Abschreibung, Absetzung für Abnutzung, Gehalts- und Lohnabrechnung

Die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen ist ein komplexes Thema

27. Dezember 2010

Wer glaubt, dass man nahezu für alle getätigte Ausgaben bei der Lohnsteuererklärung eine steuerliche Anerkennung von Aufwendungen erhält, der irrt. Die Situation ist deutlich diffiziler. Der Staat ist durchaus daran interessiert, Auszubildende und Berufstätige in ihrem Werdegang bezüglich ihrer beruflichen Qualifikation zu unterstützen, doch trotzdem existieren Grenzen bei der steuerlichen Anerkennung von Aufwendungen.

Es gilt der Grundsatz, dass sich eine Aus- und Weiterbildung von einer Fortbildung unterscheidet. Während eine berufsbedingte Fortbildung in einem festen Arbeitsverhältnis als Werbungskosten oder Betriebsausgaben durchaus die so genannte steuerliche Anerkennung von Aufwendungen nach sich ziehen kann, gelten Ausbildungs- oder Weiterbildungskosten, die unabhängig eines festen Berufsbezugs durchgeführt… werden, als Lebenshaltungskosten. Diese können steuerlich nicht geltend gemacht werden.

Es kann nur schwer zwischen beruflichem und privatem Aufwand unterschieden werden; insbesondere gilt dies für durchgeführte Reisen zu Konferenzen und Tagungen. Damit diese als steuerliche Anerkennung von Aufwendungen gelten, dürfen sie nur ausschließlich beruflich motiviert sein.

Deutliche Festlegungen für die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen

Sowohl Finanzverwaltungen als auch der Baden-Württembergische Finanzhof haben klare Signale gesetzt. Ein Lehrgang auf Mallorca, der von 9 Uhr morgens bis um 17 Uhr nachmittags, 5 Tage die Woche stattfindet gilt nicht unweigerlich als berufliche Weiterbildung. Auch der Autor eines Schulbuchs für das Fach Französisch, welcher durch Frankreich reist, kann bei dieser Reise nicht auf eine uneingeschränkte steuerliche Anerkennung von Aufwendungen hoffen, so der Bundesfinanzhof. Lediglich, wenn die Tage des Auslandsaufenthalts mit einer beruflichen Tätigkeit verknüpft sind, kann die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen geltend gemacht werden.

Der klare Bezug zum Beruf ist vor allem dann gegeben, wenn die anfallenden Aufwendungen direkt zur Förderung des Berufs beitragen.

Welche Merkmale haben berufsbedingte Aufwendungen?

Die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen wird vor allem anhand von fünf speziellen Charakteristika gemessen. Zum einen sollte es sich 1. bei der Fortbildung um einen homogenen Teilnehmerkreis handeln. Ferner sollte 2. der Lehrgang straff durchorganisiert sein. Der Inhalt der Veranstaltung sollte darüber hinaus 3. die betrieblichen oder beruflichen Bedürfnisse der Teilnehmer berücksichtigen. Außerdem sollte 4. den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen Sonderurlaub gewährt werden, damit nachgewiesen werden kann, dass es auch im betrieblichen Interesse ist, dass sich die Mitarbeiter auf einem entsprechenden Lehrgang fortbilden. Und schließlich kann 5. ein Zuschuss von Arbeitgeberseite helfen, dass die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen geltend gemacht werden kann.

Sind diese fünf Kriterien erfüllt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ausgaben steuerlich abgesetzt werden können, sehr hoch. Diese können dann bei der Lohnsteuererklärung eingebracht werden.

Welche Kriterien sprechen gegen eine steuerliche Anerkennung von Aufwendungen?

Als Hauptkriterium wird geprüft, ob eine Absolvierung beispielsweise eines Sprachkurses oder einer Fortbildungsmaßnahme im Inland denselben Erfolg bringen würde. In diesem Fall kann keine steuerliche Anerkennung von Aufwendungen geltend gemacht werden.

Des Weiteren können folgende Aspekte gegen eine Absetzung sprechen: Beispielsweise wenn 1. die Weiterbildungsmaßnahme mit dem Besuch von Sehenswürdigkeiten und touristischen Orten gekoppelt wird. Auch 2. ein häufiger Ortswechsel spricht gegen die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen, ebenso 3. die absichtliche Einbeziehung von Tagen, die zur freien Verfügung stehen wie beispielsweise Sonntage und Feiertage. Auch wirkt es sich bei der Beurteilung bezüglich des Absetzens nachteilig aus, wenn 4. Angehörige oder Partner ebenfalls an der Veranstaltung teilnehmen. Es wird ferner dringend geraten, 5. die Weiterbildung nicht mit einem Privataufenthalt zu verbinden, sowie 6. in den eigenen Kulturkreis zu reisen. Auch 7. eine kostspielige Beförderung spricht für die Beamten des Finanzhofes deutlich gegen eine steuerliche Anerkennung von Aufwendungen, weil dies definitiv in den Bereich Lebenshaltungskosten fallen würde und nicht den betrieblichen Kosten zugeschlagen werden darf.

Sollten berufsbedingte Ausgaben vom Finanzamt nicht steuerlich anerkannt werden, dann besteht nach wie vor die Möglichkeit, Werbungskosten geltend zu machen. Darunter fallen klar abzugrenzende Aufwendungen wie etwa Kursgebühren oder zusätzliche Fahrtkosten.

In jedem Fall kann es sich sehr lohnen, wenn man versucht, die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen bei seiner Lohnsteuererklärung zu bewirken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*