Buchhaltung Grundlagen

Kein geldwerter Vorteil für Firmenwagen mit Flüssiggasanlagen

28. Februar 2011

Unternehmer, die ihre Firmenwagen teilweise auch privat nutzen, können sich mit der Umrüstung auf Flüssiggas keinen eigenen geldwerten Vorteil –wie es üblicherweise die Ein-Prozent-Regelung vorsieht- verschaffen. Dies hat das Bundesverfassungsgericht kürzlich entschieden.

Keine Sonderausstattung – geldwerter Vorteil für den Fahrzeughalter

Aufgrund immer höher steigender Benzinpreise planen viele Fahrzeughalter den Umbau ihrer Kraftfahrzeuge auf Flüssiggasbetrieb. Eine nachträglich eingebaute Flüssiggasanlage gilt jedoch unter steuerlichem Aspekt nicht als Sonderausstattung und kann deshalb auch nicht als geldwerter Vorteil bei der Steuererklärung in Abzug gebracht werden. Das BFH-Urteil bezieht sich auf einen Rechtsstreit zwischen zwei Fahrzeughaltern, wobei einer der beiden seinen Außendienstmitarbeitern Firmenwagen zur Verfügung gestellt hat, welche auch privat genutzt wurden. Alle Kraftfahrzeuge wurden von dessen Seite aus zunächst geleast und anschließend zeitnah mit…

einer entsprechenden Flüssiggasanlage energieeffizient umgerüstet. Für die Leasingkosten kam der Unternehmer selbst auf; er stattete die Fahrzeuge allerdings mit Werbeaufklebern aus. Die Klägerin wiederum monierte dieses Verhalten, da hier die Bemessungsgrundlage der sogenannten Ein-Prozent-Regelung für eine private Kraftfahrzeug-Nutzung nicht eingehalten wurde, folglich auch keine Lohnsteuer abgeführt wurde.

Geldwerter Vorteil – Regelungen

Die Regelungen für die Inanspruchnahme eines geldwerten Vorteils besagen, dass diese nur aus der Überlassung von Firmenwagen mit privater Nutzung entstehen, hier jedoch nicht nach gefahrenen Kilometern abgerechnet werden muss. Pauschalkönnen in diesem Fall ein Prozent des deutschen Listenpreises zur Berechnung des geldwerten Vorteils angesetzt werden.

Ein-Prozent-Regelung und geldwerter Vorteil

Zur Errechnung des geldwerten Vorteils wird die Listenpreismethode herangezogen, die sich umgangssprachlich auch Ein-Prozent-Regelung nennt. Wer diese Listenpreismethode nicht wählen will, der kann alternativ zur Ermittlung des geldwerten Vorteils jedoch auch die Höhe des individuellen Kilometersatzes und dann die entsprechende Umrechnung nehmen. Eine wesentlich aufwendigere Methode allerdings, welche in der Regel eher selten zur Hilfe genommen wird.

Höhe des geldwerten Vorteils berechnen

Um exakte Zahlen über den geldwerten Vorteil zu erhalten, muss zunächst ermittelt werden, für welche Fahrten das Firmenfahrzeug genutzt wird. Ein geldwerter Vorteil für Privatfahrten schlägt mit einem Prozent zu buche; für Fahrten die den Arbeitsweg (Hin- und Rückfahrt) betreffen, sind es 0,03 Prozent des inländischen Listenpreises. Unterhält der Mitarbeiter einen doppelten Haushalt, so dürfen für die gefahrenen Kilometer jeweils 0,02 Prozent vom inländischen Listenpreis genommen werden.

Geldwerter Vorteil ist als Einkommen zu sehen

Unter steuerlichem Aspekt ist ein geldwerter Vorteil als zusätzliches Einkommen zu sehen, welches in diesem Sinne auch versteuert werden muss. Ein geldwerter Vorteil unterliegt der Einkommensteuer. Unterhält der Unternehmer gleich mehrere Firmenfahrzeuge, welche auch privat genutzt werden, so ist hier jeder geldwerte Vorteil separat zu errechnen und bei der Einkommensteuer anzusetzen. Eine ausschließliche geschäftliche Nutzung der Fahrzeuge muss immer nachgewiesen werden. Fehlt es hier jedoch an der Glaubwürdigkeit für eine reine dienstliche Nutzung, so unterstellen die meisten Finanzbehörden eine rein private Nutzung und somit wiederum einen geldwerten Vorteil.

BFH Urteil zum geldwerten Vorteil bei nachträglich eingebauten Flüssiggasanlagen

Im obigen Fall der nachträglich eingebauten Flüssiggasanlage kam der Bundesfinanzhof zu folgendem Urteil (AZ: VIR 12/09): Der Klägerin wurde Recht gesprochen, da auch in den Augen des Gerichts hier kein geldwerter Vorteil in Abzug gebracht werden dürfe. Die nachträglich eingebaute Flüssiggasanlage gilt in diesem Sinne nicht als Sonderausstattung, da sie im Fahrzeug nicht werksmäßig zum Zeitpunkt der Erstzulassung eingebaut war.

Fazit

Wer ein Fahrzeug zu beispielsweise 30.000 Euro erwirbt und in dieses nachträglich eine Flüssiggasanlage zu einem Kaufpreis in Höhe von 3.000 Euro einbaut, der hat für die zuständigen Finanzbehörden einen geldwerten Vorteil in Höhe von 330 Euro pro Monat.

Die Flüssiggasanlage ist hier nicht als eigenständiges Wirtschaftsgut zu sehen, dessen Nutzbarkeit unabhängig von privatem oder geschäftlichem Gebrauch zu sehen ist. Es ersetzt im Fahrzeug selbst nicht den Benzinantrieb, sondern kann nur zusätzlich auch mit Flüssiggas betrieben werden. Die Anlage erfüllt somit keinen ablösbaren, eigenständigen Zweck und erhöht aus diesem Grund auch den geldwerten Vorteil.

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