Abschreibung

Abschreibung – Anschaffungskosten für Anlagegüter korrekt ermitteln

30. September 2014

Abschreibung

Wenn Sie als Unternehmer höherwertige Anlagegüter anschaffen, dürfen Sie die Anschaffungskosten oder die Herstellungskosten nicht sofort steuerlich geltend machen. Sie haben zwar Betriebsvermögen für das neue Gut aufgewendet, allerdings haben Sie nun den Gegenwert im Unternehmen. Erst über die Abnutzung verlieren die Anlagegüter ihren Wert. Diese Wertminderung ermitteln Sie im Rahmen der Buchführung im Rechnungswesen über die Abschreibung. Anlagegüter werden über den Zeitraum der betriebsüblichen Nutzungsdauer abgeschrieben. Die Nutzungsdauer entnehmen Sie den AfA-Tabellen (AfA = Abschreibung für Abnutzung). Dort sind die üblichen Nutzungszeiträume für die verschiedensten Güter festgeschrieben. Ob Sie ein Anlagegut länger oder kürzer nutzen, spielt für das Finanzamt keine Rolle. Es gelten in der Regel die amtlich ermittelten, branchenüblichen Werte. Die Art der Abschreibung ist vom Gesetzgeber festgelegt. Für geringwertige Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungskosten 1.000 Euro netto nicht übersteigen, gelten eigene Regelungen.

Lineare Abschreibung – der Standardfall

Lineare Abschreibungen stellen die häufigste Form der Abschreibung dar. Hierbei schreiben Sie die Anschaffungskosten oder die Herstellungskosten für ein Anlagegut gleichmäßig über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ab. Das heißt, Sie führen die Absetzung in jedem Jahr der Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle in gleicher Weise durch. Am Ende der Nutzungsdauer hat das Anlagegut einen Wert von null Euro.

Als Bemessungswert für lineare Abschreibungen gelten die Anschaffungskosten oder die Herstellungskosten. Haben Sie das Gut eingekauft, handelt es sich um Anschaffungskosten. Wird das Gut dagegen in Ihrem eigenen Betrieb hergestellt, handelt es sich um Herstellungskosten. Zu den Kosten für Anschaffung oder Herstellung zählen auch die Kosten für Lieferung oder Transport, Montagekosten oder andere Kosten, die zur Inbetriebnahme zwingend anfallen. Die Abschreibung beginnt in dem Monat, in dem das Gut angeschafft oder hergestellt wurde. Wann Sie es tatsächlich im Unternehmen nutzen, ist für das Finanzamt nicht maßgeblich.

Die Höhe der jährlichen Abschreibung ermitteln Sie anhand der Formel: Bemessungswert / Nutzungsdauer.

Beispiel: Ein Unternehmer erwirbt im Jahr 2014 für 10.000 Euro ein Materialprüfgerät. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt laut AfA-Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter 10 Jahre. Die Höhe der Abschreibung berechnet sich so: Bemessungswert 10.000 / Nutzungsdauer 10 Jahre = 1.000 Euro Abschreibungsbetrag. Die Anschaffungskosten für das Materialprüfgerät werden jedes Jahr mit 1.000 Euro abgeschrieben. Nach 10 Jahren ist das Materialprüfgerät komplett abgeschrieben, sein Wert beträgt in der Buchführung nun null Euro.

Viele Güter verbleiben auch nach dem Ende der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer noch im Betrieb. Damit diese in der Buchführung nicht in Vergessenheit geraten, dürfen Sie diese mit einem sogenannten Erinnerungswert in Höhe von einem Euro weiter in den Büchern führen.

Anschaffungen im Kalenderjahr

Die wenigsten Unternehmen schaffen bewegliche Anlagegüter ausschließlich im Januar an, sofern das Kalenderjahr einem Wirtschaftsjahr entspricht. In der Realität werden Anschaffungen über das Jahr verteilt vorgenommen. Das hat selbstverständlich Einfluss auf die erste Abschreibung. Abschreibungen für im Laufe des Jahres angeschaffte Güter berechnen Sie anteilig. Sie dürfen die Abschreibung nur für die Monate der tatsächlichen Nutzung berechnen. Für jeden angefangenen Monat der Nutzung nehmen Sie eine Abschreibung in der Höhe von einem Zwölftel der Abschreibung für das volle Jahr vor.

Beispiel: Ein Unternehmen kauft am 18. September 2014 eine Maschine. Der jährliche Abschreibungsbetrag beträgt 1.200 Euro. Im ersten Jahr der Nutzung darf die Abschreibung nur für vier Monate erfolgen. Sie nehmen die Abschreibung in Höhe von 4/12 von 1.200 Euro vor, der Abschreibungsbetrag liegt in 2014 bei 400 Euro.

Die degressive Abschreibung

Die degressive Abschreibung oder Buchwert-AfA hat den Vorteil, dass sie höhere Wertminderung in den ersten Jahren der Nutzung eines Anlageguts abbildet. Bei dieser Methode berechnen Sie die Abschreibung nur im ersten Jahr nach der Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten. In jedem weiteren Jahr wird ein prozentualer Teil des Buchwertes abgeschrieben. Auf diese Art fällt die Abschreibung in den ersten Jahren höher aus, mit jedem Jahr vermindert sich der Betrag der Abschreibung. Daher ist diese Form der Abschreibung besonders sinnvoll, wenn Güter durch Abnutzung oder technischen Fortschritt besonders in den ersten Jahren eine hohe Wertminderung erfahren. Allerdings sind degressive Abschreibungen nur für Anschaffungen vor dem 01.01.2008 und für Anschaffungen in den Jahren 2009 und 2010 erlaubt.

Kalkulatorische Abschreibung

Die kalkulatorische Abschreibung ist ein Teil der Kostenrechnung im internen Rechnungswesen. Frei von den Vorgaben durch Steuerrecht oder Handelsgesetzbuch (HGB) wird hier der tatsächliche Wertverlust eines Gutes berechnet. In diesem Fall nutzen Sie die Vorgaben, die in Ihrem Unternehmen entstehen. Die Nutzungsdauer, verschiedene Nutzungsintervalle und die individuelle Intensität der Nutzung fließen hier in die Berechnungen mit ein. Diese Werte weichen in der Regel deutlich von den Vorgaben der AfA-Tabellen ab. Auch legen Sie hier nicht Anschaffungs- oder Herstellungskosten für Ihre Berechnungen zugrunde. Maßgeblich ist in den meisten Unternehmen der Wiederbeschaffungswert für ein Anlagegut.

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