Abschreibung

Sonderabschreibungen – wann sie erlaubt sind und für welche Bereiche sie gelten

21. September 2012

Sonderabschreibungen werden zusätzlich zu den normalen Abschreibungen für die Abnutzung eines Wirtschaftsgutes durchgeführt. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass für das betreffende Wirtschaftsgut eine lineare Abschreibung durchgeführt wird. Einzig bei einer Ansparabschreibung ist auch eine degressive Abschreibung möglich. In einigen Fällen können Sonderabschreibungen bereits auf Anzahlungen vorgenommen werden. Dies gilt beispielsweise für Krankenhäuser, die Anzahlungen für Anlagevermögen leisten. Die Möglichkeit zu Sonderabschreibungen wird unter anderem für kleine- und mittlere Betriebe, förderungswürdige Gebäude sowie für bestimmte Industriezweige gewährt.

Sonderabschreibungen für mittlere und kleinere Betriebe nach § 7 Absatz 5 und 6 EStG

Um kleinere und mittlere Betriebe zu fördern, gelten seit 2008 neue Regelungen. Diese gelten für alle Wirtschaftsgüter, die nach dem 01.01.2008 angeschafft wurden. Danach können Sonderabschreibungen im Jahr der Anschaffung sowie den folgenden vier Jahren zur Gewinnminderung eingesetzt werden. Im Gegensatz zu den vor 2008 geltenden Regelungen muss vor der Sonderbeschreibung keine Ansparabschreibung vorgenommen werden.

Für welche Betriebe gilt der § 7 Absatz 5 und 6 EStG

Für Steuerpflichtige, die ihren Gewinn mittels eines Betriebsvermögensvergleichs ermitteln, darf das in der Steuerbilanz ermittelte Betriebsvermögen im Vorjahr der Herstellung bzw. Anschaffung einen Betrag von 235.000 Euro nicht übersteigen. Ab 2009 gilt ein Betrag von 335.000 Euro. Für Unternehmen die eine Einnahme/Überschussrechnung nutzen gilt ein maximaler Gewinn von 100.000 bzw. für die Jahre ab 2009 von 200.000 Euro. Als weitere Voraussetzung muss das betreffende Wirtschaftsgut mindestens für das Jahr der Anschaffung und das Folgejahr in einer inländischen Betriebsstätte verbleiben. Somit soll verhindert werden, dass Wirtschaftsgüter nur zum Zwecke einer Sonderabschreibung in Deutschland angeschafft werden. Für landwirtschaftliche Betriebe gilt ab 2011 ein maximaler Einheitswert von 125.000 Euro. Davor lag dieser bei 175.000 Euro.

Für welche Wirtschaftsgüter sind Sonderabschreibungen möglich

Sonderabschreibungen können ausschließlich für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens durchgeführt werden. Hierzu gehören unter anderem Fahrzeuge, Maschinen oder auch Büroausstattung. Wichtig ist zudem, dass die Wirtschaftsgüter zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden. Für den Fall, dass ein PKW beispielsweise zu 20 Prozent privat genutzt wird, ist eine Sonderabschreibung nicht möglich.

Höhe und Dauer der Sonderabschreibungen

Die Sonderabschreibungen dürfen für das Jahr der Anschaffung sowie die vier Folgejahre maximal 20 Prozent des Anschaffungswertes betragen. Da die degressive Anschreibung im Zuge der Unternehmenssteuerreform abgeschafft wurde, gelten für Sonderabschreibungen ausschließlich die Regeln der linearen Abschreibung. Lediglich für die Jahre 2009 und 2010 galt eine Sonderreglung im Rahmen des Konjunkturpakets, wonach eine degressive Abschreibung von 25 Prozent bis zum Zweieinhalbfachen des linearen Afa durchgeführt werden durfte. Bis zum Jahre 2008 gab es für Existenzgründer was Sonderabschreibungen betraf noch weitere Vergünstigungen. Diese sind jedoch weggefallen, sodass Existenzgründer im Gründungsjahr die Größenvorgaben erfüllen müssen, da kein vorheriges Wirtschaftsjahr vorhanden ist. Zur Bemessung der Sonderabschreibung sind immer die Anschaffungs- und Herstellungskosten maßgebend. Für den Fall, dass für ein Wirtschaftsgut bereits ein Investitionsabzugsbetrag in Anspruch genommen wurde, verringert sich der anzusetzende Betrag entsprechend. Solange das Wirtschaftsgut noch nicht komplett abgeschrieben ist, können Unternehmen die Sonderabschreibung beliebig auf die fünf Jahre verteilen.

Was bringen Sonderabschreibungen?

Durch Sonderabschreibungen wird der Gewinn im entsprechenden Zeitraum vermindert. Allerdings wird das reguläre Abschreibungsvolumen durch die Sonderabschreibungen verringert, sodass sich die gesamten Abschreibungen nicht verändern. Sonderabschreibungen dienen somit lediglich zur Steuerstundung für maximal drei Jahre. Dies bringt dem Unternehmer in erster Linie Zins- und Liquiditätsvorteile. Vorteilhaft ist zudem, dass der Unternehmer die Sonderabschreibungen beliebig auf den Abschreibungszeitraum verteilen kann.

Sonderabschreibungen für denkmalgeschützte Gebäude

Um die historische Substanz von Gebäuden zu erhalten, gewährt der Staat auch bei der Renovierung von denkmalgeschützten Gebäuden die Möglichkeit von Sonderabschreibungen. Für selbst genutzte Immobilien können über den Zeitraum von 10 Jahren jeweils 9 Prozent als Sonderausgabe steuerlich geltend machen. Daraus ergeben sich Sonderabschreibungen von bis zu 90 Prozent. Voraussetzung hierfür ist, dass die zuständige Behörde eine Genehmigung über die Erforderlichkeit der Renovierungsmaßnahme erteilt. Aufgrund der Sonderabschreibungen kann sich die Renovierung von denkmalgeschützten Bauwerken sogar dann lohnen, wenn die gesamten Finanzierungskosten ausschließlich über Fremdkapital aufgebracht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*