Abschreibung

Geringwertige Wirtschaftsgüter – Poolabschreibung erleichtert die Arbeit

27. April 2012

Abschreibung

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Die Anschaffung von Wirtschaftsgütern kann normalerweise nur über die Nutzungsdauer verteilt steuermindernd geltend gemacht werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von Abschreibung oder Absetzung für Abnutzung (AfA). Für geringwertige Wirtschaftsgüter, die sogenannten „GWG“, gilt eine Ausnahme.

Bewegliche Güter aus dem Anlagevermögen

Als geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) bezeichnet man bewegliche Güter aus dem Anlagevermögen, die abnutzbar und selbstständig nutzungsfähig sind, dabei jedoch einen bestimmten Herstellungs- oder Anschaffungspreis nicht übersteigen. Mit der Änderung des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes sind zum 01.01.2010 drei verschiedene Verfahren für die Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter eingeführt worden.

Bis zum 31. Dezember 2007 galt, ohne Umsatzsteuer, nach § 6 Abs. 2 EStG für GWG eine Grenze von 410 Euro. Dieser Wert ist auch ab dem 01.01.2010 wieder gültig. In den Jahren 2008 und 2009 angeschaffte geringwertige Wirtschaftsgüter sind dagegen, ab einem Wert von 150 Euro, ebenfalls ohne Umsatzsteuer, als Sammelposten zu erfassen, deren Betrag anschließend über 5 Jahre linear jeweils mit 20% abgeschrieben werden kann.

Poolabschreibung vs. Sofortabschreibung

Für angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter mit einem Wert zwischen 150 und 410 Euro, ohne Umsatzsteuer, seit dem Jahr 2010, haben Unternehmer nun ein Wahlrecht. Geringwertige Wirtschaftsgüter können entweder im Jahr der Herstellung oder Anschaffung sofort und voll abgeschrieben werden, oder in einem Sammelposten linear über fünf Jahre. Allerdings kann dieses Wahlrecht zwischen Poolabschreibung und Sofortabschreibung nur für alle angeschafften Wirtschaftsgüter gemeinsam angewendet werden. Eine Auswahl oder Aufteilung zwischen Sofort- und Poolabschreibung ist nicht möglich. Sollte die Poolabschreibung gewählt werden, sind dort alle hergestellten oder angeschafften Wirtschaftsgüter mit einem Wert zwischen 150 Euro und 1000 Euro, jeweils netto, aufzulisten.

Bei den Überschusseinkünften bleibt es bei der Regelung, dass für alle Wirtschaftsjahre ein Sofortabzug über Werbungskosten erfolgt, sofern die Herstellungs- oder Anschaffungskosten den Betrag von 410 Euro, ohne Umsatzsteuer, nicht übersteigen.

Betriebliche Nutzungsdauer beachten

Bei der Wahl der Abschreibung spielt die betriebsübliche Nutzungsdauer der einzelnen Wirtschaftsgüter keine Rolle. Auch eventuelle Verkäufe von Wirtschaftsgütern während der Nutzungsdauer haben keinen Einfluss auf die Abschreibung, das gilt auch für Entsorgungen. Der Wert des GWG-Pools wird durch Zuschreibung ab dem Jahr der Zuschreibung erhöht. Im Gegensatz dazu bleibt es bei den Überschusseinkunftsarten bei der Abschreibung unter Berücksichtigung der üblichen Nutzungsdauer, sofern der Wert der Wirtschaftsgüter 410 Euro netto übersteigt.

Beispiel A: Ein Unternehmen kauft für einen Besprechungsraum, in welchem auch Lieferanten und Kunden empfangen werden, einen neuen Tisch für 300 Euro netto. Dieser Tisch ist selbstständig nutzbar und daher ein geringwertiges Wirtschaftsgut.

Beispiel B: Ein Unternehmen kauft für 1050 Euro einen neuen Schreibtisch. Die Kosten für den Tisch liegen über der 1000-Euro-Grenze, es handelt sich damit nicht mehr um ein geringwertiges Wirtschaftsgut. Der Schreibtisch muss in diesem Fall als Geschäfts- und Betriebsausstattung aktiviert werden und gemäß der normalen AfA über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Beispiel C: Ein Unternehmen kauft Ersatzteile für Maschinen. Die Ersatzteile sind nicht selbstständig nutzbar und folglich keine geringwertigen Wirtschaftsgüter.

Beispiel D: Ein Unternehmen kauft eine Telefonhalterung für 130 Euro. Sie bleibt somit unterhalb des Wertes von 150 Euro, damit handelt es sich ebenfalls nicht um ein geringwertiges Wirtschaftsgut. Die Telefonhalterung kann sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden, eine Abschreibung als GWG kommt nicht in Betracht.

Bei den Überschusseinkünften bleibt es bei dem Sofortabzug als Werbungskosten, wenn die Herstellungs- oder Anschaffungskosten 410 Euro nicht überschreiten. Arbeitnehmer können Anschaffungskosten für Arbeitsmittel bis zu dieser Höhe jährlich als Werbungskosten geltend machen.

Was versteht man unter der Bezeichnung GWG?

Unter geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) versteht man in der Regel Papierkörbe, Bücherschränke, Schreibtische und andere Kleinmöbel. Dies gilt auch, unabhängig von der Abzugsfähigkeit des Raumes, für Arbeitszimmerkosten. Weiter werden beruflich genutzte Software, Diktiergeräte und Ähnliches als GWG gewertet.

Entscheidend ist für eine sofortige Abschreibung immer, ob das geringwertige Wirtschaftsgut selbstständig genutzt werden kann. Kann ein Wirtschaftsgut nur in Verbindung mit einem anderen Wirtschaftsgut genutzt werden, ist eine selbstständige Nutzung zu verneinen. Als Beispiel kann man hier den Monitor anführen, der ohne Computer nicht nutzungsfähig ist.

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