuerabzug vornimmt. Über Ländergrenzen hinweg ist das für die Finanzbehörden nur schwer zu kontrollieren.

Die Verlagerung der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger im Ausland

Die Verlagerung der Steuerschuldnerschaft ist nur im B2B-Bereich möglich. Im ersten Schritt klären Sie, ob die Steuerschuld bei Ihnen als Leistungserbringer verbleibt oder auf den Leistungsempfänger im Ausland übergeht. In welchen Fällen die Steuerschuld durch das Reverse-Charge Verfahren abgegeben wird, legt § 13b UStG genau fest.

Die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft gilt nach § 13b Abs.2 UStG für:

  • Werklieferungen in Deutschland, wenn der ausführende Unternehmer im Ausland ansässig ist,
  • sonstige Leistungen, wenn diese nicht in Deutschland steuerpflichtig sind,
  • Lieferungen sicherungsübereigneter Gegenstände, sofern diese nicht Teil eines Insolvenzverfahrens sind,
  • Umsätze, die vom Grunderwerbsteuergesetz erfasst werden,
  • die Lieferung von Gas über das Erdgasnetz oder die Lieferung von Elektrizität durch einen Unternehmer aus dem Ausland,
  • die Übertragung von Emissionsrechten,
  • die Lieferung von Schrott im Sinne der Anlage 3 zu § 13 b UStG,
  • Goldlieferungen.

Umsatzsteuerverlagerung für Unternehmer bei Leistungen im Ausland

Möchten Sie als deutscher Unternehmer das Reverse-Charge Verfahren nutzen, müssen Sie einige Besonderheiten beachten. Die Rechnung muss zwingend Ihre eigene UStID-Nr. und die des Leistungsempfängers enthalten. Prüfen Sie vor der Rechnungserstellung die Gültigkeit der Steuernummer. Führen Sie den Rechnungsbetrag netto auf. Sie erheben keine Umsatzsteuer und weisen diese auch nicht aus. Zusätzlich versehen Sie die Rechnung mit einem Hinweis auf die Übertragung der Steuerschuld auf den Leistungserbringer. Seit dem 30.06.2013 (mit einer Übergangsfrist bis Ende 2013) darf dieser Hinweis nicht mehr formlos erfolgen. Sie sind ab 2014 verpflichtet, die Angabe “Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers” zu benutzen. Ihr Kunde hat kein Recht auf eine Rechnungslegung in seiner Landessprache. Ausnahmen gelten nur, wenn eine Betriebsstätte Ihres Unternehmens im entsprechenden Ausland beteiligt ist oder Sie über eine Gutschrift abrechnen. Obwohl Sie die Steuerschuld für die Umsatzsteuer an den Leistungsempfänger im Ausland abgeben, richten Sie sich ausschließlich nach deutschem Recht. Es liegt in der Verantwortung des Empfängers der Leistung, nach dem in seinem Land gültigen Satz die Steuer zu berechnen und an die für ihn zuständige Finanzbehörde abzuführen.

Erhalten Sie in Ihrem Unternehmen dagegen eine Rechnung eines Leistungserbringers im Ausland, müssen Sie die Steuer an Ihr Finanzamt abführen. Der Leistungserbringer führt die Rechnungserstellung nach den gesetzlichen Bestimmungen in seinem Land durch.

Das Reverse-Charge Verfahren und die Umsatzsteuervoranmeldung

Wenn Sie die Steuerschuldnerschaft auf einen Leistungsempfänger im Ausland übertragen, müssen Sie die Beträge in der Voranmeldung zur Umsatzsteuer anmelden. Sie geben den Rechnungsbetrag in der Umsatzsteuervoranmeldung netto an. Diese Daten dienen als Bemessungsgrundlage und wirken sich nicht auf die Höhe Ihrer Umsatzsteuervoranmeldung aus.

Erhalten Sie dagegen eine Rechnung aus dem Ausland, bei der die Steuerschuldnerschaft auf Sie als Leistungsempfänger übergeht, gehen Sie folgendermaßen vor: Sie berechnen für den Rechnungsbetrag die Steuer. Ist Ihr Unternehmen zum Vorsteuerabzug berechtigt, machen Sie die angegebene Umsatzsteuer direkt wieder als Vorsteuer geltend. Als Frist gilt jeweils der 15. des Monats, der auf die Ausführung der Leistung folgt.

Fehler beim Reverse-Charge Verfahren

Weist ein Leistungserbringer trotz Übergang der Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger in seiner Rechnung fälschlicherweise die Steuer aus, muss die Rechnung berichtigt werden. Ohne korrekt erstellte Rechnung muss gemäß § 14c UStG die zu Unrecht berechnete Steuer an das Finanzamt abgeführt werden. Ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich. Erst mit Erhalt der Rechnungskorrektur schreibt die Finanzbehörde die zu viel abgeführte Steuer wieder gut.

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