Bilanzierung

Verbindlichkeiten – Gliederung und Bewertung

28. September 2012

Verbindlichkeiten in der Bilanz

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Die Buchführung ist die Grundlage einer vernünftigen Geschäftsführung. In ihr werden lückenlos alle zeitlich und sachlich vorgenommenen Geschäftsvorgänge eines Unternehmens aufgenommen und die Basis dafür sind stets die Belege, die im laufenden Geschäftsjahr entstehen.

Die Buchführung ist ein ideales Spiegelbild eines Unternehmens und somit auch die wichtigste Informationsquelle für den Unternehmer bzw. die Geschäftsleitung oder den Vorstand. Und sie ist natürlich streng gesetzlich geregelt. So gilt es, diese gesetzlichen Vorschriften eine Buchführung umzusetzen und entsprechend natürlich auch die einzelnen Paragrafen hier einzuhalten, die ihrerseits die genaue Form und auch die Rahmenbedingungen regeln. Doch am Ende einer guten Buchführung steht immer die Bilanz, die zum Ablauf eines Wirtschaftsjahres erstellt wird.

Verbindlichkeiten in der Bilanz

Die Bilanz wird grundsätzlich zu einem bestimmten Stichtag, dem sogenannten Bilanzstichtag erstellt und sie ist ein Teil des Jahresabschlusses. Zusätzlich kann sie jedoch auch als Zwischenabschluss oder Stichtagsanalyse eingesetzt werden, beispielsweise dann, wenn das Unternehmen veräußert wird. Die Bilanz zeigt ganz genau auf, wie das Kapital eines Unternehmens verwendet wird, sprich, es ist eine Aufstellung Herkunft und Verwendung es Kapitals. In der sogenannten Kontoform werden die Vermögen (Aktiva) und Schulden (Passiva) gegenübergestellt und zeigen so, gemeinsam mit der Gewinn-und-Verlust-Rechnung, deutlich auf, wie es um ein Unternehmen wirtschaftlich gestellt ist.

Die Passivseite der Bilanz

Auf der Passivseite der Bilanz, die auch als Passiva bezeichnet wird, sind alle Schulden oder Mittelherkünfte eines Unternehmens aufgezeigt. Die Gliederung der Bilanz ist im §266 des Handelsgesetzbuches geregelt. So finden sich unter der Passiva folgende Positionen:

A. Eigenkapital

B. Rückstellungen

C. Verbindlichkeiten

D. Rechnungsabgrenzungsposten

E. Passive latente Steuern

Die Verbindlichkeiten – Posten C der Passiva

Unter dem Punkt C der Passiva finden sich alle Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Dies sind alle Verpflichtungen, die ein Unternehmen eingegangen sind. Gem. §266 HGB werden die Verbindlichkeiten in folgenden Punkten untergliedert:

1. Anleihen, davon auch konvertible

2. Verbindlichkeiten gegenüber sämtlichen Kreditinstituten

3. Erhaltene Anzahlungen aufgrund von Bestellungen

4. Verbindlichkeiten aus sämtlichen Lieferungen und Leistungen

5. Verbindlichkeiten aus der jeweiligen Annahme gezogener Wechsel sowie der Ausstellung eigener Wechsel

6. Verbindlichkeiten gegenüber allen verbundenen Unternehmen

7. Verbindlichkeiten gegenüber den Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht

8. Sonstige Verbindlichkeiten

*davon aus anteiligen Steuern

*davon im Rahmen einer sozialen Sicherheit

 

Weitere Pflichten eines Unternehmens

Für alle Kapitalgesellschaften bestehen gemäß §268 HGB jedoch noch weitere Pflichten, die die Verbindlichkeiten betreffen. Die wesentliche Verpflichtung betrifft insbesondere den Ausweis der Verbindlichkeiten nach der Restlaufzeit. So müssen alle Posten mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr zusammengefasst werden. Zusätzlich werden alle Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von über 5 Jahren zusammengefasst und zudem werden auch die Verbindlichkeiten extra ausgewiesen, die durch Pfandrechte oder ähnliche Rechte gesichert sind.

Im §253 HGB ist des Weiteren geregelt, dass alle Verbindlichkeiten grundsätzlich mit ihrem Rückzahlungsbetrag anzusetzen sind. Auch müssen sich in den Verbindlichkeiten der Bilanz noch die sogenannten Eventualverbindlichkeiten wiederfinden. Dies sind Haftungsverhältnisse und Sonstige finanzielle Verpflichtungen.

Die Bewertung von Verbindlichkeiten

Da die Verbindlichkeiten der Bilanz immer eine Verpflichtung gegenüber Dritten ausweisen, müssen diese lückenlos dokumentiert werden. Der Ausweis ist entsprechend also nur dann möglich, wenn zum Bilanzstichtag die Höhe der Verbindlichkeiten bekannt ist und die Restlaufzeiten, sprich Fälligkeiten vorliegen. Eingestellt werden diese stets mit dem Rückzahlungsbetrag, sprich dem Betrag, der zur vollständigen Tilgung der Schulden aufzubringen ist, aufgeschlüsselt nach der Herkunft. In der Regel ist dies der Betrag, zu dem die Verbindlichkeiten auch eingegangen wurden. Es können sich jedoch auch Änderungen der Höhe während der Laufzeit ergeben, insbesondere wenn es sich um Valutaverbindlichkeiten handelt. Hier ist dann stets das Höchstwertprinzip anzusetzen. Dies muss stets aus Gründen der Vorsicht und des Gläubigerschutzes so erfolgen, besonders wenn es mehrere Bewertungsmöglichkeiten gibt. Ein Sinken der Verbindlichkeiten, also ein geringerer Rückzahlungsbetrag, darf nicht bilanziert werden, da dies dem Realisationsprinzip widerspräche.

Ein weiterer Punkt ist das Disagio, das eine mögliche Differenz zwischen Rückzahlungs- und Ausgabebetrag darstellt. Diese Position darf als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten ausgewiesen werden. Die Aktivierung darf aber nur im Jahr der Begründung der Verbindlichkeit angesetzt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist dies nicht mehr gestattet.

Die Valuta ist im §244 HGB geregelt. In Deutschland müssen die Bilanzwerte immer in Euro ausgewiesen werden. Sollten Verbindlichkeiten in einer Fremdwährung bestehen, so werden diese umgerechnet und in eigener Währung ausgewiesen. Für die zukünftigen Bewertungen ist immer der Rückzahlungsbetrag am Tag der Begründung maßgeblich.

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