Abschreibung

Degressive Abschreibung

15. November 2013

Bilanzbuchhalter Gehalt

Die Abschreibung ermöglicht es im Steuerrecht, dass die natürliche Abnutzung der Wirtschaftsgüter ausgeglichen wird. Die steuerliche Absetzung für Abnutzung (AfA) ist im Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt – § 7 Abs. 1 EStG spricht von „Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung“. Das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen eines Unternehmens unterliegen einem Wertverlust – die Abnutzung wird im Rechnungswesen bei der Gewinnermittlung mindernd berücksichtigt. Die degressive Abschreibung (auch Buchwert-AfA genannt) hat den entscheidenden Vorteil, dass in den ersten Nutzungsjahren die Abschreibungsbeträge sehr viel höher sind. Die Möglichkeit einer degressiven Abschreibung besteht jedoch nur noch für in der Vergangenheit angeschaffte Wirtschaftsgüter.

Wie funktioniert die degressive Abschreibung?

Um die degressive Abschreibung zu verstehen, muss man sich zunächst mit der linearen Abschreibung auseinandersetzen. Bei der linearen Abschreibung werden die Herstellungskosten bzw. Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut, das abgeschrieben werden soll, in gleichbleibenden Jahresbeträgen abgeschrieben – bis zur vollständigen Abschreibung am Ende der Nutzungsdauer. Die degressive Abschreibung dagegen bewirkt, dass der Abschreibungsbetrag jährlich geringer wird. Die fallenden Abschreibungsbeträge resultieren daraus, dass sich der Abschreibungssatz hier (genauer: bei der geometrisch-degressiven AfA) immer am Restbuchwert der Wirtschaftsgüter orientiert. Das Gesetz geht in § 7 Abs. 1 Satz 3 EStG von einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 15 Jahren aus. Abschreibungen in der Kostenrechnung (kalkulatorische Abschreibungen) sind übrigens von denen der bilanziellen Abrechnung verschieden, weil die Wiederbeschaffungskosten veränderlich sind.

Arithmetisch-degressive und geometrisch-degressive Abschreibung

Es gibt zwei Abschreibungsmethoden: arithmetisch-degressiv und geometrisch-degressiv. Bei beiden Abschreibungsmethoden kommt es zu fallenden Jahresbeträgen. Der jährliche Abschreibungssatz wird bei der geometrisch-degressiven Abschreibung immer aus dem Restwert berechnet. Bei der arithmetisch-degressiven Abschreibung verringern sich die Abschreibungsbeträge jedes Jahr um einen festen Betrag. Die arithmetisch-degressive Abschreibung gewährt, dass am Ende der Abschreibung kein Restbuchwert mehr vorhanden ist – das Wirtschaftsgut kann vollständig abgeschrieben werden. Ein anderer Name für die arithmetisch-degressive Abschreibungsmethode ist die digitale Abschreibung. Eine Abschreibung, die arithmetisch-degressiv vorgenommen wird, ist zwar handelsrechtlich, aber nicht steuerrechtlich nach dem EStG zugelassen. Der Nachteil degressiver Abschreibungsmethoden liegt vor allem darin, dass diese für das Rechnungswesen etwas komplizierter sind.

Wann degressiv, wann linear?

Der Satz der linearen Abschreibung wird gemäß § 7 Abs. 2 EStG bei der degressiven Abschreibung erhöht, und zwar:

  • um den Faktor 2 bei Anschaffungskosten, die vor 2006 angefallen sind
  • um den Faktor 3 bei Anschaffungskosten, die 2006 oder 2007 angefallen sind

Für Anschaffungen nach 2007 wird die degressive von der linearen Abschreibungsmethode abgelöst. Die Absetzung erfolgt gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG „in gleichen Jahresbeträgen“ – das EStG geht also von der linearen Abschreibungsmethode aus. Der Abschreibungsbetrag ist während der Nutzungsdauer immer gleich. Jedoch wurde mit dem Konjunkturprogramm im EStG wieder eine Ausnahme für die Jahre 2009 und 2010 geschaffen. Es gilt aber, dass für nach dem 31. Dezember 2010 angeschaffte Wirtschaftsgüter die lineare Abschreibung vorgeschrieben ist.

Beispiel für eine geometrisch-degressive Abschreibung

Ein Unternehmen kauft im Jahr 2005 eine Maschine (10 Jahre Nutzungsdauer laut Tabelle) für einen Kaufpreis von 5000 Euro. Bei der linearen Abschreibung (AfA) würde sich ein Satz von 10 Prozent pro Jahr ergeben. Das Wirtschaftsgut Maschine wurde im Jahr 2005 erworben, folglich ergibt sich ein Abschreibungssatz von 20 Prozent (2 mal 10 Prozent). Über einen Zeitraum von 10 Jahren kann der Betrieb die Maschine mit einem Abschreibungssatz von 20 Prozent (immer bezogen auf den Restwert) degressiv (mit fallenden Jahresbeträgen) abschreiben:

Anschaffungskosten: € 5000,00
Jahr Abschreibung Restbuchwert
1 € 1000,00 € 4000,00
2 € 800,00 € 3200,00
3 € 640,00 € 2560,00
4 € 512,00 € 2048,00
5 € 409,60 € 1638,40
6 € 327,68 € 1310,72
7 € 262,14 € 1048,58
8 € 209,72 € 838,86
9 € 167,77 € 671,09
10 € 134,22 € 536,87

Zu beachten ist, dass nach Ablauf der Abschreibung noch ein Restwert vorhanden ist, der nicht abgeschrieben wurde. Bei der linearen und der arithmetisch-degressiven Abschreibung wäre dies nicht der Fall. Um zu verhindern, dass nach Ablauf der Abschreibung noch ein Restwert zu Buche schlägt, kann nach dem EStG von der geometrisch-degressiven zur linearen Abschreibung gewechselt werden (§ 7 Abs. 3 Satz 1 EStG). Der Restbuchwert muss dann aber auf die verbleibende Nutzungsdauer verteilt werden (§ 7 Abs. 3 Satz 2 EStG). Die Abschreibungsregeln gelten auch für Wirtschaftsgüter mit geringem Wert (GWG).

Degressive Abschreibung bei Immobilien

Absetzung für Abnutzung ist gemäß EStG auch bei Immobilien möglich. Im Falle von Immobilien kommt die im Titel des § 7 EStG angesprochene „Substanzverringerung“ zum Tragen. Vor allem § 7b EStG und § 7c EStG sind in diesem Zusammenhang wichtig. Die steuerliche Absetzung für Abnutzung (AfA) ist aber nur für Immobilien gestattet, die vermietet werden – das EStG beabsichtigt damit die Schaffung von Wohnraum. Ob die Abschreibung nach der linearen oder degressiven Abschreibung (Buchwert-AfA) erfolgt, entscheidet sich bei Neubauten nach dem Bauantrag bzw. Kaufvertrag. Wurde der Bauantrag vor 2006 gestellt, wird noch degressiv abgeschrieben.

Für die ordnungsgemäße Buchführung: der Erinnerungswert

Ein Erinnerungswert kann entstehen, wenn ein Wirtschaftsgut zwar vollständig nach den Grundsätzen der AfA abgeschrieben ist, aber immer noch genutzt wird. In Wirklichkeit hat das Wirtschaftsgut einen Restwert, nach der Buchhaltung aber nicht. Diese Anlagegüter können dann mit einem symbolischen Betrag von einem Euro weiterhin in der Bilanz vermerkt werden. Um Anlagegüter (im Wege der degressiven oder linearen AfA) komplett auf null Euro abzuschreiben, müssen die Abschreibungsbeträge über die gesamte tatsächliche Nutzungsdauer verteilt werden.

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