Abschreibung

Außerplanmäßige Abschreibungen – Wann dürfen Sie angewandt werden?

28. Mai 2012

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Die Güter eines Unternehmens stellen das Anlagevermögen eines Betriebes dar und hierzu zählen vor allem Gebäude, Fahrzeuge, Maschinen, Betriebsmittel, etc. Das Anlagevermögen unterliegt einem planmäßigen zeitlich festgelegtem Abschreibungsverfahren, welches vor Beginn als linear, degressiv oder progressiv definiert werden muss. Mit Hilfe von Unterlagen der Finanzbehörden kann mit einer sogenannten AfA-Tabelle (Absetzung für Abnutzung), bzw. AfS (Absetzung für Substanzverringerung), die jeweilige planmäßige Abschreibung ermittelt und begonnen werden. Die AfA-Tabelle ermittelt dabei lediglich den als Betriebsausgabe abzugsfähigen Wertverlust und unterliegt z. B. anderen Regeln als eine betriebswirtschaftliche Abschreibung.

Eine außerplanmäßige Abschreibung tritt dann ein, wenn außergewöhnliche und dauerhafte Wertminderungen eines abnutzbaren Anlagegutes eintreten… z. B. ein Fahrzeug, welches nicht wie angenommen, 4 Jahre, sondern nur 1 Jahr genutzt werden kann. Hierzu kann es insbesondere immer dann kommen, wenn ein unvorhersehbarer Schaden eintritt (Feuer oder Havarie), oder auch wenn Produktionsverschiebungen oder -verlagerungen eine weitere geplante Nutzung eines Anlagegutes ausschließen.

Wann ist die Abschreibung eine außerplanmäßige Abschreibung?

Ob und wann eine außerplanmäßige Abschreibung nötig ist, ist nicht immer sofort klar ersichtlich und nicht selten streiten sich Unternehmensberater und Prüfer von Finanzämtern. Der Grund hierfür ist, dass auch außerplanmäßige Abschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung auftauchen, und somit direkten Einfluss auf den zu versteuernden Gewinn hat.

Relativ unkompliziert und klar ist der Sachverhalt bei Havarie. Kurz: immer dann, wenn ein Anlagegut offensichtlich derart zerstört ist, dass es für eine weitere Nutzung unbrauchbar geworden ist. Wie aber sieht es bei einer Produktionsumstellung aus, in deren Zuge ggf. einzelne Maschinen unbrauchbar werden, oder Computer und/oder Software, die durch das Erscheinen von Nachfolgemodellen und Versionen einen drastischen Wertverlust erfahren?

Dauerhafte Wertminderungen verursachen außerplanmäßige Abschreibungen

Grundsätzlich kann man sagen, dass eine außerplanmäßige Abschreibung immer dann gemacht werden muss, wenn eine dauerhafte Wertminderung des Wirtschaftsgutes unwiederbringlich eingetreten ist. Klassischer Fall: Brand und somit völlige und nicht rückkehrbare Zerstörung des Anlagevermögens. Ein dauerhafter Wertverlust muss zwingend abgeschrieben werden und ist in den meisten Fällen hier auch sehr deutlich festzustellen.

Eine außerplanmäßige Abschreibung kann zudem dann gemacht werden, wenn zwar eine primäre Wertminderung eingetreten ist, diese aber unter Umständen nicht zwingend dauerhaft ist. Beispiel: Ein Produktionsbetrieb stellt seine Produktion von Getränkeflaschen auf Joghurtbecher um. Die Maschinen, die zur Getränkeflaschenherstellung genutzt wurden sind somit zunächst wertlos, und der Betrieb muss neue Maschinen anschaffen. Ist nun z. B. die Wiederaufnahme der „alten“ Produktion, und somit Wiederinbetriebnahme der alten Maschinen, geplant, braucht die außerplanmäßige Abschreibung nicht erfolgen. Wenn das Unternehmen aus betriebswirtschaftlichen Gründen jedoch nicht damit rechnet die Produktion zurückzustellen, kann die Abschreibung sehr wohl als außerplanmäßig vorgenommen werden.

Außerplanmäßige Abschreibungen sind zunächst einmal streng dem Niederstwertprinzip unterworfen. Sie müssen somit also auf den niedrigst beizulegenden Wert abgeschrieben werden. Doch auch hier gibt es natürlich auch Ausnahmen und Unterschiede. So werden Anlagegüter i.d.R. nach einem gemilderten Niederstwertprinzip (wenn von einem dauerhaften Wertverlust ausgegangen wird) abgeschrieben, während Güter des unmittelbaren Umlaufvermögens bei Wertverlust dieses Privileg nicht innehaben.

Die Praxis zeigt…

Im geschäftlichen Alltag der Unternehmen finden wir viele Betriebe, insbesondere aus den klein- und mittelständischen Unternehmen, die noch nie eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen haben, und die auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiter darauf verzichten werden, obwohl sie theoretisch die Möglichkeit dazu hätten. Auf der anderen Seite begegnen wir Firmen, die außerplanmäßige Abschreibungen als Instrument verstehen, Einfluss auf den unmittelbar zu versteuernden Gewinn zu nehmen. Hier wird dann meist die außerplanmäßige Abschreibung im Rahmen der ordentlichen Abschreibungen zum Jahresabschluss vorgenommen. Hierbei muss man allerdings auch abwägen, dass Abschreibungen steuerliche Vorteile bringen, d. h., dass auch jede außerplanmäßige Abschreibung Einfluss auf den Gewinn (oder Verlust) nach sich zieht, und dass durch das Erreichen einer Nutzungsdauer kein weiterer steuerlicher Vorteil mehr geltend gemacht werden kann. Mit Hinblick auf den Einschluss für Verluste durch versicherte Schadensfälle bleibt jedoch auch dieses Risiko kalkulierbar.

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