Bilanzierung

Bilanzgleichheit verstehen

5. März 2013

BilanzgleichheitDie Bilanzgleichheit wird auch als Bilanzidentität oder Kongruenzprinzip bezeichnet. Geregelt wird die Bilanzgleichheit im § 252 (1) des Handelsgesetzbuchs. Danach müssen die Wertansätze der Eröffnungsbilanz mit denen der Schlussbilanz des vorigen Geschäftsjahrs übereinstimmen. Dies gilt sowohl für die Wertansätze des Umlauf- wie auch des Anlagevermögens. Bei einer Nichteinhaltung der Bilanzgleichheit kommt es zu Ergebnisveränderungen, was in jedem Falle zu vermeiden ist. Von diesem Grundsatz darf nur in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden.

Die Bilanzkontinuität

Die Bilanzgleichheit ist einer der Grundsätze der Bilanzkontinuität. Dabei wird zwischen einer formellen und einer materiellen Bilanzkontinuität unterschieden. Die formelle Bilanzkontinuität sieht vor, dass in beiden Bilanzen dieselben Gliederungsbegriffe und Schemata verwendet werden müssen. Auf diese Weise ist es möglich, die betreffenden Bilanzen schnell und einfach zu vergleichen. Die materielle Bilanzkontinuität besagt, dass die Werte der Bilanzen immer auf die gleiche Weise ermittelt werden müssen. Dies gilt insbesondere für die genutzte Abschreibungsmethode, die nicht einfach gewechselt werden darf. Wird die materielle Bilanzkontinuität in Ausnahmefällen doch einmal durchbrochen, so müssen die darauf begründeten Änderungen in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung genau beschrieben werden.

Grundsatz der Bilanzgleichheit

Der Grundsatz der Bilanzgleichheit besagt, dass zwei Bilanzen komplett gleich sein müssen. Dies gilt insbesondere für die Eröffnungsbilanz und die Schlussbilanz des letzten Geschäftsjahres. Beide Bilanzen müssen identische Bilanzposten aufweisen. Dies gilt sowohl für die Menge wie auch den Wert der in der Bilanz aufgeführten Wirtschaftsgüter. Eine Korrektur der Eröffnungsbilanz darf nur dann durchgeführt werden, wenn gleichzeitig auch die vorige Schlussbilanz korrigiert wird. Eine Nichtbeachtung der Bilanzgleichheit stellt automatisch einen Verstoß gegen die Grundsätze der ordnungsgemäßen Buchführung sowie der ordnungsgemäßen Bilanzierung dar.

Ziel der Bilanzgleichheit

Wird die Bilanzgleichheit nicht korrekt eingehalten, besteht die Gefahr, dass die Werte der Einzelperioden von denen der Gesamtperiode abweichen. Dies soll dadurch ausgeschlossen werden, dass Eröffnungsbilanz einer Periode mit der Schlussbilanz der vorigen Periode übereinstimmen muss. Somit wird durch die Bilanzgleichheit die Vollständigkeit der Bilanzen gesichert.

Ausnahmen von der Bilanzgleichheit

Eine Ausnahme von der Bilanzgleichheit galt zum Beispiel bei der Einführung des Euros. Hier wurden die Schlussbestände des Vorjahres noch in DM und die Anfangsbestände des neuen Jahres in Euro angegeben. Des Weiteren kann auch nach einer erfolgten steuerlichen Betriebsprüfung vom Prinzip der Bilanzgleichheit abgewichen werden. Hier kann bestimmt werden, dass die zuletzt erstellte noch veränderbare Bilanz abgeändert wird, während die vorige Bilanz von dieser Änderung nicht betroffen ist. Somit kann es in diesem Ausnahmefall zu unterschiedlichen Werten in der Schlussbilanz und der folgenden Eröffnungsbilanz kommen. Die Bilanzidentität erfordert, dass die Form und die Gliederung der Bilanz und der GuV-Rechnung immer beibehalten werden müssen.

Beispiel für die Bilanzgleichheit

Die Telefonrechnung aus dem Dezember wurde in der Schlussbilanz unter den sonstigen Verbindlichkeiten erfasst. Zum 15. Januar des Folgejahres wird diese dann nochmals auf dem Aufwandskonto Telefonkosten verbucht. In diesem Fall müssen zunächst die Verbindlichkeiten vorgetragen und dann anschließend beim Abstimmen der Konten umgebucht werden. Eine abkürzende Buchung wäre Eröffnungsbilanz an Telefonkosten. Allerdings würde diese Buchung gegen den Grundsatz der Bilanzgleichheit verstoßen.

Weitere Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB)

Neben der Bilanzgleichheit gibt es noch einige weitere Grundsätze für eine ordnungsgemäße Buchführung, die zum Teil gesetzlich vorgeschrieben und teilweise kaufmännischen Bräuchen entsprechen. So ist beispielsweise festgeschrieben, dass die Buchführung immer klar und übersichtlich ist. Wer sich die Buchführung anschaut, muss diese jederzeit nachvollziehen können. Zudem ist es nicht erlaubt, die Buchführung in einer nicht lebenden Sprache wie beispielsweise Latein zu verfassen. Erlaubt ist jedoch die Erstellung beispielsweise in Englisch, Italienisch oder Russisch. Bei der Erstellung der Buchführung dürfen ausschließlich urkundensicheren Schreibmaterialien verwendet werden. Nicht erlaubt sind Einträge mit Bleistiften, Tintenkiller oder ähnlichen Schreibwerkzeugen. Wichtig ist auch, dass die Buchführung übersichtlich gestaltet ist.

Sind Änderungen bei der laufenden Buchführung erforderlich, so dürfen die fehlerhaften Eintragungen nur mit einem einfachen Strich versehen werden. Unleserliche Änderungen sind dagegen nicht zugelassen. Die ursprüngliche Eintragung muss auch nach der Änderung noch eindeutig zu erkennen sein. Die anfallenden Geschäftsfälle müssen fortlaufend, vollständig, richtig, zeitgerecht und sachlich geordnet erfasst werden. Für jede Buchung wird ein Beleg benötigt und diese müssen zudem durchgehend nummeriert werden. Für alle Belege gilt eine Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*