Buchhaltung Grundlagen

Geringwertige Wirtschaftsgüter – was kann wie steuerlich abgesetzt werden? Viele Unternehmer sind überfordert

30. März 2011

Schreiben vom BMF sorgt hier jedoch nun für Klarheit und erläutert die Richtlinien

Geringwertige Wirtschaftsgüter sind, wie der Name schon sagt, von einem geringeren Wert, als viele andere Wirtschaftsgüter, welche dem Anlagevermögen zuzuschreiben sind. Trotzdem können sie wirtschaftlich abgeschrieben werden und somit auch das Betriebsergebnis entsprechend verändern.

Geringwertige Wirtschaftsgüter abschreiben

Bis vor wenigen Jahren war es so, dass Wirtschaftsgüter zum einen nur dann als GWG zu sehen waren, wenn sie eine Gesamthöhe von 410 Euro (800 DM) nicht überschritten hatten, zum anderen gab es ausschließlich nur ein einheitliches Buchungssystem dieser Wirtschaftsgüter –nämlich die direkte Abschreibung dieser geringwertigen Wirtschaftsgüter. Für die Buchhalter aller Unternehmen war dies ein gängiges Prozedere, welches nach der neuen Regelung jedoch für mehr und mehr Fragen sorgt. Wer sich hier nicht explizit informiert, läuft Gefahr die…

geringwertigen Wirtschaftsgüter nicht ordnungsgemäß zu verbuchen, was dann wiederum für Schwierigkeiten bei eventuellen Steuerprüfungen sorgt. Auch Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer mahnen vielfach die falsch ausgewiesenen geringwertigen Wirtschaftsgüter an. Falsche Buchungen sorgen hier für ein falsch ausgewiesenes Betriebsergebnis und entsprechend für eine falsche Steuerbilanz.

Was sind geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)?

Als geringwertige Wirtschaftsgüter dürfen sich all die Wirtschaftsgüter bezeichnen, die beweglich, selbstständig nutzbar sowie Gegenstände des Anlagevermögens sind und darüber hinaus eine Höhe von 410 Euro an Herstellungs- oder Anschaffungskosten nicht übersteigen. Die Regelungen für geringwertige Wirtschaftsgüter sind im § 6 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes verankert, jedoch ist vielen Buchhaltern noch immer nicht ganz klar, wie die geringwertigen Wirtschaftsgüter denn nun tatsächlich gebucht werden müssen.

Das Bundesministerium für Finanzen hat sich nun dieser Problematik angenommen und in einem offenen Brief vom 30.09.2010 (AZ IV C6 – S2180/09/1001) tabellarisch erläutert, welche Wahlmöglichkeiten die Unternehmen hinsichtlich der Verbuchung von geringwertigen Wirtschaftsgütern haben.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis 150 Euro

Für geringwertige Wirtschaftsgüter, die eine Gesamthöhe von 150 Euro nicht übersteigen, können zwei verschiedene Buchungsverfahren eingesetzt werden.
Zum einen können diese GWG sofort abgeschrieben, d. h. sofort komplett als Betriebsausgaben eingetragen werden. Zu anderen ist es jedoch auch möglich, diese geringwertigen Wirtschaftsgüter regulär mit der degressiven oder linearen AfA abzuschreiben.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) zwischen 150 Euro und 410 Euro

Etwas anders verhält es sich, wenn es sich bei dem Wirtschaftsgut um ein Gut handelt, welches sich in einer Preisklasse zwischen 150 Euro und 410 Euro bewegt. Hier haben die Buchhalter der Unternehmen drei verschiedene Möglichkeiten und Wahlrechte, die geringwertigen Wirtschaftsgüter zu verbuchen.
Als Erstes können diese Wirtschaftsgüter ganz normal degressiv oder linear abgeschrieben werden oder aber, wie bei den Wirtschaftsgütern unter 150 Euro, sie können sofort als Betriebsausgabe angesetzt werden. Die dritte Wahlmöglichkeit beinhaltet hingegen die Abschreibung als Sammelposten, bei der mehrere Wirtschaftsgüter zusammengefasst und gemeinsam gleichmäßig verteilt auf fünf Jahre abgeschrieben werden. Diese Handhabung eignet sich besonders für die Unternehmen, die häufiger klein- bis mittelpreisige Güter anschaffen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) zwischen 410 Euro und 1.000 Euro

Liegt das hergestellte oder angeschaffte Wirtschaftsgut hingegen zwischen der Preisspanne von 410 Euro und 1.000 Euro, so ist es nach der neuen Regelung eigentlich nicht mehr als geringwertiges Wirtschaftsgut zu sehen, der Gesetzgeber erlaubt hier jedoch eine gleiche Buchungsweise wie die GWG. Geringwertige Wirtschaftsgüter dieser Preisklasse dürfen jedoch nur degressiv oder linear oder als Sammelposten über fünf Jahre hinweg gleichbleibend abgeschrieben werden.

Buchungskriterien für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Für welche Abschreibungsmethode sich das Unternehmen bei den GWG entscheidet, hängt in der Regel letztendlich davon ab, in welcher Größenordnung und Menge geringwertige Wirtschaftsgüter angeschafft werden. So lohnt es sich sicherlich nicht, einen Sammelposten zu bilden, wenn nur drei Güter im laufenden Jahr angeschafft werden sollen.

Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass die einmal gewählte Abschreibungsart im laufenden Jahr immer beibehalten werden muss. Hat man sich für die Bildung eines Sammelpostens entscheiden, darf kein GWG mehr sofort abgeschrieben werden.

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