Buchhaltung Grundlagen

Bestandsveränderungen im Handelsunternehmen

16. April 2011

Bestandsmehrungen und Bestandsminderungen richtig buchen

In jedem Handelsunternehmen ergeben sich im Laufe des Geschäftsjahres zahlreiche Buchungsvorgänge, die den Erfolg des Unternehmens entweder schmälern oder ihn bestenfalls erhöhen. So hat jeder Einkauf, der im Betrieb getätigt wird und auch jeder Verkauf direkten Einfluss auf das Betriebsergebnis. Zum einen sind die entstehenden Geschäftsfälle natürlich eng mit der Produktion von Waren und deren Veräußerung verknüpft, zum anderen sind sie nur indirekt beteiligt, haben aber nicht selten wesentlich mehr Einfluss auf den Gewinn oder den Verlust des Betriebes. Um das Betriebsergebnis jedoch erstellen zu können, benötigt die Buchhaltung des Unternehmens zunächst die Anfangsbestände aller Erzeugnisse und anschließend auch die entsprechenden Endbestände der einzelnen Konten. Nur so ist es möglich, eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung zu erstellen und mit ihr auch die Handels- und Steuerbilanz.

Bestandsveränderungen geben die Differenz zwischen Anfangsbestand und Endbestand wieder

Liegt eine Differenz zwischen dem Anfangsbestand eines Produktes vor (beispielsweise bei den unfertigen oder…

den fertigen Erzeugnissen), so hat sich im Laufe des Geschäftsjahres hier eine Bestandsveränderung ergeben, die entsprechend auch gebucht werden muss.
Wurden mehr Waren verkauft als eingekauft wurden, so liegt hier eine Bestandsminderung vor. Im umgekehrten Fall –wenn während des Buchungsjahres mehr Waren eingekauft als verkauft wurden, so liegt entsprechend eine Bestandsmehrung vor.

Bestandsveränderungen haben Auswirkungen auf die Aufwands- und Ertragskonten

Je nach Unternehmensform haben die Bestandsveränderungen mehr oder weniger starke Auswirkungen auf das Betriebsergebnis. Handelsunternehmen, welche zur Erstellung einer Bilanz verpflichtet sind, müssen die Bestandsveränderungen (Bestandsmehrungen oder auch Bestandsminderungen) den Ertrags- oder Aufwandskoten zuführen. Hier sind eine ganze Reihe von Buchungen nötig, die in der Regel am Ende des jeweiligen Geschäftsjahres gemeinsam mit allen anderen Abschlussbuchungen getätigt werden.

Bestandsveränderungen auf dem Wareneinkaufs- oder Warenverkaufskonto

Konten, die, wie beispielsweise die Warenkonten, sind als aktive oder passive Bestandskonten zu sehen, die über einen Anfangsbestand und einen Endbestand verfügen und deren Ergebnis über das Gewinn- und Verlustkonto (GuV) abgeschlossen werden. Konten, die jedoch über die Gewinn-und-Verlust-Rechnung abgeschlossen werden müssen, sind immer auch entweder als Aufwandskonten oder Ertragskonten zu sehen. Die Bestandsveränderungen sind jedoch immer entweder Aufwendungen oder Erträge, die sich aus den Abschlüssen der Wareneinkaufs- oder Warenverkaufskonten ergeben.

Bestandsveränderungen richtig buchen

Um eine Bestandsveränderung buchen zu können, muss auf dem Warenkonto ein entsprechender Anfangsbestand auf der Sollseite eingetragen sein. Dieser wird der Bilanz des Vorjahres entnommen und in der Regel automatisch den Konten des neuen Jahres zugeschrieben. Finden dann im laufenden Geschäftsjahr weitere Einkäufe statt, so werden diese ebenfalls auf der Sollseite des Warenkontos gebucht. Warenverkäufe, die ebenfalls während des gesamten Buchungsjahres stattfinden, werden auf der Habenseite des Warenkontos notiert.

Wird das Warenkonto am Ende des Geschäftsjahres dann abgeschlossen, so ist dem entstehenden Saldo entweder eine Bestandsminderung oder eine Bestandserhöhung zu entnehmen.

  • Ist die Sollseite höher als die Habenseite – Bestandsmehrung – Es wurden mehr Waren eingekauft als verkauft
  • Ist die Habenseite höher als die Sollseite – Bestandsminderung – Es wurden mehr Waren verkauft als eingekauft wurden

Die Gegenbuchungen für die Bestandsveränderungen (sowohl bei der Bestandsmehrung als auch bei der Bestandsminderung) erfolgen auf dem Warenkonto (als Saldo), damit hier erreicht wird, dass bei einer Gegenüberstellung zwischen Verkaufserlösen und den Warenkonten hier immer einheitliche Beträge und Mengen zugrunde liegen.

Bestandsveränderungen gibt es jedoch nicht nur bei den Handelsunternehmen, die lediglich Waren einkaufen und wieder verkaufen, sondern auch bei allen Betrieben, die Waren herstellen, um sie dann zu veräußern. In diesem Fall gibt es Bestandsveränderungen natürlich nicht nur beim Warenbestand der fertigen Erzeugnisse, sondern auf bei den Rohstoffen, den Hilfs- und auch Betriebsstoffen. So ist es hier beispielsweise möglich, dass der Betrieb aufgrund optimistischer Verkaufserwartungen so viele Rohstoffe bestellt, die er dann letztendlich gar nicht verarbeitet. Das Rohstoffkonto unterliegt dann am Geschäftsjahresende ebenfalls einer Bestandsveränderung.

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