Buchhaltung Grundlagen

Kontenrahmen als unverzichtbare Hilfsmittel im Rechnungswesen

24. Juli 2014

Kontenrahmen Buchhaltung

Die Buchhaltung eines Unternehmens erfasst alle anfallenden Geschäftsvorfälle durch Buchung auf einer Vielzahl an Konten. Die systematische Gliederung dieser Konten erfolgt mithilfe eines Kontenrahmens. Er gewährleistet ein zweckmäßiges Bebuchen der Konten und optimale Auswertungsmöglichkeiten, von der Jahresabschlusserstellung bis hin zu statistischen Meldungen. Ein logisch aufgebauter Kontenrahmen, der die Besonderheiten der jeweiligen Branche und des individuellen Unternehmens berücksichtigt, sorgt dafür, dass die Buchung gleichartiger Geschäftsvorfälle auf demselben Konto erfolgt.

Allgemeine Anforderungen an Kontenrahmen

Der Gesetzgeber schreibt keinen bestimmten Kontenrahmen vor. Jedoch gelten die allgemeinen Vorschriften des Handelsgesetzbuches über die Buchführung auch für den Kontenrahmen. Insbesondere die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, wie zum Beispiel das Abgrenzungsprinzip, sind zu beachten. Der Kontenrahmen bildet die Basis der Aufstellung des Jahresabschlusses. Aus diesem Grund

muss die Einteilung in Kontenklassen eine sinnvolle und unkomplizierte Überleitung zur Bilanz sowie zur Gewinn-und-Verlust-Rechnung ermöglichen. Die Gliederung dieser beiden Bestandteile des Jahresabschlusses folgt dem gesetzlich in § 266 HGB (Bilanz) sowie in § 275 HGB (Gewinn-und-Verlust-Rechnung) vorgeschriebenen Schema. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Kontenrahmen Geschäftsvorfälle so erfassen, dass sie als Zahlenmaterial die Ausgangsbasis einer aussagekräftigen Kosten-Leistungs-Rechnung bilden. Ebenso dienen die hier erfassten Informationen der Erstellung von Statistiken für interne und externe Zwecke. Die Verwendung von einheitlichen Kontenrahmen erleichtert betriebswirtschaftliche Vergleiche zwischen unterschiedlichen Unternehmen derselben Branche oder verwandter Wirtschaftszweige. Nicht zuletzt trägt die Nutzung eines konzerneinheitlichen Kontengliederungsschemas erheblich dazu bei, dass die Aufstellung des Konzernabschlusses sowie anderer konsolidierter Abschlüsse unkompliziert erfolgt. Damit kommt der Verwendung eines passenden Kontenrahmens eine zentrale Bedeutung für ein leistungsstarkes internes und externes Rechnungswesen zu.

Die Gliederungssystematik des Kontenrahmens

In Deutschland nutzen Unternehmen spezifische Kontenrahmen, die unterschiedlichen Gliederungsprinzipien folgen. Grundsätzlich kommen für den systematischen Aufbau von Kontenrahmen das Prozessgliederungs- und das Abschlussgliederungsprinzip infrage. Das Prozessgliederungsprinzip strukturiert die Kontenklassen nach der Abfolge betrieblicher Prozesse. Das auch als Bilanzgliederungsprinzip bezeichnete Abschlussgliederungsprinzip hält sich streng an den Aufbau des Jahresabschlusses. Darüber hinaus unterscheiden sich Kontenrahmen in Ein- und Zweikreismodelle. Bei einem Einkreismodell erfolgt die Erfassung sämtlicher Geschäftsvorfälle des Unternehmens für die Finanzbuchführung und die Kostenrechnung in einem einzigen geschlossenen Abrechnungskreis. Dagegen existieren beim Zweikreissystem zwei separate Kontenkreise. Dabei dient der Kontenkreis I der Finanzbuchhaltung und dem externen Rechnungswesen, während der Kontenkreis II die Daten für das interne Rechnungswesen sowie die Kosten- und Leistungsrechnung erfasst.

Verschiedene Typen von Kontenrahmen

Zusammenfassend lassen sich dementsprechend vier Arten von Kontenrahmen unterscheiden:

 

  • Kontenrahmen nach dem Abschlussgliederungsprinzip als Einkreissystem
  • Kontenrahmen nach dem Abschlussgliederungsprinzip als Zweikreissystem
  • Kontenrahmen nach dem Prozessgliederungsprinzip als Einkreissystem
  • Kontenrahmen nach dem Prozessgliederungsprinzip als Zweikreissystem

Der Aufbau der Kontenrahmen

Die meisten Kontenrahmen basieren auf einem zehnstelligen System. Dabei bezeichnet die erste Zahl die Kontenklasse, die zweite Ziffer steht für die Kontengruppe, während die dritte Zahl für die Kontenart reserviert ist. Mithilfe der übrigen Ziffern lässt sich bei Bedarf eine große Anzahl von Unterkonten anlegen.

Die Auswahl geeigneter Kontenrahmen

Deutschen Unternehmen steht eine Vielzahl von erprobten Kontenrahmen zur Verfügung. Bei der Entscheidung für eine bestimmte Kontengliederung sind branchenspezifische Besonderheiten und die jeweiligen Analyse- und Auswertungsanforderungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass jede Buchhaltungs-Software bestimmte Kontenrahmen vorgibt. Besonders weit verbreitet sind die folgenden Kontenrahmen.

DATEV-Kontenrahmen

Der Software-Spezialist für Buchhaltungsprogramme bietet seinen Kunden sehr viele Standardkontenrahmen für unterschiedliche Branchen an. Dabei haben Mandanten die Wahl zwischen Kontenrahmen nach dem Prozessgliederungs- oder dem Abschlussgliederungsprinzip. Die SK 03 Kontenrahmen folgen dem Prozessgliederungsprinzip, sie sind zum Beispiel verfügbar als:

 

  • SK 03 nach IFRS/IAS
  • SK 03 für Personengesellschaften
  • SK 03 für Zahnärzte
  • SK 03 für Burger King

 

Die von DATEV vertriebenen SK 04 Kontenrahmen berücksichtigen das Bilanzgliederungsprinzip. Sie sind zum Teil für die gleichen Unternehmen wie die SK 03 Kontenrahmen buchbar. Unter anderem sind sie erhältlich als:

 

  • SK 04 für Kapitalgesellschaften
  • SK 04 für kommunale Unternehmen
  • SK 04 für Mc Donald’s
  • SK 04 für Ärzte

 

Darüber hinaus existiert eine große Vielfalt an weiteren DATEV-Kontenrahmen, wie zum Beispiel SKR 70 für Hotels und Gaststätten oder SKR 99 für Krankenhäuser.

Industriekontenrahmen (IKR)

Der im Jahre 1971 vom betriebswirtschaftlichen Ausschuss des Bundesverbands der Deutschen Industrie erstmals veröffentlichte und seitdem mehrfach überarbeitete IKR dient Industrieunternehmen als Vorlage für die Entwicklung zweckmäßiger Kontenrahmen. Dabei handelt es sich um ein Kontenmodell nach dem Bilanzgliederungsprinzip und ein Zweikreissystem, das streng zwischen Finanzbuchhaltung im Rechnungskreis Eins sowie Kosten- und Leistungsrechnung im Rechnungskreis Zwei unterscheidet.

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