Betriebsprüfung

Wenn der Betriebsprüfer vor der Türe steht

13. Oktober 2010

Kaum ein Unternehmen wird es gelassen sehen können, wenn das zuständige Finanzamt seine Mitarbeiter aussendet. Wenn eine Betriebsprüfung ins Haus steht, dann steht meinst auch die gesamte Buchhaltungsabteilung Kopf. Was für die Mitarbeiter noch als mögliche und lästige Mehrarbeit angesehen wird, ist für den oder die Inhaber oftmals mit einer Zitterpartie verbunden. Was, wenn im Rahmen dieser Kontrolle Ungereimtheiten aufgedeckt werden? Was, wenn Geschäftsfälle nicht ordentlich gebucht wurden? Und welche Nachzahlungen werden möglicherweise fällig?

Betriebsprüfungen heißen in der Amtssprache eigentlich Außenprüfung. Diese sind im § 193 geregelt…

und ermächtigen die zuständigen Finanzbehörden unter gewissen Bedingungen, die Unterlagen der Unternehmen einzusehen. Im Einzelnen betroffen sind hier alle Unternehmen, die eine gewerbliche, freiberufliche oder land- und forstwirtschaftliche Tätigkeit ausüben. Jedoch darf diese Außenprüfung auch bei einem berechtigten Verdacht auf Unregelmäßigkeiten und zu Aufklärungszwecken durchgeführt werden. Aus diesem Grund sind im zweiten Fall hier auch Privatpersonen immer mit eingeschlossen. Eine Betriebsprüfung umfasst in der Regel die gesamte steuerliche Buchhaltung und wird nur in Einzelfällen auf Teilbereiche der Buchführung beschränkt.

Landläufigen Meinungen entgegen stehen die Mitarbeiter des Finanzamts in den seltensten Fällen einfach unangemeldet vor der Betriebstüre. In der Regel erfolgt eine diesbezügliche Terminierung im Rahmen von zwei Wochen vor der angesetzten Betriebsprüfung. Dieser Zeitraum gibt den Inhabern und Mitarbeitern die Möglichkeit, diese Prüfung genauestens vorzubereiten. Wer die Ablage bisher hat schleifen lassen, der sollte spätestens jetzt damit anfangen für eine lückenlose Aufzeichnung aller Unterlagen zu sorgen. Denn – die Buchführung macht es zur Pflicht, dass sich zu jeder Zeit sachverständige Dritte ein genaues Bild über die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Betriebes machen können. Die 14-Tage-Frist hat jedoch noch einen weiteren Grund, denn in diesem Zeitraum steht den Unternehmen die Möglichkeit zu, sich –bei unsachgemäßer Steuerzahlung- noch schnell selbstanzuzeigen. Gemäß § 370 kann somit eine Straffreiheit erreicht werden, die –sofern die Außenprüfer vor Ort hier Unregelmäßigkeiten feststellen – nicht mehr stattgegeben werden kann.

Außenprüfer des Finanzamts sind jedoch entgegen der vorherrschenden Meinung nicht darauf aus, Steuerhinterzieher zu überführen, sondern sie prüfen die Besteuerungsgrundlagen auch zugunsten des Unternehmens. Denn gemäß § 199 der Abgabenordnung sollen hier grundsätzlich in erster Linie die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse, die für die Steuerpflicht maßgeblich sind, untersucht werden. Der Unternehmer selbst wird in diesem Sinne zu jeder Zeit über den Stand der festgestellten Sachverhalte unterrichtet.

Betriebsprüfungen werden in normalen Fällen in den Räumen des Betriebes und auch zu Geschäftszeiten durchgeführt. Damit die Prüfung für beide Seiten reibungslos abläuft, sehen es die Mitarbeiter der zuständigen Finanzbehörde gerne, wenn man ihnen bei der Arbeit entgegenkommt, dh., dass ein Raum zum Arbeiten zur Verfügung gestellt wird und auch alle Buchführungsprogramme zugänglich sind. Im § 200 der Abgabenordnung ist eine diesbezügliche Unterstützung sogar verpflichtend eingetragen.

Da die Buchhaltung der Pflicht zur ordnungsgemäßen Führung unterliegt, ist dies die erste Prüfung, die von den Mitarbeitern des Finanzamts durchgeführt wird. Kann hier jedoch kein lückenloses Kontrollieren gewährleistet werden, ist die Betriebsprüfung schnell beendet – denn dann wird der zu versteuernde Gewinn geschätzt. Entspricht die geführte Buchführung jedoch allen Grundsätzen, erfolgen Prüfungen zu den gegebenen Geschäftsfällen. Dies erfolgt in der Regel mittels eines internen und auch externen Vergleichs. Da nur Stichproben getätigt werden können, erstellt der Steuerprüfer hier eine sogenannte Nachkalkulation. Liegt diese im Rahmen des tatsächlichen Betriebsergebnisses, hat der Unternehmer hier keine weiteren Prüfungen zu erwarten. Im externen System, wird das Unternehmen mit anderen branchenähnlichen Betrieben verglichen. Ist auch hier keine Unregelmäßigkeit zu erkennen, beenden die Prüfer ihre Arbeit.

Wie oft ein Unternehmen von Mitarbeitern des Finanzamts aufgesucht wird, hängt meist auch von der Größe des Unternehmens ab. Kleine Betriebe bekommen diesbezüglich eher wenig bis gar keinen Besuch, während Großbetriebe grundsätzlich lückenlos geprüft werden.

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