Bilanzierung

Immaterielle Wirtschaftsgüter unter der Lupe

18. September 2012

Als immaterielle Wirtschaftsgüter zählen alle sich im Besitz eines Unternehmens befindlichen nicht physischen Vermögenswerte. Hierzu gehören insbesondere gewerbliche Schutzrechte, gegen Entgelt erworbene Konzessionen sowie deren Rechte und Lizenzen. Des Weiteren können auch selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte sowie der Geschäfts- und Firmenwert als immaterielle Wirtschaftsgüter behandelt werden. Diese Werte dienen langfristig dem Betrieb des Unternehmens und werden dem Anlagevermögen zugerechnet. Die genauen Regelungen für immaterielle Wirtschaftsgüter können dem § 266 HGB entnommen werden.

Behandlung nach BilMoG

Seit Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) haben Unternehmen mehr Möglichkeiten, was die bilanzielle Behandlung von immateriellen Vermögenswerten betrifft. Vor Einführung des Gesetzes durften immaterielle Wirtschaftsgüter nur dann in der Bilanz erfasst werden, wenn sie gegen Entgelt erworben wurden. Für selbst geschaffene Vermögenswerte bestand dagegen ein Bilanzierungsverbot. Dieses Aktivierungsverbot wurde mit Inkrafttreten des BilMoG durch ein Aktivierungswahlrecht ersetzt. So haben Unternehmen nun die Möglichkeit, auch während der Herstellung von immateriellen Vermögenswerten angefallene Kosten in der Bilanz zu erfassen. Dies gilt für alle Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2009 begonnen haben. Ausgenommen von diesem Aktivierungswahlrecht sind selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare Rechte des Anlagevermögens.

Bewertung von immateriellen Vermögensgegenständen

Für die Bewertung von immateriellen Wirtschaftsgütern gelten die allgemeinen Bewertungsvorschriften. Das bedeutet, dass diese zu den beim Erwerbszeitpunkt geltenden Anschaffungs- und Herstellungskosten angesetzt werden. Was die Bewertung des Geschäfts- oder Firmenwertes betrifft, so ist hier der Betrag anzusetzen, der den steuerlichen Mehrwert der über den Substanzwert der Einzelwirtschaftsgüter hinausgeht abzüglich der Schulden darstellt. Daraus ergibt sich, dass zunächst die aktuellen Zeitwerte der Einzelwirtschaftsgüter ermittelt werden müssen, was sich in der Praxis nicht immer ganz einfach gestaltet. Anschließend kann der Geschäfts- oder Firmenwert dann durch Subtraktion der Zeitwerte vom Kaufpreis ermittelt werden.

Behandlung von selbst geschaffenen immateriellen Wirtschaftsgütern

Handelsrechtlich betrachtet gilt für die Aktivierung von selbst geschaffenen immateriellen Wirtschaftsgütern ein Wahlrecht. So können Unternehmen die Ausgaben komplett aus Betriebsausgaben buchen und auf eine Ausweisung in der Bilanz verzichten. Alternativ können die Herstellungskosten auch in der Bilanz ausgewiesen werden. Von der steuerrechtlichen Seite gilt nach § 5 Abs. 2 EStG ein Bilanzierungsverbot. Die Aufwendungen müssen hier sofort als Betriebsausgaben erfasst werden.

Folgebewertung von immateriellen Wirtschaftsgütern

Ist die Nutzungsdauer für immaterielle Wirtschaftsgüter begrenzt, so ergibt sich daraus die Notwendigkeit von Abschreibungen. Dies ist beispielsweise bei Konzessionen, Schutzrechten, Lizenzen der Fall. Dabei gestaltet sich die Abschätzung der voraussichtlichen Nutzungsdauer in vielen Fällen schwierig. Aus diesem Grunde sollten Unternehmen regelmäßig überprüfen, wie lange ein Wirtschaftsgut diesem noch einen Nutzen bringt. Für den Fall, dass der tatsächliche Wert unter dem Buchwert liegt, können auch außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen werden. Für den Geschäfts- oder Firmenwert gilt steuerrechtlich eine Nutzungsdauer von 15 und handelsrechtlich von 5 Jahren. Innerhalb dieser Zeiträume wird der Wert linear abgeschrieben.

Abschreibung von Computer-Software

Computerprogramme gelten ebenfalls als immaterielle Wirtschaftsgüter. Nach einem Urteil des niedersächsischen Finanzgerichts gelten für Software die gleichen Grundsätze wie für immaterielle Wirtschaftsgüter. Das bedeutet, diese wird über den Zeitraum von drei Jahren abgeschrieben. Für individuelle betriebswirtschaftliche Software ist auch eine Abschreibung über 5 Jahre möglich. Außerplanmäßige Abschreibungen wegen einer außergewöhnlichen technischen und wirtschaftlichen Abnutzung sind dagegen nicht vorgesehen. Eine Ausnahme gilt für Anwendersoftware, die entgeltfrei zusammen mit dem Computer erworben wurde. (Beispiel Windows). Diese wird steuerlich als Einheit mit dem Computer betrachtet und muss deshalb auch gemeinsam mit diesem abgeschrieben werden. Dazu zählt Software mit einem Anschaffungswert unter 410 Euro ebenfalls nicht zu den immateriellen Wirtschaftsgütern.

Nicht abnutzbare immaterielle Wirtschaftsgüter

Aufwendungen für nicht abnutzbare immaterielle Wirtschaftsgüter gelten nicht als Entschädigungszahlung und können infolgedessen auch nicht als Betriebsausgaben gelten gemacht werden. Ein Beispiel hierfür ist der Erwerb einer Domain. Unternehmen die eine Einnahme/Überschussrechnung durchführen, können die Entnahme erst zum Zeitpunkt der Veräußerung Gewinn mindernd einsetzen. Da die Nutzungsdauer einer Domain weder rechtlich noch wirtschaftlich begrenzt ist, dürfen bis zu diesem Zeitpunkt auch keinerlei Abschreibungen vorgenommen werden. Eine Ausnahme gilt allerdings dann, wenn die betreffende Domain aus einem Schutzrecht abgeleitet wird. In diesem Fall gilt die Domain als Bestandteil des betreffenden Schutzrechts. Beim Erwerb gezahlte Umsatzsteuer zählt zudem zu den abzugsfähigen Vorsteuern.

Eine Antwort auf Immaterielle Wirtschaftsgüter unter der Lupe

matthias s sagt:
23. Oktober 2012 um 10:21

Guter Artikel, die Thematik der immateriellen Wirtschaftsgüter ist in jedem Falle eine verwirrende Angelegenheit, ich danke ihnen das Sie bei mir etwas Licht ins dunkle gebracht haben.

MFG

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