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Rückstellungen – „Sparanlage“ für schlechte Zeiten im Betrieb

23. April 2012

Rückstellungen

Im Gegensatz zu Rücklagen, die in der Bilanzierung zum Eigenkapital gehören und eine Art „Sparanlage“ sind, handelt es sich bei Rückstellungen um sogenannte Passivpositionen der Bilanz, deren Höhe nicht genau festgelegt ist, die aber mit großer Wahrscheinlichkeit erwartet werden.

Im Rechnungswesen werden die Rückstellungen unterschieden in Schuld- und Aufwandsrückstellungen. Schuldrückstellungen können beispielsweise dadurch entstehen, dass gegenüber einem Dritten eine Verpflichtung besteht, die noch nicht benannt werden kann. Bei einer Aufwandsrückstellung ist eine Maßnahme sicher in Planung und beschlossen, aber noch nicht ausgeführt. So beispielsweise eine betriebliche Instandhaltungsmaßnahme. Diese ist dann ebenfalls noch nicht in genauer Höhe zu beziffern.

Steuer-, Pensions- und sonstige Rückstellungen

Ein weiteres Gliederungsschema unterteilt die Rückstellungen in Steuer- Pensions- und sonstige Rückstellungen. Somit handelt es sich hierbei um eine Unterteilung nach Gläubigern. Damit ist gemeint, dass Steuerrückstellungen das Finanzamt betreffen, Pensionsrückstellungen die eigenen Mitarbeiter und alle anderen Rückstellungen betreffen die übrigen Gläubiger des Unternehmens.

Pensionsrückstellungen können sein, dass das Unternehmen eine Versorgungszusage an Mitarbeiter gemacht hat. Solange der Fall und damit die Zahlung noch nicht eingetreten sind, ist dies als Rückstellung zu bilanzieren. Bei den Steuerrückstellungen werden die Steuern ausgewiesen, die zwar schon wirtschaftlich entstanden sind, aber der Höhe nach noch nicht feststehen.

Verpflichtungsüberschüsse gehören in die Rubrik Rückstellungen

Ist ein schwebendes Geschäft noch nicht abgewickelt, und es sieht danach aus, dass sich Ertrag und Aufwand nicht mindestens ausgleichen, besteht ein Verpflichtungsüberschuss. Dieser ist ebenfalls unter Rückstellung zu führen. Kulanzrückstellungen sind eine weitere Art. Sie treten ein, wenn das Unternehmen davon ausgeht, Mängel an Lieferungen und Leistungen beheben zu müssen oder zu wollen. Des Weiteren gibt es die sogenannten Garantieverpflichtungen. Diese ergeben sich aus den wahrscheinlich auftretenden Garantieleistungen, die von dem Unternehmen eingefordert werden. Für den Sonderfall, dass das Unternehmen zum Zeitpunkt der Bilanzierung an einem offenen Prozess beteiligt ist – gleich, ob als Kläger oder Beklagter- darf auch hier eine Rückstellung erfolgen. Hier handelt es sich um die Prozessrückstellung. Weitere sind die bereits erwähnten Aufwandsrückstellungen, die Jahresabschluss- und Prüfungsrückstellungen sowie die Provisionsrückstellungen.

Eine gute kaufmännische Beurteilung ist bei den Rückstellungen Pflicht

Festgelegt ist, dass die Rückstellungen nach „vernünftiger kaufmännischer Beurteilung“ zu bilden sind. Damit ist gemeint, dass es am Tag der Bilanzierung wahrscheinlich ist, dass der Fall eintritt, und die Zahlung verlangt wird. Für die Inanspruchnahme müssen mehr Gründe sprechen, als dagegen.

Aufgelöst werden darf eine Rückstellung immer dann, wenn der Grund weggefallen ist, aus dem sie gebildet wurde. Entweder wird die Rückstellung völlig aufgelöst, oder auch in der gesamten Höhe verändert.

Passivierungsverbot muss bei den Rückstellungen beachtet werden

Eine besondere Regelung stellt ein Passivierungsverbot dar. Wenn ein solches besteht, darf in der Regel eine Schuldrückstellung nicht bilanziert werden. Ein Beispiel ist ein versichertes Risiko (beispielsweise Feuerversicherung eines Gebäudes), welches dann nicht als „doppelte“ Absicherung als Rückstellung eingetragen werden darf.

Das Besondere an Rückstellungen ist außerdem, dass darin stille Reserven vorhanden sein können. Damit ist gemeint, dass es üblicherweise erlaubt ist, Rückstellungen höher anzulegen, als dies nach kaufmännischer Wahrscheinlichkeit geboten gewesen wäre. Dadurch werden die sogenannten stillen Reserven angelegt, die erst dann offengelegt werden, wenn des zu betrieblichen Erträgen aus der Auflösung von Rückstellungen kommt.

Rückstellungen verstehen sich buchhalterisch als betrieblicher Aufwand

Anders ausgedrückt ist eine Rückstellung also im Zuge der Bilanzierung ein Aufwand, der verbucht, aber nicht tatsächlich gezahlt wird. Der Jahresabschluss wird so reduziert. Es steht weniger Gewinn und damit weniger Dividende zur Ausschüttung an Teilhaber zur Verfügung. Vor allem aber wird weniger Gewinn versteuert. Ist die Rückstellung eigentlich nicht nötig gewesen, und diese wird im Folgejahr daher auch aufgelöst, so kommt es dann zu einem höheren Gewinn für den Betrieb. Wird die Rückstellung entsprechend verbraucht, sollten sich im Normalfall keine Ergebnisse verändern.

Die dafür notwendigen Entscheidungen und Buchführungen werden in der Regel vom Rechnungswesen beziehungsweise dem Buchhalter eines Unternehmens getätigt. In welcher Weise wer dafür verantwortlich ist, wird normalerweise bereits im Vorfeld geklärt – jedoch können bei wichtigen derartige Entscheidungen auch mehr Personen als üblich an der Festlegung beteiligt sein.

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