Bewertung

Vermögensgegenstände buchhalterisch richtig bewerten

13. Juli 2012

Vermögensgegenstände buchhalterisch richtig bewerten

BewertungDurch das Bewerten der Vermögensgegenstände wird diesen ein in Geldeinheiten ausgedrückter Wert beigemessen, welcher dann in der Bilanz entsprechend ausgewiesen wird. Die bei der Bewertung angesetzten Maßstäbe haben einen großen Einfluss auf die Höhe des Erfolgs eines Unternehmens. Deshalb wurden durch den Gesetzgeber sowohl für das Handelsrecht im Handelsgesetzbuch (HGB) wie auch für das Steuerrecht im Einkommenssteuergesetz (EStG) verbindliche Bewertungsvorschriften für Vermögensgegenstände und Schulden festgelegt.

Rechtliche Bestimmungen für Vermögensgegenstände

Die Bewertungsvorschriften für das Handelsrecht sind in den §§ 252-256 des Handelsgesetzbuchs enthalten und für alle Unternehmen gültig. Vorrangig dienen diese Vorschriften dem Kapitalerhalt sowie dem Gläubigerschutz. Der oberste Bewertungsgrundsatz ist dabei das Vorsichtsprinzip. Dieses besagt, dass bei der Bilanzierung alle Risiken und Verluste angemessen berücksichtigt werden müssen. Was die steuerrechtliche Betrachtungsweise der Vermögensgegenstände betrifft, gelten die §§ 5-7 des Einkommenssteuergesetzes (EStG). Die steuerliche Bewertung der Vermögensgegenstände erfolgt vor allem, um eine einheitliche Erfolgsermittlung sicherzustellen und damit eine gerechte Besteuerung zu ermöglichen. Publizitätspflichtige, zu denen beispielsweise Kapitalgesellschaften gehören, erstellen zunächst eine nach den handelsrechtlichen Bewertungsgrundsätzen aufgestellte Handelsbilanz und eine aus dieser abgeleitete Steuerbilanz. Für alle übrigen Unternehmen reicht in der Regel das Erstellen einer Bilanz, welche sowohl als Handels- wie auch als Steuerbilanz dient. Vorausgesetzt die steuerrechtlichen Vorschriften sagen nichts anderes aus, dann gelten die handelsrechtlichen Bestimmungen auch für das Erstellen der Steuerbilanz.

Allgemeine Bewertungsgrundsätze

Die einzelnen Bewertungsgrundsätze haben sich im Laufe der Jahre entwickelt und werden im § 252 des Handelsgesetzbuchs (HGB) einzeln aufgeführt. Ein Grundsatz zur Bewertung der Vermögensgegenstände ist das Identitätsprinzip. Dieses sagt aus, dass die Wertansätze für Vermögensgegenstände in der Eröffnungsbilanz mit denen in der Schlussbilanz übereinstimmen müssen. Dies gilt sowohl insgesamt, wie auch in den einzelnen Positionen. Zudem sind nach dem Einzelbewertungsprinzip alle Vermögensgegenstände einzeln zu bewerten. So ist es also nicht erlaubt, Posten der Aktivseite mit denen der Passivseite zu verrechnen. Ausnahmen gelten nur für die Pauschalbewertung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie für die Bewertung gleichartiger Warenvorräte. Für die Bewertung der Vermögensgegenstände gelten grundsätzlich die am jeweiligen Bilanzstichtag vorhandenen Werte (Stichtagsprinzip).

Bewertungsgrundsätze für Vermögen und Schulden

Neben den allgemeinen Bewertungsgrundsätzen sind für Vermögensgegenstände und Schulden noch einige spezielle Vorschriften zu beachten. Diese sind im § 253 des Handelsgesetzbuchs festgehalten. Eines dieser Prinzipien ist das Anschaffungswertprinzip. Dieses besagt, die Anschaffungs- und Herstellkosten der Vermögensgegenstände am Stichtag der Bilanz nicht höher sein dürfen als die ursprünglich hierfür angesetzten Werte. Somit wird sichergestellt, dass ausschließlich die am Bilanzstichtag durch Verkauf oder Zahlung erzielten Gewinne berücksichtigt werden. Dazu gilt für Vermögensgegenstände das sogenannte Niederstwertprinzip. Nach diesem muss bei Vorliegen von zwei unterschiedlichen Wertansätzen immer das geringere genutzt werden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Markt- und Börsenpreis voneinander abweichen. Für Vermögensgegenstände des Anlagevermögens gilt außer für Finanzanlagen die Regel, dass nur dann der niedrigere Wert verwendet werden muss, wenn dieser dauerhaft ist (eingeschränktes Niederstwertprinzip).

Bewertung für Vermögensgegenstände des Anlagevermögens

Werden Vermögensgegenstände des Anlagevermögens bewertet, dann wird zwischen abnutzbaren und nicht abnutzbaren Anlagegütern unterschieden. Abnutzbares Anlagevermögen muss zu den fortgeführten Anschaffungs- und Herstellungskosten bewertet werden. Diese ermitteln sich aus den Anschaffungs- und Herstellungskosten abzüglich der planmäßigen Abschreibung. Kommt es zu einer dauerhaften Wertminderung, dann muss diese in Form einer außerplanmäßigen Abschreibung gebucht werden. Bei geringfügigen Wirtschaftsgütern ist auch eine komplette Abschreibung im ersten Jahr möglich.

Nicht abnutzbare Vermögensgegenstände dürfen höchstens zu den Anschaffungskosten bewertet werden. Kommt es zu einer dauerhaften Wertminderung, so muss hierfür eine außerplanmäßige Abschreibung auf den Tageswert durchgeführt werden.

Bewertung für Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens

Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens müssen am Bilanzstichtag immer nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet werden. Liegen die Anschaffungskosten über dem Tageswert, so muss der Tageswert angesetzt werden. Entsprechend werden bei einem höheren Tageswert die Anschaffungskosten für die Bewertung zugrunde gelegt.

Bewertung immaterieller Vermögensgegenstände

Für die Bewertung immaterieller Vermögensgegenstände werden die üblichen Bewertungskriterien zugrunde gelegt. Diese müssen zum Zeitpunkt ihres Erwerbs bzw. Nutzung zu den Herstellungs- und Anschaffungskosten in der Bilanz aufgeführt werden. Diese gelten als Obergrenze und müssen durch lineare Abschreibungen jährlich fortgeführt werden. Die Abschreibungen ergeben sich aus der bilanziellen Nutzungsdauer.

 

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