Buchhaltung Grundlagen

Geringwertige Wirtschaftsgüter – mit der Sofortabschreibung das Betriebsergebnis verbessern

19. Juli 2013

Geringwertige Wirtschaftsgüter AbschreibungSeit 2010 haben Selbstständige, Freiberufler und Unternehmen wieder die Möglichkeit, eine Sofortabschreibung für geringfügige Wirtschaftsgüter vorzunehmen. Dies war bereits bis 2008 möglich wurde vom Gesetzgeber dann jedoch vorübergehend abgeschafft.

Was sind geringfügige Wirtschaftsgüter?

Zu den geringfügigen Wirtschaftsgütern zählen zum Anlagevermögen zählende Gegenstände, die beweglich, abnutzbar und selbstständig nutzbar sein müssen. So handelt es sich beispielsweise bei einem Bürostuhl um ein geringfügiges Wirtschaftsgut, da dieser selbstständig genutzt werden kann. Bei einem Drucker ist dies hingegen nicht möglich. Deshalb zählt ein Drucker auch nicht zu den geringfügigen Wirtschaftsgütern. Die Anschaffungskosten von geringfügigen Wirtschaftsgütern betragen zwischen 150 Euro 1000 Euro netto. Eine Sofortabschreibung ist dabei für alle Gegenstände bis zu einem Wert von 410 netto möglich.

Sofortabschreibung bei geringfügigen Wirtschaftsgütern nutzen

Geringfügige Wirtschaftsgüter bis zu einem Anschaffungspreis von 150 Euro können in jedem Fall im laufenden Geschäftsjahr komplett abgeschrieben werden. Für diese Gegenstände gelten zudem keine besonderen Aufzeichnungspflichten. Sie müssen also nicht in die Liste mit dem Anlagevermögen aufgenommen werden. Für Gegenstände, bei denen die Anschaffungskosten zwischen 150,01 Euro und 410 Euro liegen, besteht ein Wahlrecht. Alternativ kann hierfür auch eine Sammelabschreibung genutzt werden. Dabei werden alle geringfügigen Wirtschaftsgüter, die im Laufe eines Geschäftsjahrs angeschafft wurden, in einer Liste zusammengefasst und gemeinsam über einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschrieben. Für das nächste Geschäftsjahr wird dann ein neuer Pool gebildet. Zu beachten ist, dass bei einer gewählten Sammelabschreibung alle geringfügigen Wirtschaftsgüter über diese Methode abgeschrieben werden müssen. Geringfügige Wirtschaftsgüter mit einem Anschaffungspreis zwischen 410,01 Euro und 1.000 Euro können in Form einer Sammelabschreibung oder alternativ auch über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Nettopreis ist entscheidend

Bei der Frage ob der Anschaffungspreis in die Kategorie der geringfügigen Wirtschaftsgüter fällt ist immer der Nettopreis entscheidend. Dies gilt auch für Kleinunternehmer, die bei Anschaffungen keine Vorsteuer in Abzug bringen. Anschaffungen mit einem Nettopreis von weniger als 150 Euro zählen nicht zu den geringfügigen Wirtschaftsgütern. Diese werden einfach als Betriebsausgaben steuermindernd eingesetzt. Zur Ermittlung des Anschaffungspreises wird vom Bruttopreis die berechnete Mehrwertsteuer abgezogen. Dazu müssen auch mögliche Rabatte, Skonto, Rücklagen für eine Ersatzbeschaffung sowie der Investitionsabzugsbetrag vom Bruttopreis abgezogen werden.

Beispiele für eine Abschreibung von geringfügigen Wirtschaftsgütern

Ein freiberuflich tätiger Anwalt kauft sich einen Bürostuhl zum Preis von 130 Euro. Diese Kosten können direkt als Betriebsausgaben abgesetzt werden. Dazu kommt noch ein Bürotisch, der 430 Euro kostet. Handelt es sich hierbei um den Bruttopreis, so kann für den Tisch die Sofortabschreibung oder wahlweise auch die Sammelabschreibung genutzt werden. Ein neuer Rechner zum Bruttopreis von 800 Euro müsste in jedem Fall über die Sammelabschreibung oder alternativ über seine Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Eine Computeranlage zum Preis von 1.400 Euro gehört nicht zu den geringfügigen Wirtschaftsgütern und muss deshalb immer über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Sofortabschreibung von Computerprogrammen

Vom Grundsatz her zählen Computerprogramme zu den immateriellen Wirtschaftsgütern und müssen deshalb über die ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Allerdings gilt für System- und Anwendersoftware eine Ausnahme. So wird die Systemsoftware wie beispielsweise das Windows-Betriebssystem immer mit der zugehörigen Hardware abgeschrieben. Zu den Anwenderprogrammen gehört beispielsweise eine Bürosoftware. Für diese kann je nach Anschaffungspreis auch die Sofortabschreibung genutzt werden. Unter Umständen ist dies auch für Softwarepakete mit einem Gesamtpreis von mehr als 410 Euro möglich. Denn bei Paketen können immer die Einzelprogramme angesetzt werden. Liegen diese unter 410 Euro netto ist eine Sofortabschreibung möglich.

Sammelabschreibung vs. Sofortabschreibung

Welche Abschreibungsart sich besser für geringfügige Wirtschaftsgüter eignet, hängt immer vom Anschaffungspreis und dem zu erwartenden Umsatz ab. Wenn die Umsätze im laufenden Geschäftsjahr eher gering sind, in den kommenden Jahren jedoch eine Steigerung erwartet wird, kann es sich lohnen, die Sammelabschreibung zu wählen. Auf diese Weise lassen sich die Abschreibungsmöglichkeiten auf die Folgejahre verteilen. In einigen Fällen kann es sogar sinnvoll sein, komplett auf die Abschreibungsmöglichkeiten für geringfügige Wirtschaftsgüter zu verzichten. So kann beispielsweise ein Computer zum Anschaffungspreis von 950 Euro laut den AfA-Tabellen auf drei Jahre abgeschrieben werden. Das ergibt eine jährliche Entlastung von etwa 316 Euro. Bei einer Sammelabschreibung über fünf Jahre beträgt der jährliche Vorteil jedoch nur 190 Euro.

 

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