Buchhaltung Grundlagen

Bilanzierungspflicht – wenn die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ausgedient hat

10. Mai 2013

BilanzierungspflichtDie Bilanz zeigt das Vermögen eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag an. Die Bilanz gehört zusammen mit der Gewinn- und Verlust-Rechnung zum Jahresabschluss eines Unternehmens und muss daher stets sorgfältig, lückenlos und für alle erkennbar gegliedert und nachvollziehbar sein.

Allgemeines zur Bilanz

Jeder Kaufmann mit entsprechender Umsatzprognose ist dazu verpflichtet, zu Beginn seines Handelsgewerbes eine Gründungsbilanz oder für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres eine Schlussbilanz aufzustellen.

Das Inventar ist die Grundlage für die Aufstellung einer Bilanz. Das Inventar ist ein Verzeichnis, das alle Vermögensgegenstände und Schulden nach Art, Menge und Wert aufweist. Dabei werden alle Vermögensgegenstände und Schulden einzeln untereinander in Listenform aufgeführt. Am Schluss des Inventars wird das Reinvermögen, sprich das Eigenkapital, ermittelt. Die Bilanz ist eine kurz gefasste Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital. In ihr werden das Vermögen auf der linken Seite und das Eigenkapital sowie die Verbindlichkeiten auf der rechten Seite erfasst. Dabei steht das Eigenkapital über den Verbindlichkeiten.

Die linke Seite der Bilanz nennt sich Aktiva. Auf der Aktivseite wird das Vermögen in seinen unterschiedlichen Formen ausgewiesen. Die Aktivseite der Bilanz gibt Auskunft darüber, welche Vermögensformen in einem Unternehmen stecken.

Die rechte Seite der Bilanz wiederum heißt Passiva. Auf der Passivseite stehen das Eigenkapital sowie die Verbindlichkeiten. Die Passivseite gibt Auskunft darüber, wer das Kapital, also die Mittel zur Finanzierung des Vermögens, aufgebracht hat. Das Kapital, das der Unternehmer aus eigenen Mitteln zur Finanzierung des Vermögens aufgebracht hat, wird als Eigenkapital bezeichnet. Haben fremde Investoren die Mittel zur Anschaffung von Vermögensgegenständen zur Verfügung gestellt, so werde diese Mittel als Fremdkapital bezeichnet. Im Grunde genommen ist hiermit nichts anderes als Schulden gemeint.

Vorschriften für die Bilanz

In der Bilanz werden gleichartige Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten gebündelt und ihre Werte postenweise zusammengefasst. Durch diese Zusammenfassung ist die Bilanz übersichtlicher als das Inventar.

Das Handelsgesetzbuch enthält zur Form und zum Inhalt der Bilanz eine Reihe von Vorschriften, die sinngemäß auch für die Bilanzierungspflichtigen gilt. Zum einen ist die Bilanz nach den Grundsätzen ordnungsgemäßiger Buchführung aufzustellen. Auch muss die Bilanz innerhalb einer angemessenen Frist nach dem Stichtag aufgestellt sein. Zudem muss die Bilanz in deutscher Sprache und in Euro aufgestellt worden sein.

Natürlich sind in der Bilanz das Vermögen, das Eigenkapital und die Verbindlichkeiten sowie die Rechnungsabgrenzungsposten gesondert auszuweisen und ausreichend aufzugliedern. Zum Schluss muss der Unternehmer unter Angabe des Datums die Bilanz unterschreiben. Unternehmen, welche nicht bilanzierungspflichtig sind, jedoch trotzdem bilanzieren möchten, können sich an diese Gliederung halten, müssen es aber nicht.

Wer muss bilanzieren?

Die Verpflichtung zur Bilanzierung sowie die Anforderungen an einer Bilanz werden im Handelsgesetzbuch geregelt.

Bilanzieren müssen alle die Kaufleute, welche ein selbstständiges Handelsgewerbe betreiben. Als Kaufleute gelten hier jedoch auch Kapitalgesellschaften, wie die Aktiengesellschaft. Zudem müssen Personalgesellschaften, wie die Kommanditgesellschaft, bilanzieren. Und auch Gewerbetreibende der Land-und Forstwirtschaft sind bilanzierungspflichtig, wenn sie folgende Grenzen überschreiten:

  • Umsätze von mehr als 500.000 Euro im Kalenderjahr
  • Bei selbst bewirtschafteten land- und forstwirtschaftliche Flächen mit einem Wirtschaftswert von mehr als 25.000 Euro
  • Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als 50.000 Euro im Wirtschaftsjahr oder Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft von mehr als 50.000 Euro im Kalenderjahr erzielen

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Einzelkaufleute, welche in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren zum Stichtag einen Umsatz von nicht mehr als 500.000 Euro und einen Gewinn von nicht mehr als 50.000 Euro erzielen, sind nicht bilanzierungspflichtig.

Auch für die freiberufliche Tätigkeit besteht keine Bilanzierungspflicht. Kleinstbetriebe, die in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft oder einer Personengesellschaft ohne voll haftende natürlich Personen organisiert sind, werden entlastet. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Unternehmen an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen zwei der drei nachfolgenden Merkmale nicht überschreitet:

  • Umsatzerlöse bis 700.000 Euro
  •  Bilanzsumme bis 350.000 Euro oder
  • durchschnittlich 10 beschäftigte Arbeitnehmer

Aufbewahrungspflicht der Unterlagen

Buchführungs- und Aufzeichnungsunterlagen müssen sowohl nach Handelsrecht als auch nach Steuerrecht aufbewahrt werden. Gemäß dem Handelsrecht sind Handelsbücher, Inventare, Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Lageberichte, Arbeitsanweisungen und sonstige Organisationsunterlagen mindestens 10 Jahre aufzubewahren. Selbst die Buchungsbelege müssen 10 Jahre lang gelagert werden. 6 Jahren müssen dagegen nur empfangene Handelsbriefe und Wiedergaben der abgesandten Handelsbriefe aufbewahrt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*