Abschreibung

Immaterielle Wirtschaftsgüter – was kann alles abgeschrieben werden?

9. Juli 2012

Abschreibung immatrieller WirtschaftsgüterWie bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, müssen auch für immaterielle Wirtschaftsgüter, die weder einer technischen noch substanziellen Abnutzung unterliegen Abschreibungen vorgenommen werden. Dabei gelten für immaterielle Wirtschaftsgüter steuerrechtlich gesehen einige Besonderheiten. Da immaterielle Wirtschaftsgüter keine beweglichen Wirtschaftsgüter darstellen, dürfen hierfür einige Vorschriften nicht in Anspruch genommen werden. So dürfen immaterielle Wirtschaftsgüter ausschließlich linear abgeschrieben werden. Dazu kommt, dass für geringfügige immaterielle Wirtschaftsgüter keine sofortige Abschreibung möglich ist. Zudem sind auch Sonderabschreibungen sowie Leistungsabschreibungen nach § 7 ESTG für immaterielle Wirtschaftsgüter nicht zulässig. Eine mögliche Lösung ist die Durchführung von außerplanmäßigen Abschreibungen sowie Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung.

Was sind immaterielle Wirtschaftsgüter?

Zu den immateriellen Wirtschaftsgütern gehören solche, die physisch nicht vorhanden sind und zum Eigentun eines Unternehmens gehören. Welche Werte genau als immaterielle Wirtschaftsgüter angesehen werden, ist im § 266 des Handelsgesetzbuches (HGB) geregelt. Demnach gehören konkret erfassbare Rechte sowie darauf geleistete Anzahlungen ebenso dazu, wie der Geschäfts- bzw. Firmenwert. Zu den konkret erfassbaren Rechten gehören insbesondere Patente und Urheberrechte sowie vergleichbare Ansprüche. Dazu kommen die Lizenzen für die entsprechenden Rechte sowie Software.

Abschreibung von Software

Im Unternehmen vorhandene Software gehört von einigen Ausnahmen abgesehen zu den immateriellen Wirtschaftsgütern. Das niedersächsische Finanzgericht hat mit seinem Urteil vom 16.01.2010 (Aktenzeichen: 10 K. 82/99) entschieden, dass bezüglich der Abschreibungsdauer von Software die Grundsätze für immaterielle Wirtschaftsgüter anzuwenden sind. Das bedeutet, diese wird über einen Zeitraum von drei Jahren linear abgeschrieben. Da für immaterielle Vermögensgegenstände keine Sonderabschreibungen für eine außergewöhnliche wirtschaftliche oder technische Abnutzung vorgesehen sind, können diese auch für Software nicht vorgenommen werden. Allerdings gibt es hier zwei Ausnahmen. Hierzu gehört beispielsweise Systemsoftware wie Windows, welche ohne zusätzliche Berechnung gemeinsam mit einem Computer erworben wurde. Diese gehört steuerlich gesehen zum Rechner dazu und wird deshalb gemeinsam mit diesem abgeschrieben. Dazu gilt Anwendersoftware mit einem Kaufpreis von weniger als 410 Euro nicht als immaterielles Wirtschaftsgut und kann folglich nach den Grundsätzen der materiellen Wirtschaftsgüter abgeschrieben werden. Software, welche durch das Unternehmen selbst hergestellt wurde, unterliegt einem Aktivierungsverbot und darf folglich nicht abgeschrieben werden.

Abschreibung von Patenten

Patente zählen ebenfalls generell als immaterielle Wirtschaftsgüter und können deshalb ausschließlich linear entsprechend ihrer Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Diese beträgt bei neu eingereichten Patenten 20 Jahre. Wird ein Patent erst später erworben, so gilt für die Abschreibung die noch bestehende Restlaufzeit des Patents. Allerdings kann die wirtschaftliche Nutzungsdauer in der Realität deutlich kürzer sein als die hierfür geltenden gesetzlichen Regelungen. Dies gilt vor allem für Patente im Bereich von schnell fortschreitenden Entwicklungen. In diesen Fällen ist nicht die rechtlich bestehende Laufzeit des Patentes für die Abschreibung relevant, sondern die kürzere wirtschaftliche Nutzungsdauer. Diese beträgt je nach Patent lediglich zwischen drei und fünf Jahre. Da die wirtschaftliche Nutzungsdauer oftmals nur schwer eingeschätzt werden kann, sollte die Abschreibungsdauer hier eher vorsichtig gewählt werden. Nicht abgeschrieben werden dürfen durch das Unternehmen selbst erstellte Vermögensgegenstände sowie Patente, die aus eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten stammen.

Abschreibung des Firmen- bzw. Geschäftswerts

Der Firmenwert, auch Goodwill genannt, gibt Auskunft über den Wert, den ein Käufer bereit ist, für ein Unternehmen zu zahlen. Dieser ermittelt sich aus dem Wert der Vermögensgegenstände abzüglich der bestehenden Schulden. Das Handelsgesetz schreibt vor, dass der Firmenwert angesetzt und abgeschrieben werden muss. Die Abschreibung von einem selbst geschaffenen Firmen- oder Geschäftswert ist dabei allerdings verboten. Für die Abschreibung des Firmenwertes gilt, dass dieser über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden darf. Nach der Steuerbilanz wird hierfür ein Zeitraum von 15 Jahren angesetzt.

Aktivierung immaterieller Wirtschaftsgüter

Generell können nur immaterielle Wirtschaftsgüter abgeschrieben werden, welche auch aktiviert das bedeutet in der Bilanz erfasst wurden. Für Geschäftsjahre bis einschließlich 2009 galt dabei die Regelung, dass immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, welche selbst erstellt, wurden generell nicht aktiviert werden durften. Dagegen bestand bei entgeltlich erworbenen und einzelverkehrsfähigen Wirtschaftsgütern eine Aktivierungspflicht. Diese Vorschrift wurde zum 31. Dezember 2009 aufgehoben und durch ein Aktivierungswahlrecht für selbst erstellte immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens ersetzt. Für selbst geschaffene Firmenwerte ist eine Aktivierung jedoch nach wie vor verboten.

 

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