Bilanzierung

Pensionsrückstellungen – ein finazielles Plus nur für den Arbeitnehmer?

1. November 2010

In Zeiten von Weltwirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit stellen sich immer mehr Menschen die Frage, wie sie ihre persönliche finanzielle Situation verbessern können und ob sie ihren Lebensstandard auch im Alter werden halten können. Besonders die Altersarmut ist bedingt durch den demografischen Wandel von immer größer werdender Bedeutung. Selbst wer nie von Arbeitslosigkeit betroffen war, hat es zunehmend schwer, das tägliche Leben auch im Pensionsalter noch zu finanzieren. Einen diesbezüglichen großen Vorteil haben hier meist die Menschen, die in einem mittelständischen oder großen Unternehmen beschäftigt waren oder noch sind. Denn hier profitiert der spätere Penionär oftmals von der sogenannten Betriebsrente- eine zusätzliche Rente, die noch neben der gesetzlichen Altersrente angespart und ausgezahlt wird.

Betriebliche Pensionszahlungen sind jedoch nicht nur für den Arbeitnehmer von Vorteil. Auch die Unternehmen verbessern hierdurch ihren Status.

Betriebsliche Pensionen können monatlich oder auch mittels einer Einmalzahlung ausgezahlt werden. In vielen Unternehmen umfasst diese Betriensrente darüber hinaus jedoch oftmals auch noch eine Invaliden- oder Hinterbliebenenvorsorge. Die Hinterbliebenenvorsorge nennt sich dann in der Regel Sterbekasse. Ein Unternehmen, welches sich dazu verpflichtet hat, seine Mitarbeiter und deren Familienangehörige abzusichern, hat für diese zu erbringenden Leistungen bereits viele Jahre vorher entsprechende Rücklagen zu bilden. Diese nennen sich im buchhalterischen Sinne Pensionsrückstellungen.

Pensionsrückstellungen werden immer im Rahmen der Lohn- und Gehaltsbuchhaltung erstellt. Sie werden darüber hinaus als Aufwand verbucht und gelten als Verbindlichkeiten gegenüber den Arbeitsnehmern. Verankert ist die Auszahlungspflicht dieser Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenrente im § 249 des HGB, der darüber hinaus beinhaltet, dass für vorab unklare Auszahlungsbeträge rechtzeitig entsprechende Rücklagen gebildet werden müssen.

Da es sich bei den Pensionsrückstellungen um sogenanntes Fremdkapital handelt, ist es geschützt vor Zugriffen Dritter. Je nach Mitarbeiterzahl und deren zeitlicher Betriebszugehörigkeit summieren sich die hier angesparten Beträge in der Regel schnell zu einer gewaltigen Kapitalmenge, die oftmals sogar weit über dem eigentlichen Grund- und Eigenkapital der Unternehmen liegt.

Pensionszusagen gelten als sogenannte Direktzusagen gegenüber den Mitarbeitern und sind somit ohne externe Versorgungsunternehmen zu leisten.

Für bilanzierende Unternehmen erfolgt die Berechnung der einzelnen Beträge mittels des versicherungsmathematischen Teilwertverfahrens. Verankert ist dieses im § 6a des Einkommenssteuergesetzes (EstG), welches hier vorschreibt, dass ein steuerbilanzieller Wertansatz zum Tragen kommt. Dieser sah in der Praxis bis zum Jahre 2009 so aus, dass die Rentenleistungen hier mit rund 6 Prozent pro Jahr zu verzinsen waren, was rein wirtschaftlich jedoch bei Weitem nicht mehr den aktuellen Standards entsprach, da das Zinsniveau wesentlich geringer lag (und noch immer liegt) als 6 Prozent. Ebenso wurden hier keine Rentenanpassungen, wie beispielsweise bei der gesetzlichen Altersrente, vorgenommen und auch zukünftige und noch nicht absehbare Entgelterhöhungen fanden hierbei keine Berücksichtigung.

Mit der Einführung des sogenannten Bilanzmodernisierungsgesetzes (BilMoG) konnten hier jedoch einige Änderungen auf den Weg gebracht werden. Das bisherige Bewertungsverfahren der Pesionsrückstellungen gilt nun für Rückstellungen nach 2009 als ungültig. Gemäß § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB hat hier nun eine Bewertung nach „vernünftiger kaufmännischer Beurteilung“ zu erfolgen, dh. Rückstellungen sind nach aktueller Lage und zeitlichem Marktzins zu bilden.

Die Konsequenz für die Unternehmen bedeutet nun, dass Entgeltsteigerungen auch die Pensionsrückstellungen erhöhen und im Umkehrschluss dementsprechend hier erheblich senken werden. Auch durch den geänderten Zinssatz von beispielsweise unter 6 Prozent erfolgt eine Erhöhung der Pensionsrückstellung. Und dies macht sich unter Umständen in der Bilanz mehr als deutlich.

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