Buchhaltung Grundlagen

Die einzelnen Inventurverfahren – was muss beachtet werden?

17. Juli 2012

Bei der Inventur erfolgt eine Bestandsaufnahme aller vorhandenen Vermögenswerte und Schulden des jeweiligen Unternehmens an einem vorgegebenen Stichtag. Jeder Kaufmann ist in der heutigen Zeit gemäß § 240 HGB dazu verpflichtet, neben einer ordnungsgemäßen Buchführung auch eine Inventur durchzuführen. Die Inventur muss beim Eröffnen sowie bei Übernahme eines Unternehmens durchgeführt werden, ebenso auch wenn es schließt und zum Schluss eines jeden Geschäftsjahres. Das Ergebnis der Inventur stellt dann das Inventar dar sowie das Bestandsverzeichnis, was alle Vermögensteile und Schulden nach Menge, Art und Wert aufführt. Bei den Inventuren werden drei verschiedene Arten unterschieden. Die körperliche Inventur, die Buchinventur sowie die Anlageninventur.

Die drei verschiedenen Inventurarten im Einzelnen:

Bei der körperlichen Inventur werden durch Messen, Wiegen oder Zählen die Vermögensgegenstände aufgenommen. Ist es nicht möglich, eine exakte Aufnahme wirtschaftlich durchzuführen, so ist auch eine Schätzung erlaubt. Bei der Buchinventur werden wertmäßig alle nicht körperlichen Gegenstände und Schulden, wie beispielsweise Verbindlichkeiten, Forderungen oder Bankguthaben ermittelt, was anhand von Belegen durchgeführt wird. Bei der dritten Art – der Anlageninventur geht es hauptsächlich um die Bestandsaufnahme von Gütern des beweglichen Anlagevermögens, wie die Maschinen, die Büroausstattung sowie der Fuhrpark.

Der Zeitpunkt jeder Inventur ist zum Bilanzstichtag, also am 31.12. eines Kalenderjahres, ebenso am letzten Tag des Geschäftsjahres. Die Aufnahme der Bestände ist mit einem erheblichen personellen sowie zeitlichen Aufwand verbunden und somit gibt es verschiedene Inventurverfahren mit flexiblen Terminen. Es werden vier Inventurverfahren unterschieden. Die Stichtagsinventur, die permanente Inventur, die verlegte Inventur sowie die Stichprobeninventur.

Die Inventurverfahren im Einzelnen:

Bei der Stichtaginventur werden zum einen die Bestände an einem bestimmten Aufnahmetag mengenmäßig erfasst und zum anderen in Inventurlisten eingetragen. Die Bestandsaufnahme muss jedoch nicht sofort am Bilanzstichtag erfolgen. So gibt es eine Frist von 10 Tagen vor sowie nach dem Stichtag. Es werden dann bei diesem Inventurverfahren die Zu- und Abgänge zwischen dem Aufnahmetag und dem Stichtag anhand von den entsprechenden Belegen wert- und mengenmäßig fortgeschrieben beziehungsweise zurückgerechnet. Die Stichtaginventur führt zu einem sehr großen Arbeitsaufwand innerhalb weniger Tage. Das führt meist zu Störungen des Betriebsablaufes oder zur Notwendigkeit einer Schließung. Somit erhöht sich bei diesem Inventurverfahren das Risiko von Aufnahmefehlern.

Wird eine Stichtagsinventur durchgeführt, so wird das Inventar an einem bestimmten Stichtag, meist handelt es sich um den Bilanzstichtag, mengenmäßig erfasst. Für Einzelhandelsbetriebe ist es sinnvoll, die Stichtagsinventur nicht in einer umsatzhohen Periode durchzuführen.

Das zweite Inventurverfahren – die verlegte Inventur kommt nur dann infrage, wenn entsprechende Voraussetzungen für eine permanente Inventur fehlen. Es erfolgt hier die körperliche Bestandsaufnahme an einem beliebigen Tag, der sich jedoch in dem Zeitraum der letzten 3 Monate vor oder der ersten 2 Monate nach einem Stichtag befinden sollte. Der Bestand, der am Aufnahmetag ermittelt wurde, wird hierbei nur wertmäßig fortgeschrieben oder zurückgerechnet. Ebenso muss das tatsächliche Datum der durchgeführten Inventur in einem besonderen Inventar festgelegt werden.

Bei dem dritten Inventurverfahren – der permanenten Inventur wird ermöglicht, dass der vorhandene Bestand am Stichtag auch ohne gleichzeitige körperliche Bestandsaufnahme festgestellt werden kann. Das ist deshalb möglich, weil die Bestandsaufnahme so auf das Geschäftsjahr verteilt wird und ebenso jeder Artikel hundertprozentig nur einmal aufgenommen wird. Das zu erstellende Inventar, was am Bilanzstichtag ermittelt werden muss, erfolgt durch die Bestandsfortschreibung der Lagerbuchhaltung. Es handelt sich hierbei um ein Verfahren zu Inventuroptimierung, welches meisten bei den Großunternehmen zur Anwendung kommt. Doch um dieses Inventurverfahren durchführen zu können, muss das Führen eines Lagerbuches unbedingt vorhanden sein sowie alle Unterlagen für die Zu- und Abgänge. Außerdem muss mindestens einmal im Jahr eine körperliche Inventur durchgeführt werden.

Bei der vierten Inventurmethode handelt es sich um die Stichprobeninventur. Hier ist keine körperliche Inventur nötig, denn es kann der Warenbestand nach Menge, Art und Wert anhand von den Stichproben mit statistisch-mathematischen Verfahren ermittelt werden. Hierzu gehören die sogenannte freie Mittelwertschätzung sowie das gebundene Verfahren mittels Stichproben. Die Durchführung muss jedoch den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Buchführung entsprechen und so muss hier eine Vollständigkeit und Richtigkeit der aufgenommenen Werte bei der Inventur erfolgen.

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