Abschreibung

Kalkulatorische Abschreibungen sorgen für satte Unternehmensgewinne

21. Mai 2012

Kalkulatorische Abschreibungen

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Kosten, welche für die Abnutzung oder Nutzung von Anlage- und Produktionsgütern entstehen, werden durch die Möglichkeit der Abschreibung wertmäßig erfasst. Sinn der Abschreibung ist die Substanzerhaltung des eingesetzten Gutes.  Produktionsmittel sind über die Dauer der Nutzung vom Tageswert abzuschreiben. Aus den Tageswerten der genutzten Produktions- und Anlagegüter ergibt sich der aktuelle Wert der gesamten Produktionsanlage. Durch die Hinzunahme weiterer Wertermittlungen ergibt sich hieraus letztendlich der Wert des Unternehmens.  Häufig führt diese Praxis zu einem erheblich höheren Bedarf an Abschreibungen, als steuerlich anerkannt ist. Daher unterscheidet man im Rechnungswesen die kalkulatorische Abschreibung von der steuerlichen Abschreibung.

Kalkulatorische und steuerliche Abschreibungen

Unter kalkulatorischen Kosten versteht man Kostenarten, denen kein direkter Aufwand gegenübersteht, bzw. die von der Finanzbuchhaltung abgegrenzt wurden, weil sie keiner direkten Aufwandsart entsprechen. Sehr häufig handelt es sich dabei um entgangene Gewinne, Löhne oder Zinsen, die im ursprünglichen Sinne nicht den Kosten zuzuordnen sind. Die häufigsten kalkulatorischen Kosten sind

*** kalkulierte Sozialleistungskosten
*** kalkulatorische Abschreibung
*** Kalkulatorische Zinsen
*** kalkulierter Unternehmerlohn
*** kalkulierte Wagniskosten

Die Finanzbuchhaltung berücksichtigt Zinsen nur dann, wenn sie an Kapitalgeber gezahlt werden. Das betriebliche Rechnungswesen muss jedoch auch Kosten berücksichtigen, die dem Eigenkapital zuzurechnen sind. Daher ist für das betriebsnotwendige Vermögen ein kalkulatorischer Zinssatz anzusetzen. Im optimalen Fall wird dieser Zinssatz analytisch ermittelt und führt zu einem Gewinnbedarfsplan.

Unterscheidung der Kostenarten

In diesem Zusammenhang kommt den Kostenarten eine besondere Bedeutung zu. Man unterscheidet bei diesen Kostenarten im Einzelnen unter

a = Personalkosten (Zulagen, Überstunden,Löhne und Gehälter)

b = Materialkosten (Bau- und Einzelteile, Betriebsstoffe, Roh- und Hilfsmaterial)

c = Fremdleistungen (Nicht dem Material oder Reparaturen zuzuordnende Leistungen von Dritten

d = Reparatur- und Unterhaltskosten

e = Umlagekosten (Administationskosten, Lagerkosten, Leitungs- und Gebäudekosten, Kostenrechnungen von anderen Kostenstellen für innerbetriebliche Leistungen

f = kalkulatorische Abschreibung (Abschreibungen, die aus betrieblichen Notwendigkeiten für Anlagen und Lagerbestände anfallen

g = kalkulatorische Zinsen (hierunter fällt die notwendige Verzinsung des Kapitals, welches in einer Kostenstelle investiert wurde

Die Kosten der in einem Unternehmen installierten Anlagen müssen abgedeckt sein, bevor eine Gewinnermittlung möglich ist. Eine derartige Substanzerhaltung wird durch die Ansetzung von Abschreibungen vorgenommen. Dabei stellt sich häufig die Frage, was genau unter Substanz zu verstehen ist. Im deutschen Sprachraum sieht das Handels- und Steuerrecht vor, dass als Substanz der Anschaffungswert zu verstehen ist.

Die Tücken der kalkulatorischen Abschreibung

Das ist ein schöner Gedanke, der jedoch in der Praxis seine Tücken hat und nicht das tatsächliche Bild darstellt. Hat der Unternehmer nur den Anschaffungswert abgeschrieben und muss schließlich das Gut zu einem höheren Preis ersetzen, als im Anschaffungswert ausgewiesen, ist ihm die Möglichkeit genommen, das Leistungspotenzial, welches zum Anschaffungswert verfügbar war, zum gleichen Preis zu ersetzen.

Die innerbetriebliche Betrachtung muss daher vom Wiederbeschaffungswert eines gleichwertigen Gutes ausgehen. Hieraus ergibt sich die kalkulatorische Abschreibung. Bei Gütern mit langer Nutzungsdauer kann man weder den Wiederbeschaffungstermin noch den Wiederbeschaffungswert voraussehen. Daher wird in der Praxis das Inflation Accounting angewendet, die Abschreibung vom jeweiligen Tageswert eines Gutes. Unter dem Tageswert versteht man den Preis, der zu entrichten ist, wenn man das Gut, unter Berücksichtigung des Zustandes, heute ersetzen müsste.

Erfahrene Bilanzbuchhalter nutzen die kalkulatorische Abschreibung

Die kalkulatorische Abschreibung gehört zu den Lieblingsspielzeugen erfahrener Finanzbuchhalter und Controller. Eine hohe kalkulatorische Abschreibung sorgt dafür, dass Gewinne schmelzen wie Schnee in der Sonne – kalkulatorisch versteht sich, tatsächlich ist das Geld ja da. Versuchen Sie das mal als Privatperson und geben Sie in der Steuererklärung an, dass Ihre Waschmaschine womöglich einen kalkulatorischen Defekt hat und sie daher eine Abschreibung vornehmen müssen, die logischerweise Ihr Einkommen schmälert und folglich zu einer geringeren Steuerschuld führen muss. Um dem Einwand vorzubeugen, dass die Kosten einer Waschmaschine kein steuerrelevantes Kapital darstellt, machen wir es etwas komplizierter.

Die Kosten für einen Umzug sind als außergewöhnliche Belastung absetzbar, sofern der Umzug betrieblich bedingt ist. Ein betrieblich bedingter Umzug wird angenommen, wenn Sie durch den Umzug täglich mindestens 30 Minuten Zeit auf dem Weg von und zur Arbeit einsparen. Die Tochter des Vermieters hat geheiratet und möchte Kinder, niemand weiß, wann die kommen. Aber wenn sie kommen, dann wird der Vermieter Eigenbedarf geltend machen, weil die Tochter und deren Familie größere Wohnung benötigen. Sollte dieser Fall eintreten, werden Sie sich vermutlich eine Wohnung am Ort Ihres Arbeitgebers suchen und damit täglich 90 Kilometer Fahrtstrecke einsparen.  Ihnen werden jedoch durch den Umzug nicht unerhebliche Kosten entstehen. Mit diesen Kosten müssen Sie kalkulieren, sie können jederzeit auftreten, ähnlich dem Unternehmer, der nicht weiß, wann seine Maschine das Zeitliche segnet.

Der Unternehmer darf seinen Gewinn jedoch schmälern, um die Steuerzahlungen zu verringern, Sie dürfen Ihr Einkommen nicht schmälern, um beispielsweise der Progression zu entgehen.

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