Bilanzierung

Sonderbilanzen und wann sie zum Einsatz kommen

8. Oktober 2012

SonderbilanzUnternehmen müssen neben den regulären handelsrechtlichen Bilanzen für bestimmte Anlässe noch einmalige Sonderbilanzen erstellten. Je nach Bedarf muss diese noch um einen mündlichen oder schriftlichen Erklärungsbericht erweitert werden. Sonderbilanzen sind unter anderem dann zu erstellen, wenn eine neue Währung eingesetzt wird. Diese war beispielsweise nach der deutschen Wiedervereinigung der Fall. Unternehmen mit Sitz in der ehemaligen DDR mussten zum 01.01.1990 eine Eröffnungsbilanz in D-Mark erstellen. Dagegen wurden bei der Einführung des Euros keine Sonderbilanzen verlangt. Hier handelte es sich lediglich um eine lineare Transformation der Vermögens- und Schuldposten zu einem festen und nicht veränderlichen Umrechnungskurs.

Mögliche Anlässe für Sonderbilanzen

Im o. g. Fall waren alle Unternehmen in der ehemaligen DDR zur Erstellung einer Sonderbilanz verpflichtet. In der Regel ist es jedoch so, dass der Anlass zur Aufstellung von Sonderbilanzen auf ein bestimmtes Unternehmen bezogen ist. Diese unternehmensbezogenen Situationen lassen sich aus dem Werdegang eines Unternehmens ableiten. Zu den Sonderbilanzen zählen:

  • Eröffnungsbilanz bei Unternehmensgründung
  • Kapitalerhöhungsbilanz bei Kapitalerhöhung aus Geschäftsmitteln
  • Schlussbilanzen bei Verschmelzung und Spaltung von Unternehmen
  • Verlustanzeigebilanz bei Überschuldung
  • Abwicklungs-/Liquidations-Eröffnungsbilanz bei Auflösung des Unternehmens
  • Insolvenz-Eröffnungsbilanz bei einer Unternehmensinsolvenz

Was die bei Sonderbilanzen individuellen Ansatz-, Bewertungs- und Gliederungs- bzw. Ausweisgrundsätze betrifft, so gibt es hierfür keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen. Diese werden vom jeweiligen Unternehmen zum jeweiligen Sinn und Zweck der zu erstellenden Sonderbilanzen individuell entwickelt.

Eröffnungsbilanz bei Neugründung

Wer nach § 1 des Handelsgesetzbuchs Kaufmann ist und zur Ausübung seines Handelsgewerbes einen eingerichteten Geschäftsbetrieb benötigt, muss zur Eröffnung seines Gewerbes eine Eröffnungsbilanz erstellen. Hierfür sind dieselben Vorschriften zu beachten, wie sie auch für einen Jahresabschluss gelten. Die Eröffnungsbilanz stellt die Basis für die gesamte anfallende Buchführung dar. Zudem hat sie das Ziel bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften das Betriebsvermögen vom Privatvermögen zu trennen. Bevor die Eröffnungsbilanz erstellt wird, muss eine Inventur sowie eine Aufstellung des Eröffnungsinventars erfolgen. Ergibt sich die Gründung aus einer Verschmelzung oder Auflösung anderer Unternehmen, so können die hierfür erstellten Sonderbilanzen entsprechend fortgeschrieben werden. Die Eröffnungsbilanz muss mit Aufnahme des Geschäftsbetriebes spätestens jedoch, wenn eine Pflicht zur Eintragung ins Handelsregister besteht, erstellt werden.

Kapitalerhöhungsbilanz bei Kapitalerhöhung aus Geschäftsmitteln

Die Kapitalerhöhungsbilanz gehört ebenfalls zu den Sonderbilanzen. Die gesetzlichen Regelungen hierzu finden sich für Aktiengesellschaften in den §§ 207 – 220 AktG und für Gesellschaften mit beschränkter Haftung in den §§ 57c – 57o GmbHG. Der Sinn für diese Sonderbilanzen liegt im Nachweis, dass die vorgesehenen Geschäftsmittel, die in Nominalkapital umgewandelt werden, sollen auch tatsächlich vorhanden sind. Dies ergibt sich aus dem Grundsatz der realen Kapitalaufbringung. Als Beschlussgrundlage für die Kapitalerhöhung kann entweder die zuletzt aufgestellte Jahresbilanz oder eine zu einem späteren Zeitpunkt aufgestellte Kapitalerhöhungsbilanz genutzt werden. Die Bilanz darf zum Zeitpunkt der Beschlussfassung nicht älter als 8 Monate sein. Für die Erstellung gelten dieselben Vorschriften, die auch für die reguläre Jahresbilanz gültig sind. Wichtig dabei ist, dass Abschreibungen oder Zuführungen zu bestimmten Rückstellungen möglichst zeitnah berücksichtigt werden müssen. Hierzu gehören insbesondere Pensionen, Urlaub oder Gratifikationen.

Schlussbilanz bei Verschmelzungen oder Unternehmensspaltungen

Kommt es zu einer Verschmelzung, so muss der übertragende Rechtsträger eine Schlussbilanz erstellen. Diese muss einer Anmeldung im Handelsregister beigefügt werden. Dies gilt auch bei Unternehmensspaltungen. Das Ziel dieser Sonderbilanzen liegt in der Ermittlung, des auf einen anderen Rechtsträger zu übertragenden Vermögens. Aufgestellt werden muss die Schlussbilanz unmittelbar vor dem Termin der Verschmelzung bzw. Aufspaltung. Der Stichtag der Bilanz darf nicht länger als 8 Monate vor der Eintragung ins Handelsregister liegen. Können die Bestandswerte nicht zuverlässig aus der zuletzt aufgeführten Jahresbilanz abgeleitet werden, so muss vor Eröffnung der Schlussbilanz eine Inventur durchgeführt werden.

Sonderbilanzen bei Überschuldung, Liquidation und Insolvenz

Stellt ein Unternehmen bei der Aufstellung des Jahresabschlusses fest, dass der Verlust mehr als die Hälfte des Grund- oder Stammkapitals beträgt, so muss unverzüglich eine Verlustanzeige gegenüber dem Vorstand oder der Geschäftsführung erfolgen. Hierzu muss das Unternehmen eine Verlustanzeigebilanz erstellen. Sofern das Vermögen eines Unternehmens die Schulden nicht mehr deckt, besteht zudem die Pflicht einer Überschuldungsbilanz. Gleichzeitig muss spätestens nach drei Wochen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt werden. Kommt es zu einer Insolvenz, so ist nach Beendigung und Liquidation des Unternehmens eine Schlussbilanz zu erstellen.

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